Löhne in US-Industrie steigen erstmals seit Jahren wieder

 

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19.11.2017 20:02
Nach Jahren der Stagnation steigen die Gehälter im verarbeitenden Gewerbe der USA wieder.
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Nach Jahren der Stagnation erleben im verarbeitenden Gewerbe angestellte US-Amerikaner, dass ihre Gehälter wieder kräftig steigen. Wie der Economist schreibt, stiegen die Gehälter seit dem Ende der Rezession im Jahr 2009 durchschnittlich nur um 8,7 Prozent, während die Preise durchschnittlich um 9,5 Prozent stiegen – die meisten Amerikaner verdienten in den vergangenen Jahren also real weniger als vor 2009.

Seit dem Jahr 2015 ist jedoch Bewegung ins Lohngefüge gekommen, weil die inflationsbereinigten Einkommen zu steigen begannen. Insbesondere Tätigkeiten im verarbeitenden Gewerbe und in der Industrie werden inzwischen deutlich besser entlohnt.

„In dem Jahr bis zum dritten Quartal stiegen die Einkommen von Fabrikarbeitern, Bauarbeitern und Fahrern beispielsweise stärker als jene von Akademikern und Managern. In einigen Bereichen lag das Lohnwachstum bei über 4 Prozent“, schreibt der Economist.

In einigen Bereichen des Handwerks gibt es zu wenig Arbeiter, um die Nachfrage zu bedienen. Dies spiegelt sich in den Lohnsteigerungen wider. Beispielsweise sind die durchschnittlichen Einkommen von Fliesenlegern verglichen mit dem vergangenen Jahr um 11 Prozent gestiegen. Sie liegen sogar rund 30 Prozent über dem Niveau von 2014.

Auch im Dienstleistungsbereich stiegen in diesem Zeitraum die Löhne. Dies hat insbesondere damit zu tun, dass 25 Bundesstaaten im Jahr 2016 den Mindestlohn erhöht hatten.

Hauptursächlich für den Aufschwung sind wahrscheinlich massive Investitionen in der heimischen Erdölindustrie. Der jüngste Anstieg des WTI- Ölpreises auf etwa 55 Dollar pro Barrel (159 Liter) hat ein Engagement bei den kostenintensiven Fracking-Unternehmen wieder lohnenswert erscheinen lassen. Noch im Juni lag die Notierung bei etwa über 40 Dollar. Derzeit sind 907 Förderstellen in den USA in Betrieb, verglichen mit 568 zur gleichen Zeit im vergangenen Jahr, wie aus einer Untersuchung der Dienstleistungsfirma Baker Hughes hervorgeht.

Schätzungen zufolge entfallen etwa 60 Prozent des Wirtschaftswachstums der USA im laufenden Jahr auf Investitionen im Energiebereich. Dies stellt auch ein Risiko dar: Sollten die Weltmarktpreise für Rohöl wieder sinken und die Fracking-Industrie unter Druck geraten, droht eine signifikante Verlangsamung.

Die Fokussierung des Booms auf den Energiebereich ist auch deshalb riskant, weil dadurch Landesteile, in denen dieser Wirtschaftszweig nicht ansässig ist, nicht profitieren können. „Ökonomen der UBS haben darauf hingewiesen, dass nahezu der gesamte Aufbau bei den Beschäftigten auf die Ölindustrie in Texas und angrenzenden Staaten wie Oklahoma entfällt. Regionen, in denen die Industrie seit Jahrzehnten verschwindet, werden kein Comeback feiern können“, schreibt der Economist.

Der Anstieg ist nicht das Resultat einer gestiegenen Produktivität, sondern auch einer Knappheit an Arbeitskräften. So stagniert die Produktivität im verarbeitenden Gewerbe in den USA seit etwa 5 Jahren. Die Arbeitslosenrate ist im historischen Vergleich sehr niedrig, gleichzeitig ist die Anzahl der abgehängten Arbeitslosen im arbeitsfähigen Alter – die nicht in der Statistik auftauchen – mit etwa 95 Millionen so hoch wie nie zuvor.

Zum Lohnwachstum soll auch ein schwächerer Dollar beigetragen haben. „Auf handelsgewichteter Basis ist der Wechselkurs des Dollar gegenüber wichtigen Währungen seit Jahresbeginn um rund 9 Prozent gesunken. Der schwächere Dollar und eine anziehende Weltwirtschaft haben die Nachfrage nach amerikanischen Produkten angeschoben. In den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres legten die Warenexporte um etwa 4 Prozent zu“, schreibt der Economist.


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