Türkei gegen die USA: Lira stürzt ab

Die türkische Lira ist am Devisenmarkt unter starken Druck geraten, die Wechselkurse zu Dollar und Euro sinken deutlich.

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Ein Mann in einer Wechselstube in Istanbul. (Foto: dpa)

Ein Mann in einer Wechselstube in Istanbul. (Foto: dpa)

Die Entwicklung der Lira zum Euro in den vergangenen 3 Jahren. (Grafik: ariva.de)

Die Entwicklung der Lira zum Euro in den vergangenen 3 Jahren. (Grafik: ariva.de)

Die wachsenden politischen Spannungen zwischen der Türkei und den USA machen Devisen-Anleger nervös. Dies setzte die türkische Währung am Dienstag weiter unter Druck und trieb den Dollar auf ein Rekordhoch von 3,9768 Lira. Gleichzeitig fiel der Leitindex der Istanbuler Aktienbörse um bis zu 0,9 Prozent. Auch zum Euro fiel der Wechselkurs der Lira deutlich um etwa 0,7 Prozent auf jetzt 4,64 Euro. Vor einem Jahr lag der Kurs noch bei etwa 3,50 Euro.

Im Mittelpunkt der Diskussion steht derzeit der Prozess gegen den türkischen Goldhändler Reza Zarrab, dem die USA einen Verstoß gegen die Iran-Sanktionen vorwerfen. Die Regierung in Ankara bezeichnete das Verfahren als „klare Verschwörung gegen die Türkei“. Die Vertagung des Gerichtsverfahrens am Montag um eine Woche laste auf der Stimmung, urteilten die Experten des Brokerhauses Deniz Invest. Sie verlängere die Unsicherheit.

Es besteht unter Investoren die Sorge, dass sich der Prozess gegen den iranisch-türkischen Geschäftsmann Reza Zarrab und den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Halkbank, Mehmet Hakan Attila, negativ auf die Wirtschaft auswirkt. Zarrab und Attila sind vor einem Gericht in New York angeklagt, gegen die US-Sanktionen gegen den Iran verstoßen zu haben.

Der verantwortliche Richter Richard Berman entschied am Montag, die Auswahl der Jury auf den 27. November zu vertagen. Damit verschiebt sich der Beginn des Prozesses auf den 4. Dezember. Der türkische Regierungssprecher Bekir Bozdag nannte den Prozess am Montag „politisch“ motiviert und einen „Komplott gegen die Türkei“.

Es gibt aus SIcht der US-Regierung den Verdacht, dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und andere Regierungspolitiker nicht nur über die Goldgeschäfte Zarrabs mit dem Iran informiert waren, sondern auch davon profitiert haben. In Ankara besteht die Sorge, dass die US-Justiz wegen Verstößen gegen die US-Finanzsanktionen eine Geldstrafe gegen Halkbank verhängt.

Wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, traten am vergangenen Donnerstag neue Regeln für die „Fusion, Teilung und Übertragung von Vermögenswerten sowie den Tausch von Bankanteilen“ in Kraft. Vize-Ministerpräsident Mehmet Simsek dementierte am Montag, dass dies eine Fusion der Halkbank mit einer anderen halbstaatlichen Bank vorbereiten solle.

Die türkische Wirtschaft verzeichnet ein Wachstum von mehr als fünf Prozent, doch liegt die Inflation bei zwölf Prozent. Erdogan dringt gegenüber der Zentralbank regelmäßig auf eine Senkung der Zinsen, um das Wachstum durch eine Stärkung des Konsums und der Investitionen zu fördern.

Unbehagen bereiteten Börsianern zudem die erneuten Angriffe des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auf die Unabhängigkeit der Zentralbank. Er hatte zuletzt erklärt, dass die Inflation im Land so stark gestiegen sei, weil die Regierung nicht eingegriffen habe.