Finanzen

US-Hacker hacken Emails aus Draghis Vergangenheit

Lesezeit: 2 min
10.01.2017 17:40
Zwei Hacker haben die E-Mail-Konten von EZB-Chef Mario geknackt. Die Daten wurden auf einem Server in den USA gespeichert. Der Hack ist interessant, weil die Emails aus der Zeit von Draghis Tätigkeit für die Banca d'Italia stammen.
US-Hacker hacken Emails aus Draghis Vergangenheit

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Hacker sind offenbar in die E-Mail-Konten von EZB-Chef Mario Draghi und des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi eingedrungen. Etwa 99 Prozent der gestohlenen Daten wurden nach Polizeiangaben in den USA gespeichert. Das FBI stellte auf Ersuchen eines römischen Gerichts die Server sicher.

Zu den gehackten Konten zählen nach Polizeiangaben Renzis Mail-Adresse während seiner Zeit als Regierungschef von Italien sowie Draghis bei der Bank von Italien, die er vor seinem Wechsel an die EZB-Spitze leitete.

Dies ist besonders interessant, weil in dieser Zeit die Genehmigung des umstrittenen Kaufs der Antonveneta durch die Monte dei Paschi stammt - ein überteuerter Kauf, den Draghi in seiner Zeit bei der Banca d'Italia genehmigt hatte. Der Kauf markierte den Beginn des wirtschaftlichen Verfalls der MPS, die Hintergründe sind nicht geklärt (dazu mehr in einem Interview mit einem der betroffenen Anwälte, der wichtige Dokumente gefunden hat).

Es ist unklar, wer hinter dem Hack steht. Es ist unwahrscheinlich, dass die Attacke durch russische Hacker erfolgt ist. Bisher waren für alle Hacks in der Regel die Russen verantwortlich gemacht worden, in der Regel ohne jedwede Beweise. Es wäre aber denkbar, dass die US-Geheimdienste zu dem Ergebnis kommen, dass auch hinter diesem Hack die Russen stecken - und dass sie die Emails gezielt in den USA gelagert haben, um die US-Regierung in Misskredit zu bringen. Einer ähnliche Logik war bereits der jüngste Geheimdienstbericht gefolgt: Hier wurde behauptet, dass die Tatsache, dass sich der russische Präsident Putin besonders verdächtigt gemacht hätte, weil er nie explizit Partei für Donald Trump ergriffen hatte.

Die italienische Polizei nahm nach eigenen Angaben am Dienstag zwei Geschwister unter dem Verdacht fest, sich in weitere Tausend Konten gehackt zu haben. Einem 45-jährigen gelernten Atomtechniker und seiner 48-jährigen Schwester wird Diebstahl von Staatsgeheimnissen und illegales Hacken vorgeworfen. Wie sie die gewonnenen Informationen im Einzelnen nutzten, wird laut Polizeiangaben derzeit geprüft. Die Ermittlungen leitete eine auf Cyber-Verbrechen spezialisierte Einheit.

Die angegriffenen E-Mail-Konten gehörten auch Geschäftsleuten und Kardinälen im Vatikan, sagte der Ermittler Roberto Di Legami der Nachrichtenagentur Reuters. Wie aus dem sichergestellten Material hervorgehe, könnten sich die Hacker Zugriff auf 18.000 E-Mail-Konten verschafft haben. Rund 2000 Passwörter seien geknackt worden. Laut Di Legami wurden die gehackten E-Mails wahrscheinlich von dem 45-Jährigen in der von ihm geleiteten Investmentfirma Westland Securities genutzt. Der Hacker dürfte die verwendete Schadsoftware selbst entwickelt haben. Es gebe auch Hinweise darauf, dass er einen "Keylogger" auf einigen Computern installieren konnte. Mit einer solchen Software lassen sich alle Eingaben auf der Tastatur eines infizierten Computers überwachen.

Draghis Mail-Konto bei der Europäischen Zentralbank wurde im Haftbefehl hingegen nicht als Ziel genannt. Zu den Opfern des Hackerangiffs zählten auch der ehemalige Direktor der Bank von Italien, Fabrizio Saccomanni, der Kulturminister des Vatikans, Kardinal Gianfranco Ravasi, sowie mit Mario Monti ein weiterer Ex-Regierungschef.

Die EZB und die Bank von Italien lehnten eine Stellungnahme ab. Sprecher von Renzi sowie Kardinal Ravasi waren zunächst nicht erreichbar.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Politik
Politik Große Depression steht der Welt noch bevor – Kursfeuerwerk an den Börsen ist eine Illusion

Dem US-Analysten James Rickards zufolge ist das Schlimmste im Verlauf der Corona-Krise noch nicht überstanden. Die Welt geht einer Großen...

DWN
Finanzen
Finanzen Anders als die EZB: Ungarn könnte als erstes EU-Land die Zinsen anheben

Ungarns Notenbank wird im Kampf gegen eine steigende Inflation möglicherweise schon im Juni die Zinsen anheben. Das Land gehört nicht zur...

DWN
Finanzen
Finanzen Inflations-Angst: Bitcoin und Gold existieren außerhalb des Fiat-Geldsystems

Bitcoin und Gold werden von Investoren geschätzt, weil sie neben dem Fiat-Geldsystem als dezentrale Eigentumsformen bestehen können. Doch...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Konkurrent Ethereum setzt seinen Höhenflug fort

Ethereum eilt von Allzeithoch zu Allzeithoch. Damit entkoppelte sich die Währung in den letzten Wochen vom restlichen Kryptomarkt, der...

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche zahlen weltweit höchste Steuern und Abgaben: Nun wollen Baerbock und Scholz eine Vermögenssteuer einführen

Nirgendwo auf der Welt ist die Steuer- und Abgabenlast so hoch wie in Deutschland. Grüne, SPD und Linke wollen jetzt noch eine...

DWN
Deutschland
Deutschland In diesen Städten gibt es das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für Eigentumswohnungen

Dortmund bietet einer Studie zufolge das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für Eigentumswohnungen.

DWN
Politik
Politik Laschet gegen Judenhass: Alle deutschen Staatsbürger müssen Staatsräson zum Schutz Israels teilen

Deutliche Worte des CDU-Chefs Armin Laschet gegen Judenhass. Die deutsche Staatsräson zum Schutz Israels erstreckt sich nach seinen Worten...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Baubranche leidet unter erheblichem Materialmangel

Die deutsche Baubranche leidet derzeit unter einem erheblichen Mangel an Grundstoffen und Vorprodukten.