Griechenland will Erleichterung bei Schulden-Dienst

Lesezeit: 2 min
17.06.2018 01:36
Griechenland sieht sich auf einem guten Weg und will Erleichterungen beim Schuldendienst.
Griechenland will Erleichterung bei Schulden-Dienst

Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras hat kurz vor dem möglicherweise entscheidenden Eurogruppen-Treffen für Schuldenerleichterungen für sein Land geworben. "Wir gehen davon aus, dass die Punkte aus dem Abkommen mit den Euro-Partnern vom vergangenen Jahr umgesetzt werden", sagte Tsipras der Welt am Sonntag. Dazu gehörten auch Schuldenerleichterungen, "damit wir stabiler auf eigenen Beinen stehen können und einen permanenten Zugang zu den Märkten finden", fügte Tsipras hinzu.

Die Eurogruppe kommt am Donnerstag mit Experten der EU, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) zusammen, um über das Ende des dritten Kreditprogramms für Griechenland zu beraten. Es läuft noch bis Mitte August. Danach hofft Athen, sich wieder vollständig über den Markt finanzieren und somit wieder auf eigenen Füßen stehen zu können. Bei dem Eurogruppen-Treffen soll es auch um mögliche Schuldenerleichterungen gehen. Eine Einigung gibt es bislang aber nicht.

"Wir arbeiten noch an den Details einer bestmöglichen Lösung, insbesondere für das Management von Griechenlands künftigen Fälligkeiten durch den Einsatz von nicht ausgezahlten, aber bereits zugesagten europäischen Mitteln und für eine Verlängerung der Rückzahlungsfristen ab dem Jahr 2022", sagte Tsipras.

"Das wäre eine Lösung, die den europäischen Steuerzahler nichts kostet, die aber eine notwendige Voraussetzung für den Marktzugang und den Aufbau der nötigen Liquiditätsreserven ist." Er verlange aber nicht, "dass unsere Verpflichtungen ad acta gelegt werden."

Die Euro-Länder hatten Griechenland auf Druck des Internationalen Währungsfonds (IWF) schon 2016 Schuldenerleichterungen in Aussicht gestellt. Das Ausmaß ist jedoch offen. Deutschland hat weitgehende und automatische Schuldenerleichterungen bisher abgelehnt.

Tsipras wies in dem Interview auf die Erfolge seiner "Reformpolitik" hin: "Wir haben die Sache vom Kopf auf die Füße gestellt", sagte der Regierungschef. Griechenland erziele jetzt im Haushalt einen Primärüberschuss. Die Arbeitslosigkeit sei während seiner Regierungszeit um sieben Prozent gesunken. "Wir haben ein Gefühl von Stabilität und Sicherheit nach Griechenland zurückgebracht", sagte der Regierungschef.

Tsipras gab allerdings zu, dass die Arbeitslosigkeit mit immer noch über 20 Prozent sehr hoch sei. Auch im Katasterwesen und im Justizsystem gebe es weiterhin Probleme. Griechenland habe inzwischen 40 Prozent seiner Waldregionen kartographiert, sagte der Ministerpräsident. "Bis 2020 wollen wir damit fertig sein".

Auch die "Verzögerungen in der griechischen Justiz" seien eine Herausforderung, sagte Tsipras. Aber auch hier gebe es Fortschritte. Um effizienter zu sein, seien allerdings mehr Leute nötig, die die Arbeit erledigen könnten. "Die Reformregeln aber sehen einen Abbau des Personals im Staatsapparat vor", sagte Tsipras.

Tsipras versprach, dass auch mit dem Ende des dritten Kreditprogramm Austeritätsmaßnahmen wie die Rentenkürzungen nicht zurückgedreht würden. "Die Rentenreform war heftig", sagte er. "Wir werden da keine Rückschritte zulassen."

***

Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung. Bitte unterstützen Sie die Unabhängigkeit der DWN mit einem Abonnement:

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, werden Sie von uns benachrichtigt und können dann das Abo auswählen, dass am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier.


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Erdrückende Schuldenlast: Argentinien steht kurz vor dem Staatsbankrott

Die Schuldensituation Argentiniens verschlechtert sich seit Jahren. Kurz nach der Bereitstellung einer weiteren Kreditlinie durch den IWF...

DWN
Technologie
Technologie Bundesregierung will Bau tausender neuer Funkmasten mit Werbe-Initiative begleiten

Die Bundesregierung strebt eine vollständige Abdeckung Deutschlands mit dem neuen 5G-Netz an. Bedenken in der Bevölkerung hinsichtlich...

DWN
Finanzen
Finanzen Lagarde beschwert sich über die Undankbarkeit der Sparer

EZB-Chefin Lagarde beschwert sich darüber, dass die Sparer gegen Negativzinsen sind. Die Sparer sollten schon glücklich sein, wenn sie...

DWN
Technologie
Technologie Deutschland gehört zu den zehn führenden Wasserstoff-Nationen

Weltweit gibt es zehn Nationen, die mehr oder weniger erfolgreich im Bereich der Wasserstofftechnologie aktiv sind. Zu diesen gehört auch...

DWN
Politik
Politik Deutsche U-Boote und Fregatten: Garanten unserer Freiheit

Die Deutsche Marine ist keine reine Manöver-Flotte mehr. Im zweiten Teil des DWN-Interviews berichtet Marine-Inspekteur Vizeadmiral...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Vizepräsident: „Die Nebeneffekte unserer Geldpolitik nehmen zu“

Dem Vize-Präsidenten der Europäischen Zentralbank zufolge sind die Nebeneffekte der ultralaxen Geldpolitik auf dem Vormarsch. Bei diesen...

DWN
Politik
Politik Türkei wird wichtiger Akteur auf dem weltweiten Rüstungsmarkt

Die Türkei entwickelt sich zu einem wichtigen Akteur auf dem internationalen Rüstungsmarkt. So soll Pakistan bald 30 Helikopter und vier...

DWN
Politik
Politik Afghanistan entwickelt sich zur neuen Hochburg des IS

Afghanistan entwickelt sich mittlerweile zur neuen Hochburg des IS. Die Terror-Miliz stellt eine direkte Gefahr für Chinas...

DWN
Finanzen
Finanzen UBS: Reiche Kunden erwarten Markt-Einbruch im nächsten Jahr

Laut einer aktuellen UBS-Umfrage unter tausenden reichen Investoren erwarten die meisten von ihnen für das kommende Jahr einen...

DWN
Technologie
Technologie Ein Tesla-Unfall erschüttert das Märchen von der umweltfreundlichen E-Mobilität

Ein Unfall eines Tesla-Fahrers in Österreich wirft ernste Fragen für die gesamte Elektroauto-Branche auf. Zuerst musste der Wagen drei...

DWN
Finanzen
Finanzen Tech-Giganten im Gesundheitswesen: Bessere Vorsorge oder Totalüberwachung?

Die großen Technologiekonzerne dringen mit ihren Anwendungen in das Gesundheitswesen vor. Neben großen Vorteilen zur Vorbeugung von...

DWN
Politik
Politik Halbzeitbilanz der GroKo: „Selbstzerfleischung ist kein Privileg der SPD mehr“

Das Verhältnis der GroKo ist zerrüttet. An Trennung führt eigentlich kein Weg vorbei. Doch dann käme es zu Neuwahlen, bei denen der...

DWN
Politik
Politik Bundestag beschließt CO2-Sondersteuer: Auf den Mittelstand kommen schwere Zeiten zu

Der Bundestag hat die Sondersteuer auf die Emissionen des natürlichen Gases Kohlenstoffdioxid beschlossen. Besonders darunter leiden...

DWN
Deutschland
Deutschland Tesla-Fabrik in Brandenburg: Ihre Insolvenz wäre Deutschlands Segen

Über den geplanten Bau der Giga-Fabrik von Tesla in Brandenburg herrscht großer Jubel. Was kaum jemand bedenkt: Von der Fabrik würde...

celtra_fin_Interscroller