Politik

Spanien zieht EU über den Tisch und braucht nicht zu sparen

Lesezeit: 1 min
29.01.2013 12:18
Trotz der dramatischen Jugendarbeitslosigkeit von 55 Prozent will Spanien keinen Bailout. Die EU ist eingeknickt und gewährt den Spaniern mehr Zeit. Damit ist klar: Die spanischen Banken werden dem Staat mehr Geld borgen, das Risiko wandert an die EZB.
Spanien zieht EU über den Tisch und braucht nicht zu sparen

Benachrichtigung über neue Artikel:  

EU-Währungskommissar Rehn hat angedeutet, das Sparziel für Spanien aufweichen zu wollen. Die Wirtschaft liegt am Boden, die Arbeitslosigkeit ist auf Rekordhoch. Die EU kehrt damit wieder mal ihrer Sparpolitik als oberste Priorität den Rücken zu.

Einen genauen Zeitplan, wann die Konsolidierung des spanischen Haushaltes fortgesetzt werden soll, hat die EU jedoch noch nicht. Sie wolle im Falle Spaniens jedoch mit einer angemessenen Geschwindigkeit voranschreiten, sagte Rehn einem Bericht von Bloomberg zufolge: „Wenn die Wirtschaft sich deutlich verschlechtert, dann können wir eine Verlängerung des Korrekturplans für Spanien beschließen“, so Rehn weiter.

Die Sparpolitik der EU hat in Spanien im letzten Jahr 850.000 Jobs vernichtet und die Binnennachfrage lahmgelegt. Das Bruttosozialprodukt fiel im letzten Quartal 2012 doppelt so schnell wie im Quartal zuvor. Wie lange die Talfahrt andauert, ist noch nicht abzusehen. Die Kosten für die Arbeitslosen- und Rentenzahlungen explodieren in Spanien.

Das Land ist praktisch pleite und kann sich nur zu sehr schlechten Bedingungen noch Geld auf den Finanzmärkten leihen. Durch die Ankündigung Rehns gewinnt Spanien zwar mehr Zeit. Allerdings hat es gar nicht mehr die nötigen Mittel, sich selbst aus der Krise zu befreifen.

Ministerpräsident Rajoy weigert sich trotz allem, einen Bailout durch die EU in Anspruch zu nehmen. Die Situation könnte sich verschlechtern. Das verlagert das Risiko auf die EZB: Dessen Chef Mario Draghi hat nämlich angekündigt, notfalls in unbegrenztem Ausmaß Staatsanleihen ankaufen zu wollen, um das System intakt zu halten.

Angesichts einer drohenden Staatspleite Spaniens soll der Reformdruck durch die EU hochgehalten werden: „Die Arbeitsmarktreformen sind entscheidend“, sagte Rehn, Unternehmern müsse es leichter gemacht werden, ein Geschäft zu eröffnen und wettbewerbsfähig zu sein. Nur fehlen bislang die günstigen Kredite, um so eine Gründerwelle überhaupt ermöglichen zu können

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..



DWN
Deutschland
Deutschland Lauterbach fordert Beibehaltung der Maskenpflicht, bis 70 Prozent geimpft sind

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist laut Robert-Koch-Institut auf 16,6 gefallen. Dennoch will die Politik an der Maskenpflicht festhalten. Vor...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Deutsche Bank warnt vor explodierender Inflation - "Weltwirtschaft sitzt auf einer Zeitbombe"

Der globale Chef-Ökonom der Deutschen Bank sieht den Anbruch einer gefährlichen neuen Phase der Wirtschaftspolitik gekommen, da die...

DWN
Politik
Politik Politischer Paukenschlag: Schweizer lehnen Klima-Sondersteuern in Volksabstimmung ab

Das Schweizer Volk lehnt die Einführung von Klima-Sondersteuern ab. Das dreifache Nein in drei Volksabstimmungen gilt als massiver...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutschland braucht mehr Strom als berechnet – was bedeutet das?

Bei den bisherigen Annahmen, wie viel Strom das Land braucht, liegt man ordentlich daneben. Doch wie soll der erhöhte Strombedarf gedeckt...

DWN
Deutschland
Deutschland Spielerberater Hebel: Englische Clubs Profiteure der Pandemie

Für Spielerberater Dirk Hebel sind die englischen Fußball-Clubs die Profiteure der Corona-Pandemie.

DWN
Finanzen
Finanzen Bernegger analysiert: Die Inflation ist da - und sie wird schlimmer werden, Teil 2

DWN-Kolumnist Michael Bernegger zeigt auf, wie sich die Inflation entwickeln wird.

DWN
Politik
Politik Netanjahu gestürzt: Ultrarechter Bennett wird neuer Ministerpräsident

Der Druck auf die neue Koalition in Israel war enorm - nun hat das Parlament einem bemerkenswerten Bündnis verschiedener Parteien das...

DWN
Deutschland
Deutschland Spielerberater: „Auch die Vereine profitieren von uns“

Spielerberater haben generell nicht den besten Ruf. Zu Unrecht, findet Thies Bliemeister. Im Interview mit den DWN erläutert der Inhaber...