Politik
Forderung nach Zerstörern, Kampfhubschraubern und Marine-Infanterie

Einsatz in der Straße von Hormus: Deutsches Strategie-Papier versetzt Europa in Aufregung

Ein deutsches Strategiepapier zum Einsatz der Marine in der Straße von Hormus hat bei der EU für Aufregung gesorgt.
20.08.2019 12:33
Aktualisiert: 20.08.2019 12:33
Lesezeit: 2 min

Das Strategiepapier dreier deutscher Sicherheitsexperten „Ein Schiff wird kommen? Deutsche maritime Optionen in der Straße von Hormus“ hat in der EU für Aufregung gesorgt. Das meldet die Brüsseler Zeitung „De Morgen“. Letzte Woche sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Idee einer europäischen Marine-Mission werde aller Voraussicht nach Ende August auf einem informellen Treffen europäischer Außen- und Verteidigungsminister in Helsinki diskutiert werden.

Das Papier stammt vom Professor für Internationale Politik der „Universität der Bundeswehr München“, Carlo Masala, sowie zwei Wissenschaftlern der „Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik“ (DGAP), Christian Mölling und Torben Schütz. Die Autoren schreiben, dass „die ungehinderte Nutzung von Transport-, Versorgungs- und Handelslinien sowie die Sicherheit der Rohstoff- und Energieversorgung zu den außen- und sicherheitspolitischen Prioritäten einer vom Export abhängigen Nation wie der Bundesrepublik“ gehören. Deshalb sollte „Berlin zum Erhalt seines Gestaltungsanspruchs und zur Wahrung seiner Interessen eine Mission mitentwickeln und sie gegebenenfalls führen“. An der Mission sollten diverse europäische Staaten beteiligt sein, die über Seestreitkräfte verfügen, heißt es weiter.

Die Mission würde sich gegen den Iran richten. In den letzten Wochen hat es diverse Attacken auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus gegeben, wofür eine ganze Reihe westlicher Nationen den Staat verantwortlich macht, was dieser jedoch bestreitet. Sowohl das Kanzleramt als auch das Außenministerium haben eine solche Mission, die Schiffen eine sichere Durchfahrt der Meerenge gewährleisten soll, ins Gespräch gebracht. Das Kanzleramt hat allerdings von einer „Schutzmission“ gesprochen, das Außenministerium lediglich von einer „Beobachtungsmission“. In ihrem Papier analysieren die Autoren, welche Kapazitäten für die beiden unterschiedlichen Missionen jeweils notwendig sein würden.

Für die robuste Schutzmission wären mindestens fünf Fregatten oder Zerstörer mit bewaffneten Bordhubschraubern notwendig, ergänzend zwei Korvetten, drei Seefernaufklärer sowie ein bis zwei Versorgerschiffe, die von Schiffsschutzteams (bewaffneten Soldaten) begleitet sein müssten.

Für die Beobachtungsmission - deren Ziel es laut den Autoren lediglich wäre, „deeskalierend zu wirken und Rechtsverletzungen zu dokumentieren, um sie der UN sowie der Weltöffentlichkeit zur Kenntnis zu bringen“ - wären die gleichen Kräfte minus der beiden Korvetten sowie der Schiffschutzteams erforderlich.

Unabhängig davon, welche der beiden Missionen durchgeführt werde, müsse Deutschland zur Wahrung seiner Glaubwürdigkeit „ständig mit mindestens einem Schiff präsent sein“, heißt es in dem Papier. Die anderen Schiffe würden europäische Partnerländer stellen. Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels, hat kürzlich vor einer Überforderung der deutschen Seestreitkräfte gewarnt: „Kleiner als jetzt war die Marine noch nie.“

In Brüssel führte das Papier zu lebhaften Diskussionen. Ob das Papier für den Standpunkt der deutschen Teilnehmer auf dem Treffen in Helsinki Bedeutung hat, steht nicht fest. Sowohl eine Sprecherin des Bundeskanzleramts, ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sowie die Autoren selbst sagten auf Anfrage der DWN, dass das Papier nicht die offizielle Meinung der Bundesregierung darstelle.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Großzügig, teuer, umstritten: Wie tragfähig ist unser Sozialstaat noch?
25.04.2026

Arbeit soll sich lohnen. So lautet das Versprechen. Doch zwischen Grundsicherung, Arbeitsanreizen und Fachkräftemangel werden die Zweifel...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neues E-Auto von Volkswagen: Cupra Raval im Test
25.04.2026

Der Cupra Raval rückt als günstiges Elektroauto in den Fokus der europäischen Herstellerstrategie. Kann das Modell eine neue...

DWN
Panorama
Panorama 40 Jahre nach Tschernobyl: Die langfristigen Folgen für Deutschland
25.04.2026

Die Nuklearkatastrophe von 1986 wirkt bis heute nach – auch in Deutschland. Doch wie stark ist die Strahlenbelastung 40 Jahre nach...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Open-XDR gegen Cyberangriffe: Wie Unternehmen den Überblick behalten
25.04.2026

Unternehmen stehen angesichts wachsender Cyberangriffe und komplexer IT-Strukturen vor der Herausforderung, Sicherheitsrisiken schneller...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Wettbewerbsfähigkeit: Draghi-Bericht setzt neue Maßstäbe in der EU-Politik
25.04.2026

Draghis Bericht zu Europas Wettbewerbsfähigkeit gewinnt in Brüssel spürbar an Einfluss und prägt zentrale wirtschaftspolitische...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: S&P 500 steigt dank Tech-Gewinnen, obwohl die meisten Aktien an der Wall Street fallen
24.04.2026

Entdecken Sie, welche überraschenden Dynamiken die Märkte in dieser volatilen Phase antreiben und warum nicht alles so ist, wie es auf...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Viega: Wie ein Sauerländer Mittelständler den Weltmarkt für Pressverbindungstechnik dominiert
24.04.2026

Was niemand sieht, hält alles am Laufen. Ein Porträt über den Sauerländer Mittelständler Viega, der mit Pressverbindungstechnik...

DWN
Politik
Politik Bundestag beschließt Tankrabatt: Wie stark sinkt die Steuer?
24.04.2026

Ab 1. Mai sollen Benzin und Diesel günstiger werden - befristet für zwei Monate. Worum es geht und was es mit einer Prämie auf sich hat.