Heimarbeit sorgt für Diskussionen in Unternehmen

Das Thema Homeoffice sorgt in vielen Unternehmen für Diskussionen. Während der Trend in Deutschland erst im Kommen ist, holen die einstigen Vorreiter der Idee ihre Mitarbeiter zurück in die Büros.

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Rund 22.000 Deutsche haben seit vergangener Woche nun die Qual der Wahl. Das Softwareunternehmen SAP im baden-württembergischen Walldorf lässt seine Mitarbeiter künftig frei entscheiden, in welcher Umgebung sie arbeiten möchten. Wie aus einem Bericht der Deutsche Presse-Agentur hervorgeht, haben die Angestellten demnach die Möglichkeit, ihre Tätigkeiten im Café, von zu Hause oder aber auch im Büro zu auszuüben.

Eine Wahlfreiheit, die nicht viele andere Arbeitnehmer in Deutschland genießen. Laut einer aktuellen Studie des Branchenverbandes Bitkom ist das ortsunabhängige Arbeiten zwar auf dem Vormarsch, ausgeübt wird es jedoch nur von 16 Prozent aller Angestellten. Zu erklären ist dieses Ergebnis wie folgt. Bei über der Hälfte der arbeitenden Bevölkerung ist mobiles Arbeiten von unterwegs aufgrund der Tätigkeit nicht möglich. Bei einem Viertel der Arbeitnehmer, die Homeoffice leisten könnten wird diese Arbeitsweise nicht vom Arbeitgeber gewünscht. Darüber hinaus hat rund ein Fünftel der Arbeitnehmer, die Homeoffice leisten könnten, kein Interesse an dem Konzept.
Ähnlich groß ist das Interesse bei den europäischen Nachbarn: Rund 15 Prozent aller Angestellten in Frankreich und Österreich arbeiten zum Teil oder vollkommen im Homeoffice, in Dänemark sind es 25 Prozent.

Bekannt wurde die Möglichkeit des mobilen Arbeitens außerhalb des Büros Anfang der 2000er Jahre. Homeoffice bezeichnet das Arbeiten von zu Hause aus, das mobile Arbeiten außerhalb des Büros wird in den USA als Telearbeit genannt. In Deutschland gibt es diese Unterscheidung nicht, Homeoffice ist hier der generelle Begriff. Geprägt wurde er in den der IT- und Finanzbranche. Rund 60 Prozent der US-Unternehmen bieten ihren Arbeitnehmern Homeoffice an, aktuell genutzt wird es laut einem Bericht der Zeitung Die Zeit von rund 22 Prozent aller Angestellten. Vorreiter des mobilen Arbeitens waren HP, Yahoo, Microsoft und die Bank of America und allen voran IBM. Bereits in den 1980er Jahren bot das IT-und Beratungsunternehmen seinen Mitarbeitern das Arbeiten von Zuhause an. Ziel war neben dem Schaffen neuer Kreativität unter den Angestellten, dass Anwerben neuer Mitarbeiter. Mit der flexiblen Arbeitsform und modernster technischer Ausstattung wollte sich die IT-Branche besonders für junge gut ausgebildete Hochschulabsolventen als attraktiver Arbeitgeber präsentieren.
Bei IBM arbeiteten laut einem Bericht des US-amerikanischen Wall Street Journals bis zum Jahr 2009 rund 40 Prozent der Angestellten im Homeoffice.

Inzwischen holen diese Unternehmen ihre Mitarbeiter wieder zurück in die Büros. Als Gründe führen sie mitunter ausbleibende Effektivität ihrer Mitarbeiter an. Auch hätten sich anders als erwartet, die Kosten für die unternehmerische Infrastruktur durch die Nichtnutzung der Büros nicht reduziert. Zudem beklagen viele einstige Pioniere die mangelnde Zuverlässigkeit ihrer Angestellten.

Besonders die Rückrufaktion von Yahoo-Chefin Marissa Mayer hatte im Jahr 2013 für Aufregung in der IT-Szene gesorgt. Mit einem Rundschreiben und einer Twitternachricht hatte die Informatikerin und Vorstandschefin kurz nach ihrem Amtsantritt das Ende des mobilen Arbeitens im Unternehmen eingeleitet und rund 2600 Mitarbeiter zurück in die Büros beordert. Wie die New York Times berichtete, führte sie als Hauptgrund die Unübersichtlichkeit der Aufgabenverteilung an. So habe die Telearbeit zu unstrukturierten Aufgabenverteilungen geführt. Zudem sei es die Arbeit der Telearbeiter weniger innovativ gewesen. Viele Yahoo-Mitarbeiter werteten den Rückruf dagegen als klaren Vertrauensbruch und das Infragestellen ihrer Arbeitsmoral und Loyalität.

Auch bei IBM sind im vergangenen Jahr rund 5000 Mitarbeiter in ihre Büros zurückgekehrt. Auf diese Weise wolle das Unternehmen sie dazu bringen, schnell ihre Ideen miteinander zu teilen, voneinander zu lernen und Hürden für den Fortschritt abzubauen, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens.

Wie die US-amerikanische Tageszeitung The New York Times berichtet, haben Studien gezeigt, dass Menschen kreativer und produktiver arbeiten, wenn sie in Gemeinschaft sind. Auch regt der kommunikative Austausch unter Mitarbeitern die Innovationsfähigkeit an.

Ein Ergebnis, dem Arbeitsmediziner nur zustimmen können. So gilt Homeoffice nicht nur, da einsam machend, als sozialfeindlich, sondern birgt auch die Gefahr gesundheitlicher Risiken. Gemäß einer Schweizer Studie, kann gerade das freie Arbeiten ohne vorgegebene Pausen und Ruhezeiten dazu führen, dass Arbeitnehmer schneller an Stresszuständen erkranken als ihre Kollegen mit geregeltem acht-Stunden-Tag. Nach Ansicht der Züricher Forscher und Psychologen ist die Hauptursache dabei die Tatsache, dass Arbeitnehmer im Homeoffice oft nicht von der Arbeit abschalten können. Auch falle es ihnen schwer, ihre Tätigkeiten zu festen Zeiten zu erledigen, mit dem Ergebnis, dass sich die berufliche Tätigkeit über den ganzen Tag hinaus dehne. Gegenüber dem Karrierenetzwerk Xing sagte die Leiterin der Studie, Ariane Wepfer, es sei für alle im Homeoffice Arbeitenden wichtig, die eigenen Belastungsgrenzen zu kennen und zu lernen, sich abzugrenzen.

Durchgeführt wurde die Studie im vergangenen Jahr an der Universität Zürich. Es wurden rund 2000 Arbeitnehmer aus der Schweiz, Österreich und Deutschland befragt. In ihrer Auswertung kamen die Psychologen zu dem Ergebnis, dass Menschen, die Homeoffice leisten, wesentlich schlechter entspannen und sich erholen können.