Altkanzler Schröder soll in Rosneft-Vorstand aufgenommen werden

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder soll Mitglied im Vorstand des russischen Rosneft-Konzerns werden.

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Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) soll in den Vorstand des halbstaatlichen russischen Ölkonzerns Rosneft aufgenommen werden. Diesen Vorschlag sieht ein Dekret des russischen Ministerpräsidenten Dmitri Medwedew vor, das am Freitagabend auf der Homepage der russischen Regierung veröffentlicht wurde. Die Rosneft-Aktionäre sollen Ende September über die Veränderungen im Rosneft-Vorstand abstimmen, der bei dieser Gelegenheit von neun auf elf Mitglieder erweitert wird.

Für Schröder ist der Posten eines „unabhängigen Direktors“ vorgesehen. Als weitere unabhängige Direktoren sind Oleg Wjugin, Donald Humphrey und Matthias Warnig vorgesehen, die diese Funktion bereits im bisherigen Vorstand ausüben. Als staatliche Vertreter sollen Rosneft-Chef Igor Setschin, der Kreml-Berater Andrej Belussow und Energieminister Alexander Nowak dem Rosneft-Vorstand angehören.

Der Rosneft-Konzern entwickelte sich in den vergangenen 15 Jahren zu einem der größten Ölkonzerne weltweit. Er wird zur Hälfte vom russischen Staat kontrolliert. Sowohl Rosneft-Chef Setschin als auch Altkanzler Schröder sind langjährige Freunde des russischen Staatschefs Wladimir Putin.

Die EU und die USA verhängten im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise Sanktionen, die auch den Rosneft-Konzern betreffen. Schröder sprach sich in der Vergangenheit gegen derartige Strafmaßnahmen aus. Der 73-jährige Altkanzler ist bereits Vorsitzender des Aktionärsausschusses von Nord Stream, dem Betreiber einer Gaspipeline von Russland nach Deutschland durch die Ostsee.

Heftige Kritik an der Personalie Schröder übte unter anderem der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk. „Dass ein ehemaliger Bundeskanzler und führendes SPD-Mitglied vom Kremlchef instrumentalisiert wird, indem er einen russischen Energieriesen leiten soll, der sich seit der Krim-Annexion auf der EU-Sanktionsliste befindet und mit dessen Erträgen der blutige Krieg gegen die Ukraine bis heute geführt wird, ist moralisch verwerflich“, sagte der Diplomat den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Der Grünen-Europaabgeordnete Reinhard Bütikofer forderte eine sofortige Distanzierung der SPD von Schröder. Dessen Verhalten sei „schamlos“, sagte er den Funke-Zeitungen. „Er erniedrigt sich endgültig zu einem bezahlten Diener der Politik Putins – die SPD sollte jetzt endlich erkennen, dass sich ihre Wege und die ihres Exkanzlers scheiden müssen“, sagte Bütikofer.

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