Britische Studie: Raketen von Nordkorea könnten aus der Ukraine stammen

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
14.08.2017 18:23
Die Motoren für die nordkoreanischen Raketen sollen aus einem Werk in der Ukraine stammen. Die Regierung in Kiew weist jede Beteiligung von sich.
Britische Studie: Raketen von Nordkorea könnten aus der Ukraine stammen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Eine Studie des in London ansässigen International Institute for Strategic Studies (IISS) ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die von Nordkorea getesteten Raketen aus der Ukraine stammen sollen. Die Studie nennt auch Russland als möglichen Lieferanten für Nordkorea, konzentriert sich jedoch schwerpunktmäßig auf ein Werk südöstlich von Kiew.

Dies ist bemerkenswert, weil das IISS unter anderem von den großen westlichen Rüstungskonzernen, der NATO, westlichen Regierungen und einigen britischen Medien finanziert wird. Auch die New York Times bezieht sich in ihrer Berichterstattung auf die Ukraine und titelt: „Der Erfolg der nordkoreanischen Raketen steht laut einer Untersuchung in Verbindung mit einer ukrainischen Firma“. Der Autor der Studie, Michael Elleman, sagte der NYT, dass die Motoren aus der Zeit der früheren Sowjetunion stammen. Es gab nur wenige Werke, wo diese Motoren produziert wurden. Eines davon steht in der Ukraine. Elleman: „Es ist wahrscheinlich, dass diese Motoren aus der Ukraine kamen – vermutlich illegal. Die große Frage ist, wie viele sie haben und ob die Ukrainer ihnen jetzt helfen. Ich bin sehr besorgt."

Die Studie und die New York Times glauben, dass die Raketen aus einem Werk des ukrainischen Rüstungsunternehmens Yuzhmash bei Dnipro (früher Dnipropetrovsk) stammen. Dieses Werk sei nach dem Ende des von Russland unterstützten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch in die Krise geraten, weil die Russen nicht mehr mit dem Unternehmen zusammenarbeiteten. Das Unternehmen soll an der Grenze der Pleite entlangschrammen. Die Moral unter den Mitarbeitern sei niedrig.

Wie sehr die Studie auf Detailinformationen zurückgreifen kann, ist schwer zu beurteilen: Die Autoren haben die Fotos studiert, die den nordkoreanischen Führer Kim Jong Un zeigen, wie er die Raketen inspiziert. Elleman hatte das Werk vor zehn Jahren mehrfach besucht. Er sagte, er könne "die Leute verstehen", glaube jedoch, "das sie keine bösen Sachen machen wollten".

Elleman sagte der New York Times, es sei auch möglich, dass das russische Unternehmen Energomash, welches enge Geschäftsbeziehungen zum Werk in der Ukraine unterhalte, die Technologie für die RD-250 Motoren an Nordkorea geliefert haben könnte. Er sagte, einige RD-250 Motoren könnten in russischen Lagerhallen gelagert worden sein.

Das Unternehmen schreibt auf seiner Website, dass Yuzhmash keine „gefährlichen Technologien außerhalb der Ukraine transferiert“. Die Website war am Montagabend nicht mehr erreichbar. Doch die NYT berichtet, die US-Geheimdienste schenkten dieser Aussage keinen Glauben, sondern nähmen an, die Motoren könnten über den Schwarzmarkt nach Nordkorea gelangt sein. Ein Carnegie-Bericht aus dem Jahr 2014 hatte die Möglichkeit eingeräumt, dass Mitarbeiter der angeschlagenen ukrainischen Rüstungsindustrie versuchen könnten, ihre Dienste "Schurkenstaaten" anzubieten. Bereits vor Jahren waren nordkoreanische Spione bei dem Versuch ertappt worden, Raketen aus der Ukraine zu stehlen, berichtet die Times.

Die New York Times zitiert auch einen deutschen Analysten: Norbert Brügge habe auf seiner Website starke Ähnlichkeiten zwischen der nordkoreanischen Rakete und dem Yuzhmash-Modell festgestellt.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hatte das Yuzhmash-Werk im Jahr 2014 besucht. Sein Sicherheitsberater, Oleksandr Turchynov, wies das Ergebnis der Studie am Montag zurück. Die NYT zitiert Turchynov mit den Worten: „Diese Information entbehrt jeder Grundlage, ist eine provokante Darstellung und wurde mit größter Wahrscheinlichkeit von russischen Geheimdiensten produziert, um ihre eigenen Verbrechen zu vertuschen.“ Die Ukraine unterstütze alle Sanktionen gegen Nordkorea.


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Warum die Supermacht USA zum Hauptopfer der Corona-Pandemie geworden ist

In den USA wütet die Corona-Pandemie wie in keinem anderen Land der Welt. Sogar die armen Länder sind vergleichsweise gut durch die Krise...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Arktis: Russland will Nordseeroute in einen Transportkorridor verwandeln

Russland baut seine Pazifik-Flotte aus, um sich die Nordseeroute als Transportkorridor der Zukunft zu sichern. Wenn das Projekt gelingen...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft US-Techfirmen verdrängen Chinas Unternehmen aus Indien

Die zunehmend anti-chinesische Stimmung in Indien bietet US-Unternehmen die Gelegenheit, Chinas Unternehmen aus dem indischen Markt zu...

DWN
Politik
Politik Chinesen besiedeln den Fernen Osten Russlands

China hat ein großes Interesse daran, die Rohstoffe im Fernen Osten Russlands zu erschließen. Daher siedeln sich immer mehr Chinesen dort...

DWN
Deutschland
Deutschland Wie die Wissenschaftler Roboter auf dem Mond per Smartphone fernsteuern

Das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) entwickelt gerade eine besondere Software, die für Aufsehen sorgen wird.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Die Türkei produziert mehr Gold-Münzen als jedes andere Land

Im vergangenen Jahr hat die staatliche Münzprägeanstalt der Türkei deutlich mehr Goldmünzen produziert als jedes andere Land.

DWN
Politik
Politik Machtvolle Symbolik: US-Sanktionsdrohung trifft direkt Merkels Wahlkreis

Die Sanktionsdrohung aus den USA gegen den deutschen Ostseehafen Sassnitz-Mukran wegen der Gaspipeline Nord Stream 2 hat einen...

DWN
Technologie
Technologie Roboter sollen künftig aufgebrachte Kunden beruhigen

Viele Kunden benehmen sich beim Kontakt mit den Unternehmen alles andere als höflich, wenn sie nicht sofort bedient werden. Eine KI soll...

DWN
Deutschland
Deutschland Pandemie schiebt Logistikmarkt für E-Commerce nach vorne

Viele Branchen werden durch die Corona-Krise erschüttert. Es gibt nur ein paar, die sogar davon profitieren. Dazu gehört der E-Commerce.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Explosion im Hafen von Beirut ist ein Schlag gegen Chinas Seidenstraße

Der Hafen von Beirut sollte aus chinesischer Sicht eine wichtige Rolle beim Aufbau der Neuen Seidenstraße und beim Handel mit Europa...

DWN
Politik
Politik Am Sonntag Anti-Corona-Demo in Dortmund

Am Sonntag findet in Dortmund die nächste Anti-Corona-Demo statt. Angemeldet wurde sie von der Gruppe "Querdenken-231".

DWN
Deutschland
Deutschland Reiche wollen denkmalgeschützte Nazi-Bauten in Luxus-Oasen umbauen

In einem Hamburger Villenviertel wurde ein denkmalgeschützter NS-Bau zur Luxus-Wohnanlage umgebaut. Dafür gibt es Kritik von Experten....

DWN
Finanzen
Finanzen US-Aktien der Schweizer Notenbank springen auf Rekord-Stand

Die Schweizer Notenbank hat im zweiten Quartal weiter US-Aktien gekauft und hält nun einen Rekordwert von 118,3 Milliarden Dollar....

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Chinas Exporte ziehen an: Hoffnung auf Schub für Weltwirtschaft

Die Exporte Chinas sind zu Beginn des zweiten Halbjahres überraschend gestiegen und nähren Hoffnungen auf eine Belebung der...

celtra_fin_Interscroller