Großbanken planen gemeinsame Krypto-Währung

Einige der weltgrößten Banken planen den Einsatz einer gemeinsamen Kryptowährung, die mit Zentralbankgeld gedeckt ist.

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Kryptowährungen nutzen die Blockchain-Technologie. Nun wollen auch Großbanken eine gemeinsame Krypto-Währung einsetzen. (Foto: Flickr/Christaan Colen/CC BY-SA 2.0)

Kryptowährungen nutzen die Blockchain-Technologie. (Foto: Flickr/Christaan Colen/CC BY-SA 2.0)

Sechs große Banken beteiligen sich an einem Blockchain-Projekt zur Abwicklung von Finanztransaktionen. Dies sind Barclays, Credit Suisse, Canadian Imperial Bank of Commerce, HSBC, MUFG und State Street. Schon länger dabei sind die Deutsche Bank, Banco Santander, BNY Mellon und NEX.

Für das Projekt nutzen die Banken eine eigene gemeinsame Krypto-Währung mit dem Namen „Utility Settlement Coin“, die von der Schweizer Bank UBS speziell für die Finanzmärkte entwickelt worden ist.

„Wir hatten Diskussionen mit Zentralbanken und Regulierern“, sagt Hyder Jaffrey, Chef für strategisches Investment und Fintech-Innovation bei UBS. Diese Diskussionen wolle man in den nächsten zwölf Monaten fortsetzen, um bis Ende 2018 eine erste Version zum Laufen zu bringen, zitiert die Financial Times den UBS-Manager.

Der Utility Settlement Coin basiert auf einem Produkt, das von Clearmatics Technologies entwickelt wurde. Mit der Kryptowährung sollen Finanzinstitute einander bezahlen können sowie zu einem späteren Zeitpunkt auch Wertpapiere wie Anleihen und Aktien handeln.

Statt warten zu müssen, bis herkömmliche Geldüberweisungen abgeschlossen sind, würden sie die neuen Währungseinheiten nutzen, die sie dann bei der Zentralbank in Zentralbankgeld eintauschen können. Dies spart nicht nur Zeit, sondern auch den aktuellen umständlichen und teuren Abwicklungsprozess.

Die Währungseinheiten sollen in mehr als eine Form von Zentralbankgeld umwandelbar sein. Welcher Partner über ein wie großes Guthaben an Utility Settlement Coins verfügt, wird in Echtzeit und sicher in der Blockchain festgehalten. Denn es gibt keine zentrale Stelle, die manipuliert werden könnte.

Eine Blockchain ist eine noch relativ neue Variante eines dezentralen Registers. Dabei werden die Daten auf mehreren Servern gleichzeitig gespeichert und kryptographisch signiert, um eine Manipulationen der Daten auszuschließen. Dass dies funktioniert, zeigen seit Jahren Bitcoin und andere Kryptowährungen.

Auch wenn die Banken die Konkurrenz durch Kryptowährungen kritisch betrachten, so zeigen sie seit längerem doch verstärktes Interesse an der dahinterstehenden Technologie. Diese wollen sie nutzen, um ihre interne Abwicklung zu automatisieren und auf diese Weise Kosten in Milliardenhöhe einzusparen.

„Das dezentrale Register ist eine der innovativsten Technologien, die es gibt“, sagt Lee Braine, Technischer Direktor von Barclays’ Investment-Bank. „Von der Risikominimierung bis zur Kapitaleffizienz auf den Finanzmärkten sehen wir eine Reihe von positiven Auswirkungen.“

Die Blockchain-Technologie stößt überall dort auf Interesse, wo Daten zwischen mehreren Partnern schnell und sicher ausgetauscht werden sollen: Sei es bei der Handelsfinanzierung für den Mittelstand, bei der globalen Container-Verschiffung oder bei der Abwicklung des Goldhandels.

Über den Utility Settlement Coin sagt UBS-Manager Hyder Jaffrey: „Das kommt nicht mit einem großen Knall, es wird im Verlauf der Zeit mit einer Reihe von Entwicklungen kommen.“ Er erwarte, dass die Banken den Utility Settlement Coin ab Ende nächsten Jahres verwenden werden, um einander in verschiedenen Währungen zu bezahlen.

Bis es möglich sein wird, den Wertpapierhandel mithilfe des Utility Settlement Coin abzuwickeln, müssten aber zunächst die Wertpapiere selbst in einem Blockchain-System erfasst werden. Andernfalls würden der angestrebte Zeitgewinn und die Kostenreduzierung verloren gehen.

Hyder Jaffrey räumt ein, dass der Utility Settlement Coin möglicherweise von der Zeit überholt wird, wenn nämlich die Zentralbanken ihre eigenen Blockchain-basierten Währungen ausgeben. Allerdings glaubt der UBS-Manager, dass die Zentralbanken dafür wahrscheinlich noch „viele Jahre“ brauchen werden.

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