Cambridge Analytica suspendiert Chef wegen dubioser Praktiken

Die Firma Cambridge Analytica hat offenbar so ziemlich alle unsittlichen Praktiken der Diffamierung von Politikern in vielen Ländern angewandt.

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Nach Enthüllungen über höchst dubiose Praktiken hat die britische Firma Cambridge Analytica ihren Chef suspendiert. Geschäftsführer Alexander Nix werde mit sofortiger Wirkung während einer „vollumfänglichen, unabhängigen Ermittlung“ von seinen Aufgaben entbunden, teilte das Unternehmen am Dienstagabend mit. Heimlich von dem Sender Channel 4 mitgeschnittene Aussagen von Nix würden „nicht die Werte“ des Unternehmens repräsentieren.

Nix hatte demnach unter anderem damit geprahlt, Politiker übers Ohr zu hauen. Er und andere Mitarbeiter des Unternehmens erklärt in dem sehenswerten Beitrag von Channel 4, dass es für die Firma kein Problem sei, Mädchen aus der Ukraine auf politische Konkurrenten anzusetzen, um diese zu diskreditieren. Außerdem gehöre auch zum Geschäft, dass man Konkurrenten Korruptionsangebote mache, um diese dann auffliegen zu lassen. In dem Beitrag hatten sich die Journalisten als Geschäftsleute aus Sri Lanka ausgegeben, die die Dienste des Unternehmens zur Diffamierung eines Politikers verwenden wollen. In dem Beitrag behaupteten die Cambridge Analytica-Leute, dass sie eng mit den britischen Geheimdiensten MI5 und MI6 und anderen privaten Geheimdiensten kooperieren. (Video am Anfang des Artikels)

Die „New York Times“ und der „Observer“ hatten am Wochenende berichtet, die Firma sei mittels einer von einem Psychologen entwickelten App in den Besitz der Facebook-Nutzerdaten gelangt. Diese Daten habe sie dann für die Entwicklung einer Software benutzt, um Wählerentscheidungen vorauszusagen und zu beeinflussen.

Die Software erlaubte es, politische Anzeigen zu schalten, die auf einzelne Nutzer zugeschnitten wurden und damit besonders effektiv waren. Die individuelle Ansprache von Wählern über die sozialen Netzwerke war als einer der Schlüssel für Trumps überraschenden Wahlsieg im November 2016 angesehen worden.

Cambridge Analytica bestreitet energisch, bei Facebook gesammelte Daten für die Trump-Kampagne verwendet zu haben.