Krise in Italien wird zum Problem für das Finanzsystem Europas

Die politische Krise in Italien könnte sich zu einem weltweiten Flächenbrand entwickeln.

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Die Regierungskrise in Italien kann sich zu einer weltweiten Finanzkrise auswachsen. Aus einer Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich geht hervor, dass durchschnittlich fast 20 Prozent der Vermögensgegenstände der italienischen Banken aus Staatsanleihen bestehen.

Das Engagement der beiden größten Banken des Landes – Unicredit und Intesa Sanpaolo – bei italienischen Staatsanleihen entspricht 145 Prozent ihres Kernkapitals (Tier-1). Außerdem sind die drittgrößte Bank Italiens, Banco BPM (327 Prozent), Monte dei Paschi di Siena (206 Prozent), BPER Banca (176 Prozent) und Banca Carige (151 Prozent) stark bei Anleihen des Staates exponiert.

Insgesamt haben italienische Banken Staatsanleihen im Gesamtwert von 626 Milliarden Euro in ihren Büchern, berichtet IESEG School of Management.

Beobachter befürchten deswegen, dass weitere Kursverluste bei den Anleihen zu einem sich selbst verstärkenden Abwärtstrend führen könnten.

„Der Teufelskreis beginnt, wenn sinkende Anleihekurse die Banken in Schwierigkeiten zu bringen drohen, die diese Anleihen halten. In der Folge beginnen erste Banken, die Papiere zu verkaufen was dazu führt, dass deren Kurs noch mehr fallen. Dies wiederum bringt die Regierung in Bedrängnis, welche die aufgrund der gesunkenen Kurse höheren Renditen bezahlen muss. Der Teufelskreis ist ein besonderes Problem in der Eurozone, wo die Regierungen keine Kontrolle über ihre Landeswährungen mehr haben und sich nicht mehr aus den Schwierigkeiten herausdrucken können“, schreibt der Finanzblog Wolfstreet.

Der Ökonom Folker Hellmeyer sieht im Euro dagegen keine Bedrohung für die Stabilität, sondern vergleicht die gemeinsame Währung mit dem Goldstandard. Hellmeyer sagte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten, „dass das Euro-Setup wesentliche Details des Goldstandards aufweist, ohne jedoch Goldstandard zu sein.“ Hellmeyer: „Wenn im Goldstandard ein Land über seine Verhältnisse lebte, mussten Goldreserven verkauft werden. Waren diese Reserven aufgebraucht, war man zu Anpassungen/Reformen gezwungen. Das Setup des Euros bietet faktisch eine soziale Fassung dieses Mechanismus. Wer seine Ökonomie fehlsteuert, erhält unter der Maßgabe von eingeforderten Reformen die Solidarität des Euro-Systems.“

Zu den größten ausländischen Anleihe-Gläubigern des italienischen Staates gehören französische Banken mit 44 Milliarden Euro und spanische Institute mit 29 Milliarden Euro, wie aus Daten der EU-Bankenaufsicht hervorgeht, aus denen S&P Global zitiert.

Am exponiertesten ist dabei die französische Großbank BNP Paribas mit 16 Milliarden Euro an Anleihen gefolgt von der französisch-belgischen Bank Dexia mit 15 Milliarden Euro gefolgt von der spanischen Banco Sabadell mit etwa 10,5 Milliarden Euro. Die Commerzbank hat italienische Anleihen im Gesamtwert von 10 Milliarden Euro in ihren Büchern.

Analysten von PBC Capital schätzen, dass die spanische Banco Sabadell mit jedem Anstieg der Risikoprämien italienischer Staatsanleihen von 10 Basispunkten etwa 28 Millionen Euro beim Eigenkapital (Tier 1) verliert. Zudem ist rund ein Drittel der Anlagen Sabadells in spanischen Anleihen investiert, deren Renditen in den vergangenen Wochen ebenfalls stark stiegen.

Aus der Analyse der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich geht außerdem hervor, dass französische Banken insgesamt 311 Milliarden Dollar in italienische Finanztitel jeglicher Art investiert haben und spanische Banken insgesamt etwa 66 Milliarden Dollar. Die deutschen Banken haben insgesamt 91 Milliarden Dollar in italienischen Wertpapieren angelegt.

Die Unruhe hat auf die Aktien der beiden deutschen Banken übergegriffen. Anteilsscheine von Deutscher Bank und Commerzbank gaben am Dienstag jeweils um rund 4 Prozent nach. Die Commerzbank-Aktie fiel auf rund 9 Euro, wodurch sich der Kursverlust auf Sicht der vergangenen drei Monate auf 26 Prozent erhöht.

Überhaupt waren Banktitel europaweit die größten Verlierer an den Aktienmärkten. Der Stoxx-600-Subidnex für Banken gab etwa 2,7 Prozent nach. Der italienische FTSE-Bankenindex gibt um 4,4 Prozent nach.

Der Ökonom Achim Dübel erkennt in der jahrzehntealten Korruption das größte Problem Italiens. Diese sei ein wichtiger Grund dafür, dass sich die finanzielle Situation des Landes heute schwierig darstellt. Dübel sagte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten:

„Was viele Ökonomen übersehen ist, wie korrupt viele vorherige Regierungen des Landes waren. Irgendwo kommen die ganzen Schulden ja her, und nicht nur aus den fernen 1980er Jahren, wie immer wieder vorgebracht. Die Banca Monte dei Paschi di Siena, deren Verluste seit 2007 die Kommunen in der südlichen Toskana ruiniert haben, war die indirekte Geldgeberin des sozialdemokratischen Partito Democratico (PD). Zumindest hatten Fünf Sterne und Lega es versucht, die vielen Skandale um die Bank aufzuklären, während sich der PD unter dem in Brüssel und Berlin gefeierten Matteo Renzi der Aufarbeitung verweigerte. Im Staatssektor muss einfach ein Neuanfang her. Die Korruption ist historisch dort ein Hauptproblem, deshalb sind Bürgerbewegungen der richtige politische Ansatz.

Während der Krise hatte der italienische Staat unter dem Druck der Eurozone seine Investitionen zurückgefahren – zu einer Zeit als sich auch die Privatinvestoren zurückzogen. Dies war ein schwerer Fehler. Der alternative Ansatz von Fünf Sterne und Lega, vor allem die Flat Tax, geht zu sehr in die konsumptive Richtung. Die Ausgaben müssten auf öffentliche Investitionen ausgerichtet werden. An diesem Punkt wären Korrekturen angebracht gewesen, aber nicht an der Grundausrichtung. Es muss einen fiskalpolitischen Impuls geben, weil die verordnete Austerität eine stärkere Belebung der Wirtschaft und eine durchgreifendere Verringerung der Arbeitslosigkeit behindert.“

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