Griechische Wirtschaft steckt weiter in einer tiefen Krise

Griechenlands Staatsverschuldung steigt weiter an. Die Gläubiger fordern deshalb eine strengere Einhaltung der Austeritätsmaßnahmen.

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Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras nimmt am 24.01.2018 in Davos (Schweiz) am 48.Weltwirtschaftsforum teil. (Foto: dpa)

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras nimmt am 24.01.2018 in Davos (Schweiz) am 48.Weltwirtschaftsforum teil. (Foto: dpa)

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Das dritte Kreditprogramm für Griechenland läuft im Sommer 2018 aus. Obwohl das Programm mit strengen Austeritätsmaßnahmen verknüpft ist, erreicht die Staatsverschuldung in Griechenland dieses Jahr voraussichtlich einen neuen Höchststand: 184 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Griechenlands Banken haben geschätzte 108 Milliarden Euro fauler Kredite in ihren Bilanzen. Und das Land muss dieses Jahr 16 Milliarden Euro kurzfristiger Anleihen refinanzieren.

Griechenland braucht Optimismus auf den Finanzmärkten und in der Realwirtschaft

Die Euro-Gruppe verlangt vor den nächsten Krediten mehr Austerität. Griechenland verpflichtete sich im Juni 2015 bei den Verhandlungen mit der Europäischen Union (EU) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zu Sparmaßnahmen und umfangreichen Reformen. Laut „Spiegel“-Bericht seien erst 51 von insgesamt 110 vordringlichen Maßnahmen umgesetzt.

Unternehmen werden optimistischer

Der Geschäftsklimaindex brach während der Schuldenkrise 2015 ein. Die Verhandlungen verunsicherten die Unternehmen, sie benötigen Stabilität und Sicherheit, um mittel- und langfristig planen und investieren zu können. Die Einigung auf das Kreditpaket inklusive der Sparmaßnahmen und Reformen wirkte sich dann aber positiv auf die Stimmung der Unternehmen aus. Seit der Einigung verbessert sich die Stimmung wieder, bleibt aber unter dem europäischen Durchschnitt und schwankt stärker als in der Eurozone.

Geschäftsklimaindex. (Grafik: DWN, OECD)

Geschäftsklimaindex. (Grafik: DWN, OECD)

Die Industrieproduktion reagierte ähnlich auf die Schuldenkrise: Durch die Unsicherheit vor der Einigung ging der Index zurück, steigt seitdem aber wieder an. Der Trend ist positiv, das Niveau bleibt niedrig, doch die Volatilität ist höher als in Deutschland und Spanien. Dabei hat Griechenland freie Kapazität, knapp 30 Prozent der Produktionsmöglichkeiten werden nicht genutzt. Die Kapazitätsauslastung liegt unterhalb des Durchschnitts der Eurozone, dort wurden seit 2014 durchgängig über 80 Prozent der vorhandenen Ressourcen ausgelastet.

Produktion und Kapazitätsauslastung in der Industrie. (Grafik: DWN, OECD)

Produktion und Kapazitätsauslastung in der Industrie. (Grafik: DWN, OECD)

Die Importe schwanken seit der Einigung auf das Kreditpaket stärker, zeigen aber eine steigende Tendenz. Die Exporte bleiben dagegen niedrig. Die relativ geringe Kapazitätsauslastung des produzierenden Gewerbes kann so nicht durch stärkere Auslandsnachfrage kompensiert werden. Der für die griechische Wirtschaft starke Euro verhindert, dass griechische Waren im Ausland günstiger werden. Länder außerhalb der Eurozone profitieren in ähnlichen Situationen von einer Abwertung der eigenen Währung und einer stärkeren Auslandsnachfrage.

Importe und Exporte Griechenlands. (Darstellung DWN, OECD)

Importe und Exporte Griechenlands. (Darstellung DWN, OECD)

Die Bevölkerung leidet unter der Austerität

Die Austeritätsmaßnahmen wirkten sich negativ auf die Stimmung der Konsumenten aus. Das Konsumklima brach nach der Einigung auf das dritte Kreditpaket und den damit verbundenen Sparauflagen und Reformen ein. Erst seit der zweiten Jahreshälfte 2017 entwickelt es sich positiv, bleibt dennoch niedrig und unterhalb des Durchschnitts der Eurozone. Auch die Arbeitslosigkeit in Griechenland bleibt hoch – mit 20,5 Prozent ist sie am höchsten in Europa. Besonders Jugendliche sind betroffen: 39,5 Prozent waren im November 2017 ohne Arbeit – noch mehr als in Spanien, wo zur gleichen Zeit 37,9 Prozent der Jugendlichen arbeitslos gemeldet waren.

Konsumklimaindex. (Grafik: DWN, OECD)

Konsumklimaindex. (Grafik: DWN, OECD)

Der private Verbrauch ist niedrig und volatil. Rund um die Einigung im Sommer 2015 fiel er ab und schwankt seither stark. Grund dafür könnte die Unsicherheit über die Auswirkungen der Austerität sein. Auf die Ausgaben der Haushalte wirken Faktoren wie die Preiserwartung, das verfügbare Einkommen, die Zinssätze oder das Vertrauen in die Wirtschaft.

Privater Konsum und BIP pro Kopf. (Grafik: DWN, OECD, KNOEMA)

Privater Konsum und BIP pro Kopf. (Grafik: DWN, OECD, KNOEMA)

Das durchschnittliche Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf (zu Kaufkraftparitäten in US-Dollar) ist ein Indikator für den materiellen Wohlstand. Seit 2008 ist dieser in Griechenland gesunken: Von 31.558 US-Dollar im Jahr 2008 sank er auf 25.194 US-Dollar im Jahr 2013 ab. Seitdem steigt das BIP pro Kopf wieder an, bleibt 2017 mit 27.776 US-Dollar aber hinter dem Höchststand von 2008. Während Griechenland spürbare Einschnitte hinnehmen musste, stieg das Wohlstandsniveau in Deutschland und Spanien im gleichen Zeitraum an.

Der Better Life Index der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) fragt Kategorien ab, die nicht auf Wirtschaftsdaten aufbauen. Eine dieser Kategorien ist die Zufriedenheit der Bevölkerung (englisch: life satisfaction). Hier zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Werte Griechenlands liegen unter dem OECD-Durchschnitt sowie unter den Werten Deutschlands und Spaniens.

Life Satisfaction aus dem OECD Better Life Index. (Grafik: DWN, OECD)

Life Satisfaction aus dem OECD Better Life Index. (Grafik: DWN, OECD)

Die Schuldenkrise wird nicht alleine auf den Finanzmärkten entschieden

Eine nachhaltige Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in Griechenland braucht Lösungen für die Finanzmärkte und die Realwirtschaft. Noch sind beide nicht zu einem Normalzustand zurückgekehrt. Verbraucher wirken verunsichert und der Wohlstand stagniert. Die Unternehmen blicken positiver in die Zukunft, aber hier fehlen Nachfrage und Auslastung. Dennoch ist und bleibt die Staatsverschuldung in Griechenland ein dringendes Problem.