BNP Paribas stoppt Finanzierung von fossilen Energieträgern

Die französische Großbank BNP Paribas zieht sich aus dem Schieferöl-Geschäft zurück. In Nordamerika blüht die Branche weiterhin und zieht auch viele europäische Banken an.

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Der Bohrturm einer Ölförderplattform, die nach dem Prinzip des Fracking arbeitet, in Tunkhannock, Pennsylvania, USA. (Foto: dpa)

Der Bohrturm einer Ölförderplattform, die nach dem Prinzip des Fracking arbeitet, in Tunkhannock, Pennsylvania, USA. (Foto: dpa)

Die französische Großbank BNP Paribas stoppt die Zusammenarbeit mit Energiekonzernen, die Öl vor allem aus Ölsand- und Ölschiefer-Vorkommen gewinnen. Damit soll die Wende hin zu erneuerbaren Energien unterstützt werden, teilte die Bank am Mittwoch laut Reuters mit. Auch würden keine neuen Projekte mehr zum Transport von Öl und Gas finanziert, das mit den umstrittenen Förderverfahren gewonnen wurde.

Die Bank hatte zuvor bereits die Finanzierung von Kohleminen und Kohlekraftwerken auf Eis gelegt. BNP will bis 2020 stattdessen rund 15 Milliarden Euro in die Finanzierung von erneuerbaren Energie-Projekten stecken. Auch der kleinere Rivale Société Générale hatte im Oktober mitgeteilt, das Geschäft mit der Finanzierung von Steinkohlekraftwerke auslaufen zu lassen.

Offiziell begründete die Bank die Entscheidung mit dem globalen Umweltschutz. Die Maßnahmen seien mit Blick auf den „Übergang in eine nachhaltigere Welt“ und hinsichtlich einer Verringerung der Kohlenstoffdioxidemissionen beschlossen worden, zitiert die Financial Times den Vorstandsvorsitzenden Jean-Laurent Bonnafé. Mit Unternehmen, die sich dazu entschlossen hätten „Umweltthemen zu einem zentralen Bestandteil ihrer Unternehmenspolitik zu machen“, werde weiterhin zusammengearbeitet.

Tatsächlich dürften die ökonomischen Auswirkungen des Rückzugs aus dem Fracking- und Ölsandgeschäft für BNP leicht zu verkraften sein, weil das Exposure der Bank gegenüber diesen Bereichen gering war. Wie die FT berichtet, trete die Bank seit Langem als „Vorkämpfer grüner Finanzdienstleistungen“ auf und wolle bis zum Jahr 2020 etwa 15 Milliarden Euro in erneuerbare Energien investieren.

Überdies verpflichtet ein Gesetz institutionelle Investoren in Frankreich dazu, Risiken in ihren Bilanzen zu veröffentlichen, die sich aus Investitionen in kohlenstoffintensiven Projekten ergeben könnten. Ob das durch den Menschen emittierte Kohlenstoffdioxid tatsächlich für einen Wandel des globalen Klimas verantwortlich ist, bleibt weiterhin umstritten.

Die Regierung in Paris will zudem die Förderung von Erdöl und Gas auf seinem Territorium bis zum Jahr 2040 weitgehend stoppen. Einer entsprechenden Gesetzesvorlage stimmte die Nationalversammlung am Dienstag in Paris mit breiter Mehrheit in erster Lesung zu. Nach Inkrafttreten des Gesetzes sollen keine neuen Förderlizenzen mehr erteilt werden. Bestehende Genehmigungen sollen nicht über 2040 hinaus verlängert werden.

Das Gesetz betrifft sowohl das Festland als auch das Meer, die französischen Überseegebiete eingeschlossen. Die Förderung von Schiefergas soll vollständig verboten werden – bislang war nur das Fracking untersagt, die einzige bislang praktikable Technik zur Förderung von Schiefergas. Die Nationalversammlung billigte aber Ausnahmen für Unternehmen, die Erdöl oder Gas fördern. Sie können die Produktion demnach auch nach 2040 fortsetzen, wenn sie bis dahin nicht ihre Forschungskosten wieder eingespielt haben.

Frankreich will mit dem Gesetz Vorreiter bei der Abkehr von fossilen Energieträgern werden und ein Signal für den Klimaschutz setzen. Allerdings wird in dem Land ohnehin nur sehr wenig Erdöl und Gas gefördert. Die jährliche Erdölproduktion liegt bei rund 815.000 Tonnen – das entspricht nur einem Prozent des französischen Gesamtverbrauchs. Das Gesetz soll noch im laufenden Jahr in Kraft treten. Umweltminister Nicolas Hulot hatte im Juli angekündigt, bis 2040 auch den Verkauf von Dieselautos und Benzinern stoppen zu wollen.

Im März hatte der britisch-niederländische Energiekonzern Royal Dutch Shell den Großteil seiner Beteiligungen an den kanadischen Ölsand-Projekten verkauft und das amerikanische Unternehmen ExxonMobil hohe Abschreibungen in diesem Bereich bekanntgegeben, weil sie nicht mehr länger „wirtschaftlich verwertbar“ seien.

In Schottland bleibt die Energiegewinnung mit Hilfe der Fracking-Methode verboten. Man habe bei der entsprechenden Entscheidung die Fakten und die öffentliche Meinung berücksichtigt, erklärte Energieminister Paul Wheelhouse am Dienstag. Die Regierung in Edinburgh hatte bereits 2015 ein Fracking-Moratorium erlassen. Bei der Methode wird mit hohem Druck und Chemikalien Gestein unter Tage gespalten, um Gas und Öl zu gewinnen. In vielen Ländern gibt es dagegen erbitterten Widerstand. Kritiker befürchten etwa eine Verseuchung des Grundwassers. Die britische Regierung, die von der Konservativen Theresa May geleitet wird, unterstützt Fracking. In Deutschland ist die Fördermethode weitgehend verboten.

Wie der Independent berichtet, haben Unternehmen aus dem Fracking- und Ölsandgeschäft auch in Großbritannien Probleme, Kredite von Banken zu erhalten. Diese würden sich zunehmend vor Kritik aus Teilen der Bevölkerung sorgen, wie aus Notizen von im Jahr 2015 geführten Gesprächen mit Investoren hervorgeht.

In den USA läuft das Geschäft mit Schieferöl-Produzenten dagegen weiterhin auf Hochtouren. Einem Bericht von counterpunch.org zufolge tritt vor allem die Großbank Wells Fargo neben anderen Branchengrößen wie der Bank of America und JP Morgan als Förderer der Branche in Erscheinung.

Eine Auswertung von foddandwaterwatch.org bezüglich der Finanzierung der umstrittenen Dakota Access Pipeline ergab, dass auch zahlreiche europäische Institute in Schieferöl- und Gasprojekte in Nordamerika investieren – darunter beispielsweise Barclays, die Deutsche Bank, Credit Suisse, UBS, die spanische BBVA, Credit Agricole, Intesa Sanpaolo sowie die BayernLB.

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