Syrien: Putin zeigt Erdogan seine Grenzen auf

Die türkische Armee wird die Schlacht um Idlib im wesentlichen allein führen müssen.

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Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan (r) und der russische Präsident Wladimir Putin am 28.09.2017 in Ankara (Türkei). Sie sind sich bei der Offensive in Idlib uneins. (Foto: dpa)

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan (r) und der russische Präsident Wladimir Putin am 28.09.2017 in Ankara (Türkei). (Foto: dpa)

Die militärische Lage in Syrien. (Grafik: OZ Analysis Map)

Die militärische Lage in Syrien. (Grafik: OZ Analysis Map)

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Die Präsidenten Russlands und der Türkei, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan, habe laut TASS in einem Telefonat ein positives Fazit des Astana-Prozesses gezogen. Beide Seiten sagten demnach, dass die Entwicklung in Syrien ihren Erwartungen entsprächen.

Tatsächlich arbeiten das NATO-Land Türkei und Russland eng zusammen – vor allem, um die internationalen und islamistischen Söldner zu bekämpfen, die für beide Länder eine Bedrohung darstellen. Auch die US-Regierung ist an dieser Allianz beteiligt, wenngleich Russland und die USA nicht offiziell von einer Militär-Kooperation sprechen.

Die Russen wollen der Türkei dahingehend entgegenkommen, dass Moskau einen einheitlich und territorial zusammenhängenden Kurden-Staat nicht will. Das Unabhängigkeitsbestreben des Kurden-Führers Barsani haben die Russen daher abgelehnt und die Rückeroberung weiter Teile des Nord-Irak durch die Regierung in Bagdad begrüßt. Russland und der Irak unterhalten in Bagdad eine gemeinsame Kommando- und Aufklärungszentrale, an der auch der Iran beteiligt ist. 

Nach Angaben von Time ist die östliche syrische Stadt Rakka zwar unter die Kontrolle der Kurden-Milizen gefallen, doch befinden sich nahezu keine Zivilisten mehr in der Stadt. Vor der Eroberung von Rakka durch die Terror-Miliz ISIS sollen sich dort über 200.000 Menschen befunden haben. Die US-Luftwaffe habe zur Zerstörung der Stadt beigetragen, da in den vergangenen Monaten Luftschläge auf Rakka ausgeführt wurden. Unklar bleibt, ob die Einwohner der Stadt Rakka zurückkehren werden.

Der Sprecher der Kurden-Milizen, Talal Tilo, sagte dem englischsprachigen Dienst von Reuters, dass ISIS-Emire aus allen Teilen der Welt festgenommen wurden. Die festgenommenen ISIS-Kämpfer sollen in gesonderten Gefängnissen untergebracht werden. Auf Nachfrage von Reuters, ob die ISIS-Kämpfer in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden sollen, antwortete Tilo: „Das hängt von unserem Verhältnis zu den betroffenen (ausländischen) Staaten ab. Es könnte eine Einigung geben. Es könnte eine Zustimmung für die Rückführung geben – oder auch nicht.”

Ouest France berichtet, dass mit der Einnahme von Rakka das von den Kurden-Milizen kontrollierte Gebiet auf 42.219 Quadratkilometer angewachsen sei. Die syrische Armee (SAA) kontrolliert mittlerweile 98.913 Quadratkilometer, die internationalen Söldner 21.768 Quadratkilometer und ISIS 19.580 Quadratkilometer.

Die türkische Armee muss nun allerdings zeigen, dass sie auch einen Beitrag zur Beendigung des Söldnertums in Syrien leisten muss. Der Kampf wird sich in Idlib abspielen und muss von der türkischen Armee im wesentlichen allein geführt werden. Die Russen – und auch die Amerikaner – stehen offenkundig auf dem Standpunkt, dass die Türkei in den vergangenen Jahren sehr aktiv im Import und Export von Söldnern gewesen sei und daher nun eine klare Verantwortung übernehmen müsse. Die Schlacht um Idlib könnte für die türkische Armee blutig werden – und ist überhaupt nur zu führen, weil Erdogan den Ausnahmezustand verhängt und die Pressefreiheit faktisch abgeschafft hat.

Nach Angaben des türkischen Nahost-Experten Hüsnü Mahalli befinden sich in der Provinz Idlib etwa 40.000 internationale Söldner. Die türkische Armee soll noch nicht direkt nach Idlib eingerückt sein, sondern erkunde zunächst das Gebiet. In der Provinz sollen sich 5.000 kampferprobte Söldner aus Tschetschenien befinden. Der Beschluss für die anstehende türkische Operation in Idlib gehe zurück auf die Friedensgespräche von Astana, die zwischen Russland, dem Iran und der Türkei geführt wurden. Die Türkei werde mit Bodentruppen einrücken, während die SAA und das russische Militär die Grenzen der Provinz Idlib sichern sollen. Die russische Luftwaffe werde die Türkei bei der Operation demnach lediglich aus der Ferne unterstützen. Nach der türkischen Operation soll die Provinz Idlib unter die Kontrolle der syrischen Regierung fallen.

Soner Polat, türkischer Admiral a.D., sagte dem Kanal Habertürk, dass die Türkei schon bald direkte Gespräche mit Damaskus führen werde.

Nach Informationen von Stratfor soll die anstehende türkische Operation mit Risiken verbunden sein. Obwohl regionale Söldner-Truppen die Türken unterstützen werden, sei das Terrain in Idlib herausfordernder als das Terrain während der Operation „Euphrates Shield”.

Geopolitical Futures führt in einer Analyse aus: „Idlib ist wichtig, weil es in der Nähe eines kleinen Passes zwischen dem al-Nusayriyah-Gebirge, dem Kerngebiet der Alawiten und des Assad-Regimes und den flacheren Ebenen liegt, die von sunnitischen Arabern dominiert werden. Wenn die Türkei Idlib unter ihre Kontrolle bringen würde, könnte sie diesen Pass kontrollieren, sowie bedeutende Abschnitte der Autobahn 60, mit denen sie ihre Proxies (Anm. d. Red. pro-türkische Söldner), die sich in der Nähe befinden, verstärken könnte. Die Kontrolle der Seite dieses Talpasses auf der syrischen Seite würde es leichter machen, das südliche Küstengebiet der Türkei, das an der westlichen Grenze von Syrien anliegt, zu verteidigen. Die Türkei würde dies in eine viel bessere Position bringen, um einen Machteinfluss auf die künftigen Kämpfe um Syriens Zukunft auszuüben.”

Genau diesen wollen die Russen Erdogan nicht ohne weiteres gewähren, weshalb sich die Türkei zunächst auf den Kampf um Idlib konzentrieren muss.

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