Ukraine: Massen-Evakuierungen wegen Brand in Munitionsdepot

In der Ukraine müssen zehntausende Bewohner ihre Häuser verlassen, weil ein Munitionsdepot der Armee in Flammen steht.

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Explosionen in einem Munitionsdepot nahe Vinnitsa. (Foto: dpa)

Explosionen im Waffenlager nahe Vinnitsa. (Foto: dpa)

Eines der größten Munitionslager der Ukraine ist am Dienstagabend in Brand geraten. Hohe Flammen schlugen aus dem Depot in den Himmel, es gab zahlreiche Explosionen, berichtet AFP. Mehr als 30.000 Menschen aus den umliegenden Dörfern wurden am Mittwoch in Sicherheit gebracht, die Behörden sperrten den Luftraum in einem Radius von 50 Kilometern. Die Staatsanwaltschaft zog „Sabotage“ in Betracht.

Nach Angaben des Militärs brach das Feuer gegen 22.00 Uhr Ortszeit (MESZ) aus. Daraufhin seien zahlreiche in dem Munitionsdepot gelagerte Artilleriegranaten explodiert, sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenseite Ukrainska Prawda. Nach Angaben der regionalen Behörden lagern in dem Depot im Zentrum des Landes auf 586 Hektar 83.000 Tonnen Munition. Laut Streitkräften waren 70 Prozent der Anlage unbeschädigt.

Die 20.000-Einwohner-Stadt Kalyniwka und mehrere Dörfer in der Region Winnyzja wurden evakuiert. Auch ein Teil der Straßen in der Region wurde gesperrt und der Bahnverkehr teilweise umgeleitet. 180 Patienten aus Krankenhäusern mussten in Sicherheit gebracht werden. Vize-Infrastrukturminister Jurij Lawrenjuk teilte die Luftraumsperrung im Onlinenetzwerk Facebook mit.

„Die Menschen haben großen Schaden erlitten“, sagte eine Anwohnerin, die nur ihren Vornamen Antonina nennen wollte. In einigen Häusern seien Fenster und Türen „komplett herausgerissen“.

Das Munitionsdepot liegt rund 200 Kilometer westlich der Hauptstadt Kiew. Es ist 20 Kilometer von der 370.000 Einwohner zählenden Stadt Winnyzja entfernt, doch besteht nach Angaben von deren Bürgermeister Sergej Morgunow keine Gefahr, dass sie von Granatsplittern getroffen werden könnte.

Ministerpräsident Wolodimir Groisman traf kurz nach Mitternacht in Winnyzja ein, um persönlich die Arbeit der Behörden zu koordinieren. Er war bis 2014 selbst Bürgermeister der Stadt. „Ich denke, es war kein Unfall“, sagte Groisman. Präsident Petro Poroschenko wies Groisman und die Militärführung an, direkt an ihn zu berichten über die Entwicklung.

Im März hatte ein Brand in einem riesigen Waffen- und Munitionslager im Osten des Landes zu tagelangen Explosionen geführt, bei denen ein Mensch getötet wurde. Tausende Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Das Depot in der Stadt Balaklija liegt rund hundert Kilometer von den ostukrainischen Gebieten entfernt, die von den prorussischen Aufständischen kontrolliert werden.

Im Oktober 2015 starben zwei Menschen bei einer Serie von Explosionen in einem weiteren, direkt an der Frontlinie gelegenen Munitionsdepot. In dem Konflikt der prorussischen Rebellen gegen Kiews Regierungstruppen wurden seit April 2014 mehr als 10.000 Menschen getötet.

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