Politik

Banken melden hohe Bargeld-Abhebungen in Griechenland

Lesezeit: 2 min
25.03.2017 14:35
In Griechenland läuft offenbar ein stiller Bank-Run. Banken registrieren eine hohe Nachfrage nach Bargeld-Abhebungen. Die griechische Zentralbank musste bereits höhere Liquiditätshilfen gewähren.
Banken melden hohe Bargeld-Abhebungen in Griechenland

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
EU  
Bargeld  
Griechenland  
Euro  
Europa  

In Griechenland läuft derzeit offenbar ein stiller Bank-Run. Die Banken des Landes registrieren seit Tagen eine ungewöhnlich hohe Nachfrage nach Bargeld, berichtet die griechische Zeitung Kathimerini. Zudem seien Geldüberweisungen auf Konten im Ausland zu beobachten.

Die griechische Zentralbank ist deswegen gezwungen, zum ersten Mal seit Sommer 2015 die Obergrenzen von Notfallkrediten (Emergency Liquidity Assistance – ELA) um etwa 400 Millionen Euro auf jetzt 46,6 Milliarden Euro anzuheben. Als Grund für die Entscheidung gab die Zentralbank „aktuelle Entwicklungen bezüglich der Liquidität griechischer Banken und insbesondere Transaktionen bei Sparkonten im Privatsektor“ an.

Bei den ELA-Krediten handelt es sich um Notkredite, welche die Zentralbank eines Landes in Stressphasen den Kreditinstitute des jeweiligen Landes gegen Sicherheiten gewähren kann. Die Zentralbank trägt das Risiko der Operation. Die Geschäftsbanken müssen Zinsen auf die Kredite zahlen, welche nach Ansicht von Beobachtern etwa 1 bis 1,5 Prozentpunkte über den Leitzinsen der Europäischen Zentralbank liegen.

Noch im Juli 2015 lag die ELA-Obergrenze deutlich über der Marke von 80 Milliarden Euro. Auf dem Höhepunkt der damaligen Unsicherheit nahmen griechische Banken ELA-Kredite im Gesamtumfang von 86,77 Milliarden Euro entgegen. Nach Bekanntgabe des dritten Kreditprogramms für Griechenland kehrte wieder Ruhe im griechischen Bankensystem ein und die Notenbank konnte die Obergrenze in der Folgezeit schrittweise senken. Im Jahr 2016 verzeichnete das griechische Finanzsystem wieder mehr Zuflüsse als Abflüsse. Jetzt müssen wieder mehr Kredite gewährt werden, weil die Unsicherheit in der Bevölkerung vor dem Hintergrund der Streitereien um die Auszahlung neuer Kredittranchen zwischen der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zu eskalieren drohen.

„Die Abflüsse des laufenden Jahres bis zum vergangenen Donnerstag beliefen sich auf 3,6 Milliarden Euro, sagte ein Insider. Diese Abflüsse verweisen auf eine abnehmende Reserve an Banknoten, weil die Bürger nicht nur Steuern zahlen und auf einen Abfluss auf Konten ausländischer Banken, sagte die Person“, zitiert Bloomberg eine Quelle.

Die europäischen Kapitalgeber drängen Griechenland zu weiteren Sparmaßnahmen, bevor frische Kredite aus dem 2015 beschlossenen Hilfsprogramm von bis zu 86 Milliarden Euro gewährt werden. Verhandelt wurde bisher in Athen. Unter anderem geht es um die Senkung von Steuerfreibeträgen sowie um weitere Einschnitte bei Rente, Arbeits- und Streikrecht, berichtet die dpa. Wirklich dringend benötigt wird die nächste Kredit-Rate wohl erst im Juli, wenn Griechenland mehr als sieben Milliarden Euro alter Schulden zurückzahlen muss.

Nicht nur zwischen der EU-Kommission, der EZB und dem IWF auf der einen und Griechenland auf der anderen Seite herrschen Auseinandersetzungen. Auch die Geldgeber sind zerstritten. Für die EU-Kommission und speziell Deutschland ist eine Beteiligung des IWF an der nächsten Kredittranche zwingend erforderlich. Dieser verlangt jedoch einen Schuldenschnitt für Griechenland – was die EU ablehnt.

Ministerpräsident Alexis Tsipras reiste am Samstag nach Rom zu einer Veranstaltung in Erinnerung an die Römischen Verträge. In einer Erklärung zum 60. Jahrestag der Verträge hieß es am Samstag laut Reuters, nicht alle Länder müssten dabei sofort alle Schritte einer vertieften Zusammenarbeit mitgehen. Kanzlerin Angela Merkel betonte am Rande der Feiern in der italienischen Hauptstadt: "Das Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten bedeutet keineswegs, dass es nicht ein gemeinsames Europa ist. Wir wollen in die gemeinsame Richtung." Polen als auch Griechenland waren eigentlich gegen diesen Ansatz, gaben aber zuletzt ihren Widerstand gegen die Erklärung auf, weil die Erklärung sehr allgemein und ohne rechtliche Bindung ist.

Merkel sagte, die Erklärung sei ein Arbeitsauftrag für die Entwicklung der EU in den kommenden zehn Jahren. EU-Präsident Jean-Claude Juncker sprach von einer Aufbruchstimmung.

EU-Präsident Donald Tusk erklärte: "Europa wird als politische Einheit entweder vereint sein, oder es wird überhaupt nicht sein." Nur eine vereinte EU habe die Chance, in der Welt gehört zu werden. "Die Einheit Europas ist kein bürokratisches Modell. Es ist ein Bündel gemeinsamer Werte und demokratischer Standards."

Der italienische Ministerpräsident Paolo Gentiloni sagte, die EU dürfe nicht nur als Wirtschafts- und Finanzprojekt empfunden werden.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Weniger Administration, mehr Innovation: Digitale bAV-Verwaltung schafft Raum für Neues

Was macht einen Arbeitsplatz attraktiver als andere. Sicherlich mehr als nur das monatliche Gehalt. Langfristiges Denken kann sich für...

DWN
Politik
Politik EU-Haushalt: Prüfer bemängeln Unregelmäßigkeiten in Milliardenhöhe

Aus dem EU-Haushalt fließen jährlich riesige Summen in Bereiche wie Landwirtschaft und Forschung. Bei den Zahlungen kommt es aus Sicht...

DWN
Deutschland
Deutschland Globale Konflikte gefährden Geschäftsmodell des deutschen Maschinenbaus

Viele deutsche Maschinen- und Anlagenbauer werden noch dieses Jahr wieder das Vorkrisenniveau erreichen. Sie sorgen sich jedoch im Hinblick...

DWN
Politik
Politik „Boston Globe“: Aufschrei bei Impfpflicht für Kinder wird riesig

„So laut der Aufschrei über (Impf-)Pflichten für Erwachsene auch gewesen ist, der Aufruhr über (solche) Pflichten für Kinder wird...

DWN
Finanzen
Finanzen Der neue Bitcoin-ETF ist eine Falle – wie einst der erste Gold-ETF

Der erste Bitcoin-ETF hat den Handel aufgenommen. Doch der Goldexperte Tom Luongo warnt Anleger. Denn er kennt diese Falle aus dem...

DWN
Finanzen
Finanzen Insider: Goldpreis wird in wenigen Monaten auf 3000 Dollar ansteigen

Zwei Insider im Goldmarkt erwarten, dass der Goldpreis innerhalb weniger Monate auf 3000 Dollar ansteigt. Der Anstieg werde plötzlich und...

DWN
Deutschland
Deutschland Politik und Verbände machen Druck für Booster-Impfungen

Schon mehr 1,6 Millionen Deutsche haben die dritte Corona-Spritze - den sogenannten Booster - erhalten. Doch vor dem Hintergrund steigender...

DWN
Finanzen
Finanzen Geld-Bazooka der Notenbanken ist am Ende: Börsen werden crashen, doch Panikverkäufe wären falsch

Der herrschenden Analysten-Meinung zufolge werden die Börsen aufgrund von längst überfälligen Korrekturen crashen. Doch sie raten von...

DWN
Finanzen
Finanzen Ein Ende des Geld-Regens ist nicht in Sicht: Die Inflationierung der Börsen geht munter weiter

Wie lange spielen die Finanz-Orchester von Fed und EZB in ihrer jetzigen Form noch weiter? Das fragt DWN-Finanzexperte Andreas Kubin und...