Pentagon: Keine direkten Verhandlungen mit dem IS über Rückzug aus Syrien

 

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01.06.2017 01:37
Das Pentagon verhandelt nicht direkt mit dem IS über einen Rückzug aus Syrien. Die Amerikaner setzen bei der Entflechtung allerdings auf ihre kurdischen Verbündeten.
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Nach Angaben der Nachrichtenagentur ARA News haben die syrischen Kurden-Milizen der SDF den ISIS-Kämpfern in der Stadt Rakka das Angebot unterbreitet, sich sicher zurückziehen zu dürfen. Die ISIS-Kämpfer dürfen ihre Waffen mitnehmen und in andere Teile Syriens ziehen. ARA News zitiert eine Mitteilung der SDF: „An alle militanten Kämpfer, die ISIS und anderen bewaffneten Gruppen in der Stadt Rakka angehören. Am 15. Mai 2017 veröffentlichte die SDF eine Ankündigung, wonach denjenigen, die sich mit ihren Waffen, unabhängig von ihrer Position und ihrer Mission, innerhalb von zehn Tagen zurückziehen, freies Geleit gewährt wird.“

Die ISIS-Kämpfer hätten bis zum 31. Mai 2017 Zeit, sich aus Rakka zurückzuziehen. Die SDF plant mit Unterstützung des Pentagons eine Militäroperation auf Rakka, um die Stadt von ISIS zu befreien. „Die SDF würde es vorziehen, einen grausamen Häuserkampf in Rakka zu vermeiden. Durch die Bereitstellung einer Amnestie vor der Schlacht um Rakka beginnt die SDF, die Zahl der aktiven ISIS-Kämpfer in der Stadt zu reduzieren. Das würde die Fähigkeit von ISIS, alle Stadtteile von Rakka zu verteidigen, verschlechtern“, sagte Nicholas A. Heras vom Center for a New American Security (CNAS) ARA News.

Die israelische Militärwebseite DebkaFile berichtet hingegen, dass das Pentagon indirekte heimliche Gespräche mit hochrangigen ISIS-Kommandanten führe. Das Pentagon erhoffe sich dadurch, dass sich die ISIS-Kämpfer von Rakka nach Al-Mayadin und Abu Kamal im südöstlichen Syrien zurückzögen. Al-Mayadin und Abu Kamal befinden sich direkt am Grenzübergang zum Irak in der Provinz Deir Ezzor. Die Verhandlungen mit ISIS seien seit dem 19. Mai 2017 im Gange.

Auf Nachfrage der Deutschen Wirtschafts Nachrichten, ob das Pentagon tatsächlich Verhandlungen mit ISIS in Syrien führe, sagte US-Major Adrian Rankine-Galloway: „Das Verteidigungsministerium engagiert sich bei der Vernichtung von ISIS. Koalitionskräfte verhandeln nicht mit ISIS. Unter bestimmten Umständen haben unsere partnerschaftlichen syrischen Kräfte am Boden mit ISIS Verhandlungen geführt, um den Abzug von ISIS zu ermöglichen und den Verlust zivilen Lebens und die Zerstörung der lokalen Infrastruktur zu verringern. Die Koalitionskräfte haben in diesen Gesprächen keine Rolle gespielt.“

Der Rückzug der ISIS-Kämpfer nach Al-Mayadin und Abu Kamal dürfte sich nachteilig für die Ziele des Irans auswirken, wonach über den Irak und Ost-Syrien ein iranischer Korridor ans Mittelmeer geplant ist. Einem Bericht des Guardian zufolge kommt es den USA hauptsächlich darauf an, die Iraner daran zu hindern, einen Korridor ans Mittelmeer zu schaffen. Deshalb würden die USA gemeinsam mit den Briten, weiteren westlichen Verbündeten und den internationalen Söldnern versuchen, den Iranern im Osten und Südosten Syriens den Weg abzuschneiden.

Russland will hingegen den sicheren Rückzug der ISIS-Kämpfer aus Rakka in die südliche Stadt Palmyra verhindern. Eine anonyme Quelle des russischen Verteidigungsministeriums sagte der staatlichen Nachrichtenagentur TASS: „Die Daten, die über mehrere unabhängige Kanäle bestätigt wurden, deuten darauf hin, dass die Kommandanten der kurdischen Einheiten, die im Zusammenhang mit den sogenannten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) stehen und die ISIS-Anführer, die in diesem Gebiet (Anm.d.Red. Rakka) tätig sind, eine Einigung über die Schaffung eines sogenannten sicheren südlichen Korridors erzielt haben. Die Terroristen haben eine Möglichkeit für einen ungehinderten Rückzug erhalten – unter der Voraussetzung, dass sie sich nach Palmyra zurückziehen.“

Mitte Mai 2017 hatte sich der türkische Premier zur geplanten Operation auf Rakka unter Einbindung der Kurden-Milizen der SDF und YPG geäußert. „Diese Operation wird nicht zur Vernichtung von ISIS führen. Ganz im Gegenteil. Ich denke, auch die US-Seite versteht dies. Die US-Seite hat mir mitgeteilt, dass die Einbindung der YPG ein kurzfristiges Erfordernis sei. Mir wurde gesagt, dass nach dem Sieg über ISIS in Rakka die Zusammenarbeit der USA mit der YPG beendet werde. Wir werden sehen“, zitiert Haberler.com Yildirim.

Auf Nachfrage eines Reporters, was denn die Türkei gegen die Kooperation zwischen den USA und der YPG tun wolle, sagte Yildirim: „Wir werden den USA wohl kaum den Krieg erklären. Wir werden weiterhin gegen jegliche Terrorgruppen kämpfen – ob diese Gruppen nun PKK, PYD oder YPG heißen.“


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