Klimaschutz: Forscher fordern hohe Steuern auf Fleisch und Milch

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
Klima  
 
Lesezeit: 2 min
19.11.2016 00:52
Wissenschaftler der Oxford-Universität glauben, dass die Pariser Klimaschutzziele von 2015 nur mit Hilfe einer kräftigen Klimasteuer für bestimmte Lebensmittel umgesetzt werden können.
Klimaschutz: Forscher fordern hohe Steuern auf Fleisch und Milch

Mehr zum Thema:  
Klima >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Klima  

Das Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 hat festgelegt: Die Erderwärmung soll auf „deutlich unter 2 Grad“ begrenzt werden. Dass dies umsetzbar ist, wird von Wissenschaftlern der Oxford-Universität bezweifelt. Ihrer Ansicht nach gelingt das nur mit einer stärkeren Besteuerung von Rindfleisch und Milch.

„Wir raten politischen Entscheidungsträgern ernsthaft, über die Einführung einer Klimasteuer für Lebensmittel nachzudenken“, zitiert der Standard Dr. Marco Springmann, Leiter eines Forscher-Teams an der Oxford-Universität. Dieses argumentiert, dass gut ein Viertel der Treibhausgasemissionen durch die Nahrungsmittelproduktion entstehe. Der Großteil davon werde durch die Nutztierhaltung verursacht. Um den Ausstoß schädlicher Treibhausgase deutlich zu reduzieren, haben sie verschiedene Varianten der Besteuerung in einer erstmals weltweit erhobenen Studie durchgerechnet.

Das Ergebnis ihrer Überlegungen haben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Nature Climate Change“ veröffentlicht. Ihre These: Es sind durchschnittliche Preisaufschläge von 40 Prozent auf Rindfleisch und 20 Prozent auf Milchprodukte nötig, um die Schäden des Klimawandels zu reduzieren. Ihre Prognose: Beim Fleisch könnte eine solche Besteuerung einen weltweiten Rückgang des Konsums von 13 Prozent bewirken. Im Fall der Milch könnte der Konsum um acht Prozent sinken. Der Effekt: Bis zum Jahr 2020 könnten die CO2-Emissionen um eine Milliarde Tonnen pro Jahr reduziert werden. Das entspräche der gesamten globalen Luftfahrtindustrie pro Jahr so Springmann.

Die Idee einer so genannten „Fleischsteuer“ ist nicht neu. Ihre Wirkung ist jedoch umstritten. Die daraus folgenden höheren Preise könnten zwar die Nachfrage abschwächen. Verbesserungen in der Intensivtierhaltung sind aber fraglich. Ein Nebeneffekt könnte außerdem mehr soziale Ungleichheit sein. Die Oxford-Wissenschaftler haben bei ihren Überlegungen für jeden Typ von Lebensmittel und in jeder Region der Welt unterschieden. Errechnet wurden die jeweils notwendigen Steuern, um die Schäden durch die Produktion zu minimieren. Gleichzeitig sollte keine Schlechterstellung der ärmeren Bevölkerung verursacht werden. So beinhalte die optimale Mixtur für eine gesunde Ernährung „auch Subventionen für gesunde Lebensmittel wie Obst und Gemüse und Zahlungen an wirtschaftlich schwächere Menschen, um die Preiserhöhungen auszugleichen“, so Springmann.

Die zuständigen Wissenschaftler gehören dem „Oxford Martin Programme on the Future of Food“ an der Universität Oxford an. Das interdisziplinäre Forschungsinstitut wurde 2005 gegründet. Direktor ist der deutsch-brasilianische Politiker Achim Steiner. Er war bis zum Sommer 2016 Chef des UN-Umweltprogramms (UNEP). Seit Oktober dieses Jahres ist er zudem Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung.

Durchgeführt wurde die Studie in Kooperation mit dem Internationalen Forschungsinstitut zur Nahrungsmittelpolitik in Washington D.C. Die 1975 Einrichtung entwickelt strategische Lösungsansätze, um die Armut in Entwicklungsländern zu reduzieren. Schwerpunkte sind daneben die Verbesserung von Ernährung und Gesundheit der Weltbevölkerung sowie ein umweltverträgliches, landwirtschaftliches Wachstum. Das Institut wird vor allem durch öffentliche Gelder und private Stiftungen finanziert. Es gehört zu den 15 internationalen Forschungseinrichtungen, die von der Beratungsgruppe für Internationale Agrarforschung (CGIAR) unterstützt werden.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  
Klima >

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektromobilität: In jedem Wandel stecken Chancen

Emissionen verringern, Kosten sparen und Imagegewinne erzielen – die Gründe für Unternehmen, in der Flotte auf Fahrzeuge mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Europas Großbanken bereiten sich auf Welle von Fusionen vor

Europas Finanzbranche steht vor einer Welle von Fusionen und Übernahmen. Die Zusammenschlüsse sind Insidern zufolge unvermeidlich. So...

DWN
Deutschland
Deutschland Drosten erhält Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeichnet 15 Bürger mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland aus, darunter der...

DWN
Politik
Politik Pharmakonzerne werden in der EU von Haftung bei Corona-Impfstoff freigestellt

Pharmakonzerne werden bei unerwarteten Nebenwirkungen ihrer Corona-Impfstoffe von der EU in Schutz genommen. Die Mitgliedsstaaten sollen...

DWN
Deutschland
Deutschland Insider erwarten im Herbst massenhaft Pleiten kleiner Firmen

Nach Ansicht von Sanierungsexperten wird es bereits im Herbst massenhaft Pleiten kleiner Firmen geben. Viele Firmen können die...

DWN
Deutschland
Deutschland DIHK lobt Gesetzentwurf zu Firmensanierung ohne Insolvenzverfahren

Nach dem Referentenentwurf, den Ministerin Christine Lambrecht vorgelegt hat, sollen Unternehmen ihr Sanierungskonzept auch außerhalb...

DWN
Politik
Politik Italiener stimmen für drastische Verkleinerung ihres Parlaments

Die Italiener haben sich am Montag für eine deutliche Verkleinerung des Parlaments ausgesprochen. In Deutschland stoßen entsprechende...

DWN
Politik
Politik Julian Assange könnte bald Selbstmord begehen

Nach Angaben eines britischen Top-Psychiaters ist Julian Assange akut suizidgefährdet. Er könnte bald Selbstmord begehen.

DWN
Politik
Politik Russisch-amerikanischer Journalist Andre Vltchek stirbt in Istanbul

In Istanbul ist der russisch-amerikanische Journalist Andre Vltchek in einem Mietwagen ums Leben gekommen. Er wurde von seiner Ehefrau und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Filigrane Roboterhände aus Deutschland erobern den Weltmarkt

Heimlich, still und leise entwickelt sich eine Spezies von Robotern, die besondere Fähigkeiten hat - beispielsweise wie Menschenhände...

DWN
Politik
Politik Kampf ums Öl in Ost-Syrien: USA und Russland bringen schwere Bodenwaffen in Stellung

Die USA verstärken ihr Truppenaufgebot im Osten Syriens, um die Ölfelder unter Kontrolle zu bekommen. Währenddessen buhlen die Russen um...

DWN
Politik
Politik Italiener verpassen ihren Politikern eine schallende Ohrfeige

Nach den Regionalwahlen in Italien sehen sich alle Parteien als Sieger. Doch das Gegenteil ist der Fall. Denn bei einem zugleich...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutsche Bank schließt jede fünfte Filiale, bietet Alternativen

Mit der Schließung von mehr als hundert Filialen ist nach Angaben der Deutschen Bank auch ein Stellenabbau verbunden. Künftig werde sich...

DWN
Politik
Politik Der nächste Bundeskanzler könnte Jens Spahn heißen

Friedrich Merz hat mit seinen seltsamen Aussagen über Homosexuelle dafür gesorgt, dass der umstrittene Bundesgesundheitsminister...

DWN
Politik
Politik Türkei verklagt griechische Zeitung wegen Anti-Erdoğan-Titel

Die Türkei hat rechtliche Schritte gegen eine griechische Zeitung wegen einer gegen Präsident Recep Tayyip Erdoğan gerichteten...

celtra_fin_Interscroller