Politik

China staunt über US-Zölle auf Seltene Erden

Lesezeit: 2 min
13.07.2018 13:12
Die USA haben Strafzölle auf die für die Rüstungs- und Technologiebranche kritischen Seltenen Erden verhängt - und könnten sich damit selbst schaden.

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Technologie  
China  
USA  

Die South China Morning Post weist auf einen Strafzoll hin, mit dem sich die US-Regierung selbst ins Knie geschossen haben könnte.

Unter den Tausenden von chinesischen Produkten, die von der US-Regierung in ihrer neuesten Salve von Zöllen ins Visier genommen werden, sind demnach einige Seltenerdmetalle, wenig bekannte chemische Elemente, die für Produkte von Hi-Tech-Lasern über Windturbinen bis hin zu leichten Rahmen für Mountainbikes wichtig sind.

Die USA waren bis in die 1980er Jahre weltweit führend in der Produktion von Seltenerdmetallen. Doch die Produktion - vom Bergbau bis zur Veredelung des Erzes zu verwertbaren Materialien für Hi-Tech-Produkte - wird heute von China dominiert, auf das mehr als 90 Prozent der Erze entfallen. Laut einem Bericht des Geological Survey der USA vom letzten Jahr hat die weltweite Produktion und Versorgung im vergangenen Jahrzehnt zugenommen.

China ist der größte Exporteur der Seltenen Erden-Elemente in die Vereinigten Staaten, die nach Angaben der US-amerikanischen International Trade Commission für 60 Prozent der 234,4 Millionen US-Dollar, die im vergangenen Jahr nach Amerika importiert wurden, verantwortlich sind. Diese wäre jetzt von den US-Zöllen betroffen.

Das ist mehr als das Fünffache der nächstgrößten Exporteure in diesen Kategorien im Jahr 2017, nämlich Frankreich und Japan.

Dudley Kingsnorth, Geschäftsführer der Industrial Minerals Company aus Australien, Berater der Bergbauindustrie, sagte der SCMP, dass China im Gegensatz zu vielen westlichen Ländern mit seiner "Made in China 2025"-Strategie zur Modernisierung des Landes einen "sehr klaren Weg" vor sich habe und Förderung der Entwicklung von Technologie im Inland vorsehe, anstatt sich auf ausländische Unternehmen zu verlassen.

"Die USA, die auf Seltene Erden einen 10-Prozent-Zoll erheben wollen, werden China damit nur helfen, dominant zu werden. Der Zoll wird es den Herstellern in den USA erschweren, Seltene Erden zu kaufen und in Ausrüstung zu integrieren und mit China wettbewerbsfähig zu sein."

Die Trump-Regierung hat das Programm "Made in China 2025" als Grund angeführt, für einige Produkte Zölle zu erheben. Die Dominanz Chinas in der Produktion der Seltenen Erden hat in den letzten Jahren bei einigen amerikanischen Gesetzgebern und Regierungsbehörden Unruhe ausgelöst. Das Government Accountability Office, eine unabhängige Partei, die dem US-Kongress Bericht erstattet, sagte 2016 in einem Bericht, dass der Abbau und die Veredelung dieser Erze durch Unternehmen vor allem außerhalb der USA "Risiken für die weitere Verfügbarkeit" für die Bedürfnisse des amerikanischen Militärs darstellen .

China hat seine Vorherrschaft über die Seltenen Erden bereits als politischen Hebel benutzt. Im Jahr 2010 hatte China die Ausfuhren seltener Erden nach Japan beschränkt. Auslöser war die diplomatische Auseinandersetzung wegen der Verhaftung eines chinesischen Trawler-Kapitäns nach einer Kollision mit zwei japanischen Patrouillenbooten rund um Inseln, die von beiden Ländern beansprucht wurden, beschränkte.

Kingsnorth sagte, er sei nicht überzeugt, dass China als Reaktion auf die US-Zölle einen ähnlichen Kurs nehmen würde: "China wird nichts tun. Es wird nicht nötig sein."

 

 


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Die gemeinsame EU-Plattform zur Gas-Versorgung funktioniert (noch) nicht
24.06.2024

Der europäische Rechnungshof hat sich mit der im April 2023 eingeführten Glas-Plattform der EU beschäftigt und am Montag erste...

DWN
Finanzen
Finanzen Fremdfinanzierung ohne Banken: Von Mikrokrediten bis Crowdfunding
24.06.2024

Auch abseits von klassischen Bankdarlehen gibt es Möglichkeiten für Unternehmen und Privatpersonen, sich Fremdkapital zu beschaffen und...

DWN
Politik
Politik Die Zukunft der Energiesicherheit in Zeiten geopolitischer Instabilität
24.06.2024

Unternehmen im Bereich Energiesicherheit sind aktuell stark gefordert. Sie müssen den Klimaneutralitätsplan bis 2025 verfolgen - trotz...

DWN
Politik
Politik Tag der Industrie: Scholz verspricht Entlastungen für Wirtschaft
24.06.2024

Der Kanzler skizziert beim Tag der Industrie erste Umrisse eines Wachstumspakets. Scholz zeigt sich zuversichtlich, dass dazu bei den...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Deutsche Wirtschaft schwächelt: Geschäftsklima trübt sich ein, Insolvenzen steigen rapide
24.06.2024

Dämpfer für die deutsche Wirtschaft. Das Geschäftsklima hat sich im Mai wieder eingetrübt und die Firmeninsolvenzen nehmen massiv zu....

DWN
Immobilien
Immobilien Nachhaltige Stadtentwicklung: Die Rolle von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien
24.06.2024

Ende Mai wurde in weiten Teilen Deutschlands wieder eines deutlich: Die Klima-Herausforderungen werden immer größer. Welche...

DWN
Politik
Politik Gesundheitssystem Umfrage: Deutsche immer unzufriedener
24.06.2024

Immer mehr Bürger kritisieren Missstände im deutschen Gesundheitswesen. Eine repräsentative Umfrage zeigt, dass ein Großteil der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Grüner Wasserstoff: Chance und Risiko für die Dekarbonisierung Deutschlands
24.06.2024

Deutschland setzt auf grünen Wasserstoff als zentralen Bestandteil der Energiewende. Er soll Stromengpässe ausgleichen und die Industrie...