China: Zentralbank will Crash mit Intervention abwenden

 

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20.07.2018 17:25
Die chinesische Zentralbank hat eine deutliche Lockerung der Finanzierungsbedingungen für Firmen vor, um einen drohenden Abschwung zu verhindern.
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Die chinesische Zentralbank bereitet unkonventionelle Maßnahmen vor, um von der Pleite bedrohte Unternehmen zu stützen und Verwerfungen an den Anleihemärkten zu verhindern. Wie die South China Morning Post berichtet, sollen strauchelnde Unternehmen leichter an neue Kredite kommen. Offenbar fürchtet die Regierung, dass sich das Wirtschaftswachstum künftig deutlich abkühlen könnte. Zudem könnten die Maßnahmen Vorbereitungen auf eine Eskalation des Handelskrieges mit den USA sein.

Beobachter rechnen damit, dass die Regierung Banken dazu auffordern wird, mehr Kredite an kleinere Unternehmen zu vergeben. Zudem dürften die Finanzierungsbedingungen insgesamt gelockert werden.

Wie der 21st Century Business Herald berichtet, soll die Zentralbank angekündigt haben, Geschäftsbanken des Landes in größerem Umfang mit sogenannten mittelfristigen Ausleihungen zu versorgen, wenn diese mehr Kredite an Unternehmen vergeben beziehungsweise mehr Unternehmensanleihen kaufen.

Diese Schritte – sollten sie umgesetzt werden – stellen eine deutliche Abkehr von der bis etwa 2016 verfolgten Strategie der Schuldenreduzierung dar. Insbesondere die Kreditvergabe durch Schattenbanken wurde auf Geheiß der Regierung in den vergangenen Jahren zurückgefahren. Seit einigen Monaten jedoch verfolgt die Führung offenbar eine andere Strategie. So hatte die Zentralbank im laufenden Jahr bereits zweimal die Mindestreserve-Anforderungen für Banken gelockert, um diesen mehr finanziellen Spielraum zu verschaffen.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes legte im Frühjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,7 Prozent zu, wie am Montag vorgelegte offizielle Daten zeigen. Damit verlor die Konjunktur nur leicht an Fahrt, nachdem sie im Vorquartal noch um 6,8 Prozent zugelegt hatte. Sollte sich das Wirtschaftswachstum in der zweiten Jahreshälfte eintrüben, dürften die Maßnahmen umgesetzt werden, glauben Beobachter.

„Der Ton ändert sich. Es zeichnet sich eine größere Erleichterung der Regulierungsvorschriften ab“, wird der Analyst Wu Qi der Pekinger Pangoal Institution von der South China Morning Post zitiert. „Die Lage auf dem Markt für Unternehmensanleihen ist nur ein Beispiel für die strukturellen Probleme auf dem Kreditmarkt.“

Gestern wurde bekannt, dass ein großer Kohlekonzern Bankrott ist und Verpflichtungen von umgerechnet fast 11 Milliarden Dollar nicht mehr begleichen kann.

Li Yuze, ein Fixed-Income-Analyst bei China Merchants Securities, zufolge sind die chinesischen Banken derzeit nicht in der Stimmung, die Kreditvergabe weiter anzukurbeln, da ihre Risikobereitschaft in den vergangenen Monaten deutlich gesunken sei. Daher sei es unwahrscheinlich, dass die Zentralbank in ihrem Bestreben, mehr Investitionen in Unternehmensanleihen mit zweifelhafter Bonität anzustoßen, erfolgreich sein werde. Ein weiteres Risiko bestehe darin, dass Liquidität an Unternehmen mit einer ohnehin starken wirtschaftlichen Position fließen wird, während diejenigen Firmen, die am dringendsten neue Finanzmittel benötigten, wahrscheinlich als zu risikoreich gemieden würden.

„Angesichts des aktuellen Umfelds erhöhter Liquiditätsbelastungen für Privatunternehmen und zunehmender Zahlungsausfälle sind die Banken sehr vorsichtig bei der Anlage in Unternehmensanleihen geworden, selbst wenn sie dafür leichter an zusätzliche Mittel der Zentralbank kommen“, wird Chen Shujin, ein leitender Finanzanalyst bei der in Hongkong ansässigen Huatai Financial Holdings zitiert.

Der Vorsitzende der China Banking and Insurance Regulatory Commission, Guo Shuqing, sagte kürzlich, dass die Regierung insbesondere kleinere Unternehmen unterstützen wolle. Gao zufolge sollten die Banken jenen Betrieben helfen, deren Aussichten gut sind, die aber derzeit unter Finanzierungsschwierigkeiten leiden.

Der Direktor der Analyseabteilung der Zentralbank, Sun Guofeng, zeigte sich zuversichtlich, dass ein Spielraum zur Lockerung der Finanzierungsbedingungen besteht, weil die illegale Kreditvergabe durch Schattenbanken in den vergangenen Jahren eingedämmt wurde.

Einem Analysten der Schweizer Großbank UBS zufolge ist es zudem wahrscheinlich, dass auch Kontrollvorschriften für öffentliche Infrastrukturprojekte und öffentlich-private Kooperationen erleichtert werden.

Unterdessen wird der restriktive Kurs gegenüber den Schattenabanken fortgesetzt. Die Regierung verschärft die Regulierung kurzfristiger Anlageprodukte. Die chinesische Banken- und Versicherungsaufsicht CBIRC veröffentlichte am Freitag ihren lange erwarteten Entwurf zum Umgang mit sogenannten Wealth Management Products (WMP), die als möglicher Auslöser einer künftigen Finanzkrise in China gelten. Per Ende Juni hatten Anleger umgerechnet 2,6 Billionen Euro (21 Billionen Yuan) in solche unbesicherten Produkte gesteckt, die in der Regel höhere Renditen als normale Bankanlagen wie Sparbücher versprechen und bei Verbrauchern populär sind. Die Mittel aus den WMPs fließen oft in Firmen oder Projekte, an die Banken nur begrenzt oder gar kein Geld verleihen dürfen.

Die Geldhäuser müssen den neuen Regeln zufolge unter anderem das Liquiditätsmanagement verstärken und Stresstests veranlassen, um die Risiken unter Kontrolle zu halten. Sie dürfen künftig keine WMPs nutzen, um in WMPs anderer Banken zu investieren. Die Aufseher wollen zudem dagegen vorgehen, dass Banken Investoren eine implizite Garantie gegen Anlageverluste geben.


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