Eskalation im Irak: Neue Flüchtlings-Bewegung hat begonnen

 

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17.10.2016 01:51
Der Irak hat, unterstützt von Frankreich und den USA, in der Nacht zum Montag mit dem Angriff auf Mossul begonnen. Tausende Bewohner der Stadt sollen sich bereits auf der Flucht befinden. Der Erfolg der Offensive ist ungewiss.
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Die Militäroperation zur Rückeroberung der nordirakischen Großstadt Mossul aus den Händen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat begonnen. Dies verkündete Iraks Ministerpräsident Haider al-Abadi in der Nacht zu Montag im irakischen Fernsehen. Mossul ist die letzte größere irakische Stadt, die noch von der sunnitischen Extremistengruppe kontrolliert wird, nachdem die Regierungstruppen die Dschihadisten aus Städten wie Ramadi, Falludscha und Tikrit vertrieben haben.

"Die Zeit des Siegs ist gekommen und die Operationen zur Befreiung von Mossul haben begonnen", sagte al-Abadi am frühen Montagmorgen in einer Ansprache im Staatssender Irakija. "Heute erkläre ich den Beginn dieser siegreichen Operation, um Euch von der Gewalt und dem Terror von Daesch zu befreien", sagte er an die Einwohner von Mossul gewandt unter Verwendung der arabischen Bezeichnung für die IS-Miliz.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Rudaw soll die irakische Luftwaffe am Sonntag Broschüren über der Stadt Mossul abgeworfen haben, die die Zivilbevölkerung dazu aufrufen, sich in den Häusern und Wohnungen zu verschanzen und nicht auf die Straße zu gehen.

Die Deutsche Welle berichtet, dass am Wochenende Tausende von Zivilisten damit begonnen haben, die Stadt zu verlassen. Die Türkei hatte am Freitag vor der Gefahr gewarnt, dass der Angriff zu einer massiven neuen Fluchtbewegung führen könnte, weil Hunderttausende Menschen aus ihrer Heimat vertrieben werden.

Die Dschihadisten hatten Mossul im Sommer 2014 in einer Blitzoffensive erobert, ohne dass die irakische Armee nennenswerten Widerstand leistete. Der Einsatz zur Rückeroberung der Millionenstadt wird die bisher größte Militäroperation gegen die Dschihadisten im Irak. Neben der irakischen Armee sind auch schiitische und kurdische Milizen beteiligt. Unterstützung erhalten sie von Kampfflugzeugen der US-geführten Anti-IS-Koalition, wie NBC News berichtet.

Zuletzt hatte es eine Kontroverse um die Beteiligung der türkischen Armee an der Operation gegeben. Während Ankara die Einbindung ihrer Streitkräfte forderte, lehnte Bagdad dies ab. Das irakische Parlament verurteilte Anfang Oktober die Präsenz türkischer Truppen im kurdischen Autonomiegebiet, wo sie im Militärlager Baschika sunnitische Milizen für den Einsatz zur Rückeroberung von Mossul ausbilden, und forderte ihren Abzug.

Der Kampf um Mossul dürfte ausgesprochen schwierig werden, weil viele unterschiedliche Gruppierungen rivalisieren: Am Sonntag sind im irakischen Ninive die Führer von 400 irakischen Stämmen zusammengekommen, um ihre Solidarität mit der Türkei zu verkünden. Der irakische Premier Haidar al-Abadi und die Regierung in Bagdad hätten „dumm“ gehandelt. Al-Abadi hatte zuvor gesagt, dass die Türkei ihre Truppen aus dem Irak abziehen soll und sich nicht an der Operation auf Mossul beteiligen dürfe.

Haber 7 zitiert die gemeinsame Erklärung der 400 Stammesführer: „Das irakische Regime hat seine Undankbarkeit erneut gegen jene Staaten unter Beweis gestellt und wieder dumm gehandelt statt die nationalen Interessen in den Vordergrund zu stellen. Wir, die Stammesführer des Irak, verkünden hiermit, dass wir den Beschluss des irakischen Parlaments, der gegen die Türkei, die die Iraker immer menschlich und militärisch unterstützt hat, beschlossen wurde, nicht anerkennen. Andere Staaten entsenden Milizen und Bomben in den Irak, doch die Türkei ergreift Partei für das irakische Volk und gegen den Terrorismus. Während die Einmischung anderer Staaten in die Angelegenheiten des Irak die Regierung in Bagdad nicht stört, behandelt die Regierung ausgerechnet die Türkei wie eien Feind.“

Die kurdische Autonomieregierung im Nordirak (KRG) hatte am Samstag in einer Mitteilung des KRG-Chefs Masud Barazni dagegen verkündet, dass die „Zeit für die Befreiung Mossuls“ gekommen sei.

Russland mahnte den Westen, die Operationen so durchzuführen, dass die Zivilbevölkerung nicht zu sehr in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Aktionen der USA und Frankreichs im irakischen Mossul sollten sehr sorgfältig ausgeführt werden, um die Todesopfer unter der Zivilbevölkerung zu minimieren, sagte der russische Präsident Wladimir Putin am Sonntag.

„Wir hoffen, dass unsere amerikanischen Partner und in diesem Fall französischen Partner selektiv handeln werden und alles tun werden, um die Opfer unter den Zivilisten zu minimieren und noch besser zu verhindern. Natürlich wollen wir über diese Frage keine Hysterie auslösen, wie unsere Partner im Westen dies tun. Wir verstehen, dass es notwendig ist, gegen den Terrorismus vorzugehen und es keinen anderen Weg als den aktiven Kampf gibt (…) Die Parallele zwischen Aleppo und Mossul ist offensichtlich (…) Natürlich können wir jetzt unsere Partner in Bezug auf Mossul darauf hinweisen, dass viele Zivilisten dort leben - Hunderttausende von Menschen - und die Anwendung von Luftschlägen und Artillerie sehr gefährlich im Hinblick auf mögliche Opfer ist“, zitiert die Tass Putin.

Es ist unklar, wieviele IS-Söldner sich noch in Mossul befinden. Die Regierung in Bagdad hat den Großangriff seit Wochen angekündigt. Es ist denkbar, dass die Söldner ihre Aktivitäten in andere Regionen verlagert haben, etwa nach Aleppo, wo vor allem die al-Nusra-Front nicht bereit ist, den Kampf zu beenden.

Bei einem Selbstmordattentat auf ein Flüchtlingslager an der syrisch-jordanischen Grenze sind nach Angaben von Rebellen drei Menschen getötet worden. Mindestens 20 Personen seien verletzt worden, sagte ein Sprecher einer Fraktion der Freien Syrischen Armee am Sonntag. Der Anschlag habe sich an einem Kontrollposten in der Nähe des Lager Rakban ereignet. Bei dem Attentäter handele es wahrscheinlich um einen Kämpfer der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS). In dem Flüchtlingslager leben zurzeit mehr als 75.000 Menschen, die vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen sind.

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