Finanzen

Hamburg Süd wird von Maersk übernommen

Lesezeit: 2 min
02.12.2016 10:25
Die Großreederei Maersk übernimmt die zweitgrößte deutsche Reederei Hamburg Süd. Der Containerhandel steckt in einer tiefen Krise.
Hamburg Süd wird von Maersk übernommen

Hamburg Süd wird wegen der andauernden Flaute in der Container-Schifffahrt vom Oetker-Konzern an den dänischen Konkurrenten Maersk verkauft, berichtet die dpa. Das teilten beide Unternehmen am Donnerstag mit. Oetker verliert damit rund die Hälfte seines Umsatzes von rund 12 Milliarden Euro.

Details zum geplanten Geschäft nannten die Firmen nicht. Bislang sei ein Vorvertrag unterzeichnet worden. Wenn die Kartellbehörden zustimmen, soll der Verkauf bis Ende 2017 umgesetzt werden.

Die Belegschaft von Hamburg Süd wurde am Donnerstag von der Geschäftsführung über die Pläne informiert. A.P. Møller-Maersk wolle die Marke Hamburg Süd erhalten, weil sie einen "sehr persönlichen Touch" habe, berichtete eine Sprecherin von Hamburg Süd.

Sie verwies darauf, dass Maersk die Mitarbeiter mit „all ihren Rechten und Pflichten aus ihren Verträgen“ übernehmen werde. Hamburg Süd beschäftigt weltweit rund 6000 Mitarbeiter. Für das Unternehmen fahren 189 Schiffe, davon 48 eigene. Die Flottenkapazität liegt bei 625 000 TEU (Standardcontainern). Nach Angaben von Dr. Oetker zählt Hamburg Süd damit zu den zehn größten Container-Reedereien der Welt.

Maersk-Chef Søren Skou nannte Hamburg Süd im Handelsblatt ein „gut geführtes Unternehmen mit starker Marke“. Vor allem in Ozeanien und Lateinamerika sei die Reederei stark. Die Zentrale werde in Hamburg bleiben - eine Garantie für die Arbeitsplätze könne er allerdings nicht abgeben. „Klar ist aber: Einsparungen in der Zentrale und in der Verwaltung sind nicht die Treiber dieser Akquisition.“

Nach Gesprächen mit mehreren Interessenten habe sich Dr. Oetker für den Verkauf an den Marktführer aus Dänemark entschieden, hieß es in einer Mitteilung der Bielefelder. Zum Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte ein Oetker-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Dänische Banken gehen von einer Summe zwischen zwei und vier Milliarden Dollar (1,8 bis 3,7 Milliarden Euro) aus.

2015 hatte der Oetker-Konzern 12,2 Milliarden Euro umgesetzt. Hamburg Süd steuerte rund die Hälfte der Erlöse bei, die Nahrungsmittelsparte mit Tiefkühlpizzen, Backmischungen und Puddingpulver erzielte im vergangenen Jahr knapp ein Viertel des Konzernumsatzes.

Zu den Gründen des Verkaufs verwies das Oetker-Management auf den seit Jahren laufenden Konsolidierungsprozess in der Branche. Die Reedereien suchen ihr Heil in Zusammenschlüssen. Seit rund acht Jahren hat die Branche mit Überkapazitäten auf den Weltmeeren zu kämpfen. Um mithalten zu können, so Dr. Oetker laut Mitteilung, sei ein höherer Kapitalbedarf notwendig. Man hätte also viel zusätzliches Geld in die Hand nehmen müssen - Erfolg ungewiss.

Der geplante Verkauf zeigt nach Ansicht des Verbands der Deutschen Reeder, dass der Standortwettbewerb noch härter wird. „Die durch die langjährige Schifffahrtskrise ausgelöste Konsolidierung und Internationalisierung der Branche ist in vollem Gange“, sagte Ralf Nagel, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied, in Hamburg.

„Neue Kapitalgeber - vor allem aus Europa, den USA und China - vergleichen Standorte weltweit.“ Gebraucht würden zusätzliche gemeinsame Anstrengungen aus Politik und Wirtschaft, um Deutschland als Schifffahrts-Standort dauerhaft im Spitzenfeld zu halten

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektromobilität: In jedem Wandel stecken Chancen

Emissionen verringern, Kosten sparen und Imagegewinne erzielen – die Gründe für Unternehmen, in der Flotte auf Fahrzeuge mit...

DWN
Deutschland
Deutschland Bund und Länder verhängen massive neue Corona-Einschränkungen

Bund und Länder haben sich bei ihrem Corona-Krisengespräch am Mittwoch auf vorübergehende massive Beschränkungen des öffentlichen...

DWN
Deutschland
Deutschland Psychotherapeuten-Vereinigung: "Die Bundesregierung muss umfangreich und differenziert aufklären und die Menschen beteiligen"

Die ständig schlechten Nachrichten sind eine massive Bedrohung für die psychische Gesundheit. Der Bundesvorsitzende der Deutschen...

DWN
Deutschland
Deutschland Risiko einer zweiten Rezession in Deutschland steigt

Ökonomen schließen wegen der stark steigenden Corona-Positivtests und wegen der drohenden Gegenmaßnahmen einen Rückfall der deutschen...

DWN
Deutschland
Deutschland So verrückt sind manche Corona-Regelungen in Deutschland

Karneval ohne Schunkeln, Fußball ohne Fangesänge, Sex nur mit einem Partner: Eine Auswahl von interessanten Corona-Regelungen in den 16...

DWN
Finanzen
Finanzen Ende des Börsenbooms? Was der drohende Lockdown für Anleger bedeutet

Freitag letzter Woche veröffentlichten wir einen Artikel von Andreas Kubin. Angesichts der Ereignisse, die in den vergangenen drei Tagen...

DWN
Deutschland
Deutschland Ärzte-Verbände fordern Strategiewechsel in Corona-Politik

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und Dutzende weitere Mediziner-Fachverbände fordern von Bund und Ländern einen Strategiewechsel in...

DWN
Deutschland
Deutschland Labor liefert reihenweise falsch positive Corona-Ergebnisse

Täglich werden in den deutschen Laboratorien abertausende Corona-Tests ausgewertet. Mitunter wird den Patienten ein falsch positives...

DWN
Politik
Politik Will die italienische Regierung das Militär gegen Anti-Corona-Demonstranten einsetzen?

In Italien droht offenbar ein Einsatz des Militärs im Inland, um die Anti-Corona-Proteste einzudämmen. Ein renommierter...

DWN
Deutschland
Deutschland Einzelhandel fürchtet Einbruch bei wichtigem Weihnachtsgeschäft

Wegen des drohenden zweiten Lockdowns droht den deutschen Einzelhändlern nach einem schlechten Jahr nun auch ein schlechtes...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Londoner Airport Heathrow verliert europäischen Spitzenplatz

Die Corona-Pandemie kostet den Londoner Flughafen seinen europäischen Spitzenplatz. Das Management kürzte für das kommende Jahr seine...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Krisen-Profiteur Delivery Hero liefert jetzt mehr als nur Essen

Nachdem der Essenslieferdienst seinen Umsatz im dritten Quartal verdoppeln konnte, will er nun weitere Märkte erschließen. An der Börse...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin klettert auf höchsten Stand seit Anfang 2018

Die starken Kursgewinne des Bitcoin setzen sich fort. Erreicht die größte Kryptowährung noch vor Weihnachten ein neues Allzeithoch?

DWN
Marktbericht
Marktbericht Steigende Infektionszahlen drücken Dax unter psychologisch wichtige Marke von 12.000 Punkten

Die deutschen Börsen werden weiter von der Pandemie belastet. Da konnten auch positive Nachrichten der Deutschen Bank nur wenig helfen,...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutsche Exporteure fürchten verstärkte Corona-Maßnahmen

Die deutschen Exporteure blicken mit Sorge in die Zukunft, wie das Ifo-Institut am Dienstag mitteilte. Denn wichtige Handelspartner drohen...