China, Russland und die Türkei kaufen in großem Stil Gold

 

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29.06.2019 16:46
Vor allem China, Russland und die Türkei stocken ihre Goldreserven seit Jahren deutlich auf. Es erfolgt eine Diversifizierung weg vom US-Dollar. Die Länder bereiten sich offenbar auf die nächste Finanzkrise vor.
China, Russland und die Türkei kaufen in großem Stil Gold
Physisches Gold wird von den Notenbanken weiterhin stark nachgefragt. (Foto: dpa)

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Die chinesische Notenbank hat nach Angaben des World Gold Council (WGC) seit Dezember 2018 mehr als 74 Tonnen Gold gekauft. China versucht offenbar, seine Devisen-Reserven zu diversifizieren, auch indem US-Staatsanleihen abgestoßen werden, um ein Teil des dadurch eingenommenen Kapitals in Gold zu investieren, berichtet der Nikkei Asian Review. China verfügt nach einem Bericht der Financial Times derzeit offiziellen Angaben zufolge über 1.916 Tonnen Gold. Die Käufe des Edelmetalls steigen jedoch seit einigen Jahren schon deutlich an.

Jeremy Lawson, Chefökonom bei Aberdeen Standard Investments, zufolge bereitet sich China mit der Erhöhung seiner Goldreserven auf “eine Welt mit größerer Unsicherheit” vor. Bloomberg berichtet: “Nach Angaben von Helen Lau, Analystin bei Argonaut Securities (Asia) Ltd., spiegelt der Anstieg die ,entschlossene Diversifizierung’ der Regierung in Bezug auf Dollar-Vermögenswerte wider. Bei dieser Akkumulationsrate könnte China laut Lau im aktuellen Jahr weitere 150 Tonnen kaufen.”

“Es handelt sich dabei um Diversifizierung weg vom US-Dollar, insbesondere angesichts der Handels-Spannungen und des potenziellen sich entwickelnden technologischen Kalten Krieges”, bestätigt Bart Melek, weltweiter Leiter der der Rohstoff-Strategieabteilung bei TD Securities.

Auch Russland häuft Gold an

Auch andere Notenbanken auf der ganzen Welt akkumulieren das Edelmetall in Rekordzahlen. Russland hat seine Goldbestände in den ersten vier Monaten des Jahres um 71,53 Tonnen ausgebaut. Die russischen Goldreserven erhöhten sich im Jahr 2018 um 274,3 Tonnen und markierten damit das vierte Jahr in Folge ein Plus von mehr als 200 Tonnen. In der Zwischenzeit verkauften die Russen fast alle von ihnen gehaltenen US-Staatsanleihen. Analysten der Bank of America zufolge ist das US-Dollar-Volumen in russischen Reserven im Jahr 2018 von 46 Prozent auf 22 Prozent gesunken. 

Auf Nachfrage der Deutschen Wirtschaftsnachrichten, welche Rolle die Erhöhung der Goldreserven für die Notenbanken spielt, sagte der Leiter der Kapitalmarktanalyse-Abteilung der Baader Bank, Robert Halver: „Diese Methode dient vor allem als letzter Rettungsanker für den Fall, dass es zu einem Zusammenbruch des Finanzsystems kommt. Dies erklärt, warum die internationalen Notenbanken seit Platzen der Immobilienblase 2008 mit anschließender Schuldenkrise Gold in physischer Form verstärkt anhäufen, nachdem sie seit den 70er Jahren ihre Bestände kontinuierlich abbauten.”

Seeking Alpha zitiert den US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Peter Schiff: “Ich denke, die nächste Rezession kommt dann, wenn die Fed auf Null zurückgeht und wenn wir QE4 (vierte Runde von Anleihekäufen durch die US-Zentralbank - Quantitative Lockerung, Anm. d. Red.) einführen. Dann wird die Rolle des Dollars als Reservewährung in Frage gestellt werden, und die Zentralbanken brauchen eine Alternative. Und die einzige Alternative, um die eigene Währung zu sichern, ist echtes Geld, nämlich Gold.”

Die Türkei nutzt Gold als Stabilitätsanker

Das hat offenbar auch die Türkei erkannt. Die Brutto-Goldreserven der türkischen Notenbank stiegen zum 17. Mai im Vergleich zur Vorwoche von 20,66 Milliarden US-Dollar auf 20,72 Milliarden US-Dollar. 

Ende 2011 erlaubte die Türkei den Geschäftsbanken, Gold anstelle der Türkischen Lira für ihre benötigten Einlagen bei der Notenbank zu verwenden. Diese Einlagen sind als Reservebedarf bekannt und tragen dazu bei, dass die Banken kapitalisiert werden.

Zwischen 2012 und 2018 hatte die türkische Notenbank weitere 400 Tonnen Gold angehäuft. Dadurch hat die Türkei nach Angaben des Middle East Eye die Möglichkeit, die Banken und die Wirtschaft zu stabilisieren.

Dazu beigetragen hat eine Änderung der Banken-Verordnungen, wonach Gold von den Banken als finanzieller Vermögenswert genutzt werden darf. „Diese Änderung hat es der Regierung ermöglicht, das Gold unter dem Kopfkissen (das Gold von Privatpersonen, Anm. d. Red.) zu bekommen, um die Banken und die zugrunde liegende Wirtschaft zu stabilisieren”, sagt Ivo Pezzuto von der International School of Management in Paris. Jeff Christian von der CPM Group meint, dass dieser Vorgang in Bezug auf die Türkei „genial” sei und von anderen Zentralbanken der Welt übernommen wird. „Dies ist möglicherweise ein wirklich großer Schritt vorwärts in Bezug auf die Rehabilitation von Gold als Währungsreserven-Vermögen”, zitiert Forbes Christian.

Erica Rannestad, Analystin bei der CPM Group, sagt, dass es eine Renaissance des Goldes als monetäres Instrument gebe. Dies habe man auch in anderen Ländern beobachten können, wo die Goldreserven aufgestockt wurden. Es werde versucht, eine monetäre Diversifizierung herbeizuführen.

Nach Angaben der CPM Group werden derzeit in der türkischen Notenbank mehr als 18 Millionen Unzen Gold-Barren deponiert. Vor dem Regelwechsel für Banken im Jahr 2011 lagen weniger als vier Millionen Unzen bei der türkischen Zentralbank, so die CPM Group. Ein signifikanter Teil der Goldbestände stammt von Geschäftsbanken, die ihr Gold bei der Notenbank in Ankara lagern.

Das türkische Gold, das früher unter dem sprichwörtlichen Kopfkissen oder in privaten Safes gelagert wurde, diene nun einem nützlicheren wirtschaftlichen Zweck, indem es den Banken erlaube, mehr Darlehen auf Lira-Basis zu vergeben. Es unterstützt die Banken auch in Zeiten einer hohen Inflation. Gemessen an der Türkischen Lira, wächst der Wert des Goldes je höher die Inflation liegt. Der Wert des Goldes passt sich nach oben an.


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