Überwachungs-Software macht unproduktive Angestellte ausfindig

 

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20.05.2019 06:23
Moderne Überwachungs-Software kann im Auftrag von Unternehmen das Computerverhalten der Mitarbeiter auswerten und so ihren Wert für das Unternehmen ermitteln.
Überwachungs-Software macht unproduktive Angestellte ausfindig
Zahlreiche Anbieter haben Überwachungs-Software auf den Markt gebracht, damit Unternehmen Daten über ihre Mitarbeiter sammeln und nutzbar machen können. (Foto: AFP)
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In der Regel haben Unternehmen Zugriff auf die E-Mails ihrer Mitarbeiter sowie auf deren Browser-Verlauf. Doch heute kann moderne Überwachungs-Software viele weitere Daten sammeln. Und das Interesse der Unternehmen an einer datenorientierten Beurteilung ihrer Mitarbeiter wächst.

Inzwischen bieten mehrere Startups Software-Lösungen an, die das gesamte Computerverhalten von Mitarbeitern überwachen und protokollieren. Auf diese Weise können sie deren tatsächlichen Nutzen für das Unternehmen ermitteln.

Die Software kann sogar Screenshots erstellen und mithilfe von Analyseprogrammen auswerten. So erhalten die Führungskräfte von Unternehmen detaillierte Berichte über die Produktivität ihrer Mitarbeiter, ohne dass diese etwas davon bemerken.

Laut dem Marktforscher Gartner hat im letzten Jahr mehr als die Hälfte der großen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 750 Millionen Dollar "nicht-traditionelle" Methoden zur Überwachung ihrer Mitarbeiter eingesetzt.

Und der Marktforscher Grand Review Research aus San Francisco sagt, dass die Belegschaftsanalyse als Sektor bis zum Jahr 2025 einen Wert von fast 2 Milliarden Dollar erreichen wird, berichtet die Financial Times.

Überwachungs-Software erkennt "Bummler" und Betrüger

Das Unternehmen Activtrak hat im März 2019 in einer Finanzierungsrunde der Serie A 20 Millionen Dollar eingesammelt. Seine Produkte ermöglichen es Arbeitgebern, zu verfolgen, welche Webseiten Mitarbeiter besuchen, wie lange sie sich auf Webseiten aufhalten, die als "unproduktiv" gelten. Die Software löst sogar einen Alarm aus, wenn ein Mitarbeiter eine als gefährlich eingestufte Webseite besucht.

Auch das Produkt Teramind überwacht Mitarbeiter bei der Dateneingabe oder bei der Beantwortung von Fragen im Kundensupport. Es wird als Werkzeug zur "Identifizierung von Bummlern oder Leistungsträgern" beworben.

Um die Produktivität in Zahlen ausdrücken zu können, erstellt die Software aus riesigen Datenmengen Profile des Mitarbeiterverhaltens. Die Unternehmen können ihre Teramind-Daten auch mit anderen Datensätzen integrieren.

"Unser Tool ist extrem leistungsfähig", sagt Teramind-Chef Isaac Kohen. Und man könne es auch "auf nicht-ethische Weise" einsetzen, zitiert ihn die Financial Times. Doch es sei nicht das Ziel, Mitarbeiter auszuspionieren.

Weiter sagt das Unternehmen, dass seine Technologie den Banken dabei helfen könnte zu überprüfen, dass Händler keine Insiderinformationen über Facebook versenden. Sie setzt künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen ein, welche die Texte auf den Computerbildschirmen auswerten.

Anwendung in Behörden und Schulen

Zu den Kunden gehören unter anderem eine US-Strafverfolgungsbehörde, die Laptops von registrierten Sexualstraftätern analysiert, sowie Schulen, welche die Online-Aktivitäten ihrer Schüler auswerten lassen. Wenn sich dabei Zeichen einer Radikalisierung zeigen, wird ein Alarm ausgelöst.

In Kombination mit personenbezogenen Daten wie Alter und Geschlecht könnten die Daten es den Arbeitgebern ermöglichen, ein differenziertes Bild der idealen Arbeitnehmer zu entwickeln. Sie könnten besser erkennen, wer die wertvollsten Mitarbeiter sind, und dies bei Entscheidungen über Beförderungen und Entlassungen einbeziehen.

Unternehmen wie der von Microsoft unterstützte IT-Berater Zing Technologies analysieren bereits "Lebensläufe und Sozialprofile" von Bewerbern, um die am besten für einen Job geeigneten Kandidaten vorherzusagen. Die Softwareentwickler sagen, dass nicht sie, sondern die Kunden dafür verantwortlich sind, was mit den Daten geschieht.

Regelmäßige Screenshots zur Beurteilung von Mitarbeitern

Einige Programme, darunter die von Teramind und Activtrak, ermöglichen es den Arbeitgebern, regelmäßig Screenshots oder Videos von den Computern der Mitarbeiter zu erstellen und diese durch künstliche Intelligenz auswerten zu lassen. Dies kann mit oder ohne Wissen der Mitarbeiter geschehen.

Abhängig von den Einstellungen durch den Arbeitgeber kann die Screenshot-Analyse ihn zum Beispiel auf Dinge wie gewalttätige Inhalte oder auf die zeitaufwendige Erstellung von LinkedIn-Stellenanzeigen hinweisen.

Aber Screenshots können auch Details aus privaten Nachrichten, aus den Aktivitäten in den sozialen Median oder Kreditkarteninformationen enthalten, die dann durch die Überwachungs-Software in der Datenbank des Arbeitgebers landen könnten.

Daher bieten einige Tools Arbeitgebern die Option, sensible Informationen wie Reisepass- oder Sozialversicherungsnummern in den Screenshots auszublenden. Teramind hat dafür eine eigene Lösung entwickelt. Activtrak verwendet dafür ein Werkzeug von Google.

Werden die Mitarbeiter die Überwachung hinnehmen?

Neben der Überwachung am Computer halten auch Assistenten wie Amazons Alexa Unternehmen Einzug in den Büros. Noch ist unklar, wie viel vom Büroleben die Geräte tatsächlich aufzeichnen. Die Nutzungsbedingungen von Amazon besagen jedenfalls, dass Arbeitgeber keinen Zugang zu Sprachaufzeichnungen haben.

"Wenn Sie nicht wollen, dass Alexa zuhört, ziehen Sie den Netzstecker", sagte die Anlystin Victoria Petrock vom Marktforscher eMarketer. "Wenn Sie nicht wollen, dass Ihr Arbeitgeber weiß, was Sie auf diesen Geräten tun, sollten Sie diese nicht verwenden."



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