Ausschreitungen in Palästinenser-Gebieten, Israel nimmt Gaza unter Beschuss

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
08.12.2017 02:43
In den Palästinensergebieten ist es zu Zusammenstößen zwischen Protest-Gruppen und Sicherheitskräften gekommen.
Ausschreitungen in Palästinenser-Gebieten, Israel nimmt Gaza unter Beschuss

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Nach der Jerusalem-Entscheidung von US-Präsident Donald Trump ist es in den Palästinensergebieten zu gewaltsamen Protesten gekommen. Bei Zusammenstößen zwischen palästinensischen Demonstranten und israelischen Sicherheitskräften wurden im besetzten Westjordanland und im Gaza-Streifen nach Angaben palästinensischer Rettungskräfte am Donnerstag mehr als 20 Menschen durch Geschosse verletzt. Die radikalislamische Hamas rief zu einem neuen Palästinenseraufstand, der dritten Intifada, auf.

Auf die von den USA unterstützte "zionistische Strategie" gebe es als alleinige Antwort eine "neue Intifada", sagte Hamas-Führer Ismail Hanija in einer Rede. Trump hatte am Mittwoch mit der jahrzehntelangen Nahostpolitik seines Landes gebrochen und Jerusalem offiziell als Hauptstadt Israels anerkannt. Er wies das US-Außenministerium an, sofort mit den Vorbereitungen für den Umzug der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu beginnen.

Aus Sorge vor einem Gewaltausbruch verlegte die israelische Armee nach eigenen Angaben bereits hunderte zusätzliche Soldaten ins Westjordanland. In den Städten Ramallah, Hebron, Bethlehem und Nablus und am Rande des Gaza-Streifens protestierten am Donnerstag hunderte Demonstranten gegen Trumps Entscheidung. Israelische Sicherheitskräfte setzten Tränengas, Gummigeschosse und scharfe Munition ein, um die Proteste aufzulösen.

Nach Angaben von palästinensischen Rettungskräften wurden allein im Westjordanland mindestens 22 Demonstranten durch Geschosse verletzt. Im Westjordanland und in Ost-Jerusalem blieben die meisten Geschäfte und Schulen nach einem Aufruf zum Generalstreik geschlossen.

Die israelische Armee hat als Reaktion auf einen Beschuss aus dem Gazastreifen am Donnerstagabend Ziele in dem Palästinensergebiet angegriffen. Sie beschoss nach eigenen Angaben mit einem Panzer und einem Kampfflugzeug zwei "Militärposten" im Gazastreifen – ohne mitzuteilen, wer diese Posten kontrollierte. Die Armee erklärte allerdings, dass sie der radikalislamischen Hamas die Verantwortung für die "von Gaza aus gegen Israel verübten feindlichen Aktivitäten" gebe.

Bei dem Beschuss aus dem Gazastreifen landete den Armeeangaben zufolge ein Projektil in Israel, zwei weitere in der schmalen Palästinenserenklave. Die Hamas, die den Gaza-Streifen kontrolliert, hatte auf die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen, zuvor mit einem Aufruf zum palästinensischen Volksaufstand, der dritten Intifada, reagiert.

Zwischen Israel und der Hamas herrscht seit dem Ende des Krieges im Gazastreifen von 2014 ein fragiler Waffenstillstand. Es handelt sich um den dritten Waffenstillstand, seit die Palästinenserorganisation 2007 in dem isolierten Küstenstreifen die Macht übernahm.

Vom Gazastreifen aus werden immer wieder zielungenaue Raketen in Richtung Israel abgefeuert. Häufig wird der Beschuss salafistischen Gruppen zugeschrieben. Die israelische Armee reagiert jeweils mit Luftangriffen.

Nach der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch US-Präsident Donald Trump hat es auch in Jordanien und Tunesien Proteste gegeben. In der jordanischen Hauptstadt Amman zogen am Donnerstag hunderte Menschen zur US-Botschaft. Die Demonstranten schwenkten jordanische und palästinensische Fahnen und verbrannten Flaggen der USA und Bilder von Trump. Polizisten stoppten den Protestzug rund 50 Meter vor der Botschaft. Das stark befestigte Botschaftsgelände wurde von dutzenden Polizeifahrzeugen gesichert.

Die Demonstranten forderten die jordanische Regierung auf, die US-Botschaft zu schließen und den Botschafter auszuweisen. "Keine amerikanische Botschaft auf jordanischem Boden", riefen die Demonstranten. Ähnliche Protestaktionen gab es auch an mehreren Universitäten in Jordanien. Allein an der Universität in Amman protestierten tausende Studenten. Sie riefen "Nieder mit der amerikanischen Hegemonie" und "Lang lebe Jerusalem". Weitere Proteste soll es am Freitag nach den Freitagsgebeten geben.

In Tunesien gingen am Donnerstag ebenfalls tausende Demonstranten auf die Straße. In der Hauptstadt Tunis folgten hunderte Menschen einem Aufruf linksgerichteter Parteien und islamistischer Gruppen. Sie riefen Parolen wie "Wir sind alle Palästinenser" und "Trump sei verflucht". Bis zu 200 Demonstranten versuchten, zur US-Botschaft zu gelangen, sie wurden aber von der Polizei gestoppt. In der zweitgrößten Stadt Sfax gingen rund tausend Menschen auf die Straße.

Das tunesische Parlament forderte in einer Entschließung alle arabischen und islamischen Länder auf, ihrer "historischen Verantwortung" gerecht zu werden und die Umsetzung von Trumps Entscheidung zu verhindern. Die Abgeordneten forderten zudem alle Tunesier auf, sich am Freitag an landesweiten Demonstrationen zu beteiligen.


Mehr zum Thema:  

DWN
Marktbericht
Marktbericht Zukunft des Bankensystems ungewiss?

Unser Partner MTS Money Transfer System informiert

DWN
Technologie
Technologie Versorgungs-Sicherheit: Deutschlands Bauern setzen auf Digitalisierung ihrer Ernte-Maschinen

Die Bauern haben zahlreiche Probleme - beispielsweise dürfte die Getreide-Ernte Prognosen zufolge in der kommenden Saison zurückgehen....

DWN
Politik
Politik Militäreinsatz im Inland: Pentagon erteilt Trump eine Absage

Beamte des US-Verteidigungsministeriums sagen, dass ein Militäreinsatz im Inland zur Niederschlagung der Proteste nicht in Frage komme....

DWN
Politik
Politik Droht in den USA ein gewaltsamer Umsturz?

Eine renommierte US-Moderatorin meint, dass die gewaltsamen Proteste in den USA ausschließlich auf den Sturz der Trump-Regierung abzielen...

DWN
Politik
Politik Anti-Hass-Gesetz: Facebook und Twitter müssen IP-Adressen dem BKA melden

Dem „Gesetz gegen Rechtsextremismus und Hasskriminalität“ zufolge müssen Twitter und Facebook strafbare Inhalte künftig dem BKA...

DWN
Politik
Politik Grenell tritt als US-Botschafter in Deutschland zurück

Zwei Jahre war Richard Grenell der wichtigste Mann von US-Präsident Donald Trump in Europa. Jetzt hat er seinen Posten als US-Botschafter...

DWN
Politik
Politik China meldet: Millionen Menschen in Wuhan getestet, kaum noch Corona-Infizierte

Wuhan gilt als Ursprungsort der Pandemie mit dem Coronavirus. In der chinesischen Metropole gab es die meisten Infektionen und Toten in...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lufthansa braucht zeitweise den Vater Staat, aber keinen langfristigen Übervater

Es ist völlig in Ordnung, wenn Vater Staat verhindert, dass die Lufthansa flügellahm wird. Doch problematisch wird es, wenn der Staat...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs steigt über 10.000 US-Dollar

Der Kurs der Kryptowährung Bitcoin ist am Dienstag über 10.000 US-Dollar gestiegen.

DWN
Finanzen
Finanzen Golfstaaten stehen vor dem Bankrott: Oman kann kaum noch seine Stromrechnung bezahlen

Der Oman hat sowohl seine Wasser- als auch sein Stromrechnung aus finanziellen Gründen mit Verspätung beglichen.

DWN
Politik
Politik Stilles Gedenken in Nordhessen an Lübckes Todestag

Walter Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni 2019 auf der Terrasse seines Wohnhauses im Kreis Kassel mit einem Kopfschuss getötet worden....

DWN
Deutschland
Deutschland Lockerung der Corona-Regeln: Der aktuelle Stand in den Bundesländern

Die Lockerung der Corona-Regeln hat begonnen. In zahlreichen Bundesländern kehren die Menschen langsam in die Normalität der Sommerzeit...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutschland drohen 20 magere Jahre: Schafft die Mehrwertsteuer ab!

Ohne eine geeignete Konjunkturspritze dauert es fast 20 Jahre, bis Deutschland das Wohlstands-Niveau von 2019 wieder erreicht.

DWN
Politik
Politik Russland erhöht die Zahl seiner Manöver mit Atomraketen massiv

Russland will mehr Übungen mit Kernwaffen durchführen.

DWN
Politik
Politik Europas Weg in den Untergang: EU gewährt Schuldenstaaten Billionen - für die Wirtschaft bleibt nur ein Taschengeld

Die EU legt ein Billionen-Programm auf - von dem das meiste Geld in die Sanierung der morschen Staatshaushalte fließt, während die...

celtra_fin_Interscroller