Finanzen
Preise für "Wasser des Lebens" gehen zunehmend durch die Decke

Whisky entwickelt sich immer mehr zu einer lukrativen Geld-Anlage

Whisky wird zu einer immer beliebteren Geld-Anlage.
03.08.2019 17:12
Lesezeit: 5 min

Whisky wird als Geld-Anlage immer beliebter. Warum das so ist, welche Anlage-Strategien man verfolgen und welche vermeiden sollte - darüber und über die Welt des "Wasser des Lebens" an sich sprachen die Deutschen Wirtschaftsnachrichten mit Uwe Wagmüller. Sein Laden „Finest Whisky“ im Berliner Ortsteil Schöneberg wurde 2018 vom wohl wichtigsten deutschen Whisky-Führer, dem „Whisky Guide Deutschland“, als bester Whisky-Shop des Landes ausgezeichnet.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Investmentformen gibt es viele: Aktien, Immobilien, Gold, um nur einige zu nennen. Seit einiger Zeit gewinnt eine weitere Anlege-Möglichkeit zunehmend an Beliebtheit: Whisky. Können Sie uns das erklären?

Uwe Wagmüller: Natürlich. Zunächst einmal ist Whisky ein Gut, das einen reellen Wert besitzt. Man kann ihn nämlich - mit viel Genuss - trinken. Das heißt, selbst in dem unwahrscheinlichen Fall, dass man keinen Käufer für eine Flasche findet, kann man sie immer noch öffnen und sich an dem Inhalt gütlich tun. Aber im Endeffekt das ist nur ein Nebenaspekt.

Der wichtigste Grund, warum immer mehr Investoren sich dem Whisky zuwenden, sind die steigenden Preise: In den letzten vier bis fünf Jahren sind sie geradezu explodiert. Verantwortlich dafür ist die gewaltige Nachfrage aus Asien, vor allem aus China, aber auch aus Ländern wie Hongkong, Taiwan, Japan, Singapur. Bis vor ein paar Jahren waren dort vor allem Cognac und Wein nachgefragt, aber die sind vom Whisky fast völlig verdrängt worden. Wobei gerade die Chinesen bereit sind, ganz, ganz tief in die Tasche zu greifen - teilweise sind die Preise, die sie bezahlen, astronomisch.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Können Sie uns ein Beispiel nennen?

Uwe Wagmüller: Eine Flasche der schottischen Destillerie „Macallan“ hat letztes Jahr auf einer Versteigerung knapp 950.000 Euro eingebracht. Der Whisky kam 1926 ins Fass und 1986 in die Flasche, ist also 60 Jahre alt.

Das ist übrigens etwas, was viele Leute nicht wissen. Entscheidend ist die Zeit, die der Whisky im Fass lagert und heranreift. Wie viele Jahre er anschließend in der Flasche verbringt, spielt keine Rolle - dort verändern sich Geschmack und Aroma nämlich nicht mehr. Es sei denn, mit dem Verschluss ist etwas nicht in Ordnung - dann kann der Whisky auch schlecht werden.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Das ist tatsächlich etwas, was vielen Laien bestimmt nicht bekannt ist. Dafür braucht man jedoch kein Fachmann sein, um zu wissen, wo der meiste Whisky herkommt: Aus Schottland und den USA, richtig?

Uwe Wagmüller: Das sind tatsächlich zwei der führenden Whisky-Nationen. Die anderen sind Irland, Kanada sowie - das wird den einen oder anderen wahrscheinlich überraschen - Indien und Japan.

Irischer, indischer und kanadischer Whisky spielen als Investment-Objekte allerdings kaum eine Rolle, amerikanischer Whiskey nur, wenn er von einigen wenigen bestimmten Destillerien stammt. Wer sein Geld gewinnbringend in Whisky anlegen möchte, sollte zu schottischem und japanischem greifen. Die reiche japanische Whisky-Kultur geht übrigens auf einen Japaner zurück, der 1918 zum Chemie-Studium nach Glasgow ging, sich jedoch stattdessen zum Destillateur ausbilden ließ. Masataka Taketsuru ist der Begründer der japanischen Whisky-Tradition, die zwar erst rund ein Jahrhundert alt ist, aber ein sehr hohes Niveau ihr Eigen nennt.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wer investiert eigentlich in Whisky? Wieviel Geld legen die Käufer für gewöhnlich an, und wo erstehen sie ihre Investment-Objekte?

Uwe Wagmüller: Da finden sich die unterschiedlichsten Charaktere. Wobei sie eine Eigenschaft eint: Sie sind so gut wie alle männlichen Geschlechts - das Investieren in Whisky ist eine Männerdomäne.

Wieviel Geld die Leute investieren, ist unterschiedlich, und hängt von ihren persönlichen Vorlieben sowie ihrem Geldbeutel ab. Ich habe Kunden, die über ein völlig normales Gehalt verfügen. Die kommen einmal im Monat in den Laden und kaufen für die 200 Euro, die sie überhaben, bei mir ein. Häufig bieten sie den Whisky anschließend gleich auf Ebay an. Das große Geld können Sie damit natürlich nicht verdienen, aber es reicht für ein nettes Zubrot.

Andere kommen ebenfalls regelmäßig, geben aber deutlich mehr aus. Sie sind in der Regel an längerfristigen Investments interessiert, das heißt, sie verkaufen die Flaschen nicht sofort weiter. Und dann sind da die Anleger, welche Summen im fünfstelligen Bereich investieren, beispielsweise Leute, die gerade eine Erbschaft gemacht haben. Die meisten von ihnen streuen ihre Investments - ein Teil ihres Portfolios besteht dann eben aus Whisky.

Wieviel die Leute von Whisky verstehen, ist unterschiedlich. Einige verfügen über sehr weitreichende Kenntnisse, andere wissen eher wenig und fragen mich daher dementsprechend gezielt um Rat. Das ist so wie bei anderen Investmentformen auch. Nehmen wir den Bereich Aktien: Da kann man sich sein eigenes Portfolio zusammenstellen oder aber einen professionellen Händler beauftragen.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Worauf achten Sie, wenn ein Kunde Sie bittet, für ihn ein Whisky-Portfolio zusammenzustellen?

Uwe Wagmüller: Zunächst einmal orientiere ich mich natürlich an seinen Wünschen und seinen Möglichkeiten - über wieviel Kapital verfügt er, wie groß ist seine Risikobereitschaft, was ist sein Zeithorizont?

Darüber hinaus orientiere ich mich an Erfahrungswerten. So wie ein professioneller Aktienhändler in der Lage ist, eine Empfehlung für den Kauf von Wertpapieren abzugeben, kann ich bis zu einem gewissen Grad beurteilen, welcher Whisky sich positiv entwickeln wird und welcher eher nicht. Wobei natürlich auch ein Experte nicht in der Lage ist, alle Entwicklungen auf dem Markt vorherzusagen. Ein Beispiel: Es gibt Whisky-Gurus, deren Stimme in der Szene fast schon Gesetz ist. Empfehlen die einen Whisky, ist er am nächsten Tag wahrscheinlich ausverkauft. Aber wann und ob eine solche Empfehlung erfolgt, ist nicht vorhersagbar, das ist Glücksache.

Selbstverständlich frage ich den Kunden auch, ob er breit streuen, das heißt viele Flaschen zu einem geringeren Preis kaufen, oder lieber in wenige, dafür aber teure Flaschen investieren möchte. Ich empfehle in der Regel letzteres. Eine große Zahl von Flaschen zu haben, ist nämlich mit hohem logistischem Aufwand verbunden. Wo will man sie lagern? Wie transportieren? Und wie verkaufen - über Ebay? Das ist häufig mit ziemlich viel Ärger verbunden.

Ein paar wenige, aber dafür teurere Flaschen, können Sie dagegen einfach bei sich zu Hause unterbringen und problemlos transportieren. Beziehungsweise nach Großbritannien schicken. Dort befinden sich nämlich die großen Auktionshäuser. Die verlangen zwar eine Provision dafür, dass sie Ihren Whisky versteigern, aber das ist gut angelegtes Geld - es geht dort professionell und seriös zu.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Man kann mit Investments in Whisky also sehr viel Geld verdienen?

Uwe Wagmüller: Ja, das kann man. Ich will Ihnen mal ein Beispiel geben: Ein Kunde kaufte sich bei mir eine Flasche japanischen Karuizawa für 300 Euro. Später ließ er sie versteigern - und bekam 17.000 Euro. Eine Rendite von knapp 5.700 Prozent - nicht schlecht!

Wobei man einen solchen Gewinn natürlich nicht mit jeder Flasche erzielt. Aber Renditen von 500 Prozent in fünf Jahren sind durchaus möglich.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wie lange wird der Whiskey-Boom noch anhalten?

Uwe Wagmüller: Whisky ist und bleibt die Nummer eins auf dem Markt für besondere Spirituosen. Rum als Nummer zwei und Gin als Nummer drei sind weit abgeschlagen, wobei ich persönlich den Hype, den Gin derzeit erlebt, für übertrieben halte. Um es mal etwas überspitzt auszudrücken: Da kommen ein paar junge Leute, legen ein Säckchen mit Kräutern in Natur-Alkohol und verdünnen diesen anschließend mit Wasser. Sie denken sich einen pfiffigen Namen aus und entwickeln eine clevere Marketing-Strategie: Fertig ist das neue Szene-Getränk. Vergleichen Sie das mal mit Whisky, dessen Herstellung eine Kunst ist und der über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte in einem Fass heranreift.

Ich gehe allerdings schon davon aus, dass sich die Preise für Whiskey etwas normalisieren werden. Und zwar für Flaschen neueren Datums. Da besteht derzeit ein Hype - was nicht ganz ungefährlich ist: Wenn die Preise weiterhin so steigen wie in den letzten Jahren, könnte der Markt irgendwann zusammenbrechen.

Flaschen, die vor längerer Zeit abgefüllt wurden, werden aber weiterhin sehr hochpreisig gehandelt werden. Da ist die Spitze der Fahnenstange noch nicht erreicht - mit anderen Worten: Der Whisky-Markt bleibt äußerst spannend und sehr lukrativ.

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Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

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