Neuer Vorwurf gegen den Spiegel: Auch Sportreporter soll Geschichte erfunden haben

Lesezeit: 1 min
20.12.2018 13:04
Ein renommierter Reporter des Wall Street Journal erhebt schwere Vorwürfe gegen den Spiegel. Demnach hat nicht nur Claas Relotius Texte gefälscht.
Neuer Vorwurf gegen den Spiegel: Auch Sportreporter soll Geschichte erfunden haben

Matthew Karnitschnig, Redakteur bei Politico und viele Jahre Reporter beim Wall Street Journal, hat einen neuen Fall einer Fälschung beim Spiegel aufgedeckt.

Karnitschnig wirft auf Twitter dem Sportreporter des Spiegel, Rafael Buschmann, vor, eine Geschichte bei der Fußball-WM im Jahr 2014 erfunden zu haben.

Karnitschnig schreibt auf Twitter:

Während der WM im Jahr 2014 schrieb er (Buschmann), dass der berüchtigte Spiel-Manipulator ("match fixer") Wilson Raj Perumal ihm Stunden vor dem Spiel Kamerun gegen Kroatien gesagt habe, dass Kamerun das Match gegen Kamerun verlieren werde. Perumal sagte voraus, dass Kamerun nach einer roten Karte in der ersten Halbzeit 4: 0 verlieren würde, schrieb Buschmann. Der Artikel, der nach der Niederlage Kameruns mit 4: 0 und nach einer roten Karte lief, sorgte in der Mitte des Turniers für Furore und zwang Kamerun und die FIFA, eine Untersuchung einzuleiten.

Perumal bestritt, die Behauptungen vor dem Spiel gemacht zu haben. Er sagte, dass er erst nach dem Spiel in einem Facebook-Chat Buschmanns diesen Verdacht geäußert hatte. Mit anderen Worten, er hatte keine Insider-Informationen, dass das Spiel manipuliert worden sei. Es habe sich nur seine Analyse nach dem Spiel gehandelt.

Obwohl Perumal kaum vertrauenswürdig ist, erschließt sich nicht, warum jemand, der gerade eine Gefängnisstrafe verbüßt hatte und mit Behörden zusammenarbeitete, eine weitere Strafermittlung riskieren würde, indem er einem Reporter das Wissen um eine riesige Verschwörung offenbarte.

Der Spiegel weigerte sich unterdessen, Unterlagen zur Verfügung zu stellen, um der FIFA zu helfen, die Geschichte zu bestätigen.

Einige Wochen später interviewte ich Perumal für die WSJ in Budapest, wo er damals lebte. Er zeigte mir die Facebook-Chats mit Buschmann, die bewiesen, dass das Gespräch über Kamerun nach dem Spiel stattgefunden hatte und nicht vorher. Als ich den Spiegel danach fragte, weigerten sie sich, zu dem Vorfall Stellung zu beziehen. Alles, was sie anboten, war ein No Comment. Keine Verteidigung, kein Zusammenhang. Nichts. In der Zwischenzeit fand die FIFA keine Beweise, um die Geschichte zu stützen, und hatte ihre Untersuchung fallen gelassen. Und das war das Ende.

Der Gedanke, dass der Spiegel über eine Weltklasse-Abteilung für Tatsachenprüfung verfügt, war immer eine Fiktion. Als sie erwischt wurden, schwiegen sie einfach. Jeder Journalist, der gegen sie antritt, weiß, wie schnell und locker sie mit den Fakten umgehen. Kein Wunder, #Relotius war unvermeidlich.

Karnitschnig postete seine Enthüllungen, nachdem der Spiegel-Reporter auf Twitter geschrieben habe, dass alle Mitarbeiter mit der höchstmöglichen Sorgfalt arbeiten und ihre Geschichten stets mit "Fakten, Dokumenten, Zeitzeugen" belegen.

Bisher hatte die Spiegel-Führung offiziell die Position vertreten, dass es sich beim Fall Claas Relotius um einen Einzeltäter gehandelt habe. So schrieb der Spiegel in seinem Morning-Briefing am Donnerstag, die Redaktion sehe Relotius nicht als “einen Feind, sondern einen von uns, der mental in Not geraten ist und dann zu den falschen, grundfalschen Mitteln griff. Er hat auch unser Mitgefühl. Er hat betrogen, wir haben uns betrügen lassen.”

Zum Fall Buschmann liegt noch kein offizielles Spiegel-Statement vor.

Buschmann selbst äußerte sich auf Twitter und sagte, er habe "Zeugen", "Dokumente" und "eidesstattliche Versicherungen" gehabt und die Geschichte der Rechtsabteilung vorgelegt:


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