Politik

Washington: Erdogans Bodyguards greifen Demonstranten an

Lesezeit: 2 min
17.05.2017 22:54
Leibwächter des türkischen Präsidenten Erdogan haben in Washington Demonstranten angegriffen.
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Das US-Außenministerium hat die Angriffe von mutmaßlichen Sicherheitsleuten des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auf Demonstranten in Washington scharf verurteilt. "Wir unterstützen das Recht der Menschen auf Meinungsfreiheit und friedlichen Protest", mit Gewalt darauf zu reagieren, sei "niemals angebracht", sagte Sprecherin Heather Nauert am Mittwoch. Zuvor war bekannt geworden, dass Erdogans Leibwächter an Prügeleien zwischen dessen Anhängern und Gegnern beteiligt waren.

Zeugenberichten zufolge griffen Erdogans Sicherheitsleute am Dienstag vor der Residenz des türkischen Botschafters in Washington Demonstranten an, die Fahnen der syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) trugen. Die Voice of America zeigte in einem Video die Zusammenstöße.

Die Zusammenstöße ereigneten sich nach einem mit Spannung erwarteten ersten Treffen Erdogans mit US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus. Anschließend fuhr Erdogan zur Residenz des türkischen Botschafters, wo sich anlässlich des Besuchs Anhänger wie Gegner versammelt hatten.

Medienberichten zufolge kam es dabei zu Auseinandersetzungen zwischen Erdogan-Fans auf der einen und kurdischen und armenischen Demonstranten auf der anderen Seite. Auf Videos in sozialen Netzwerken ist zu sehen, wie eine Gruppe von Männern in dunklen Anzügen - allem Anschein nach Erdogans Bodyguards - mit Fäusten und Fußtritten auf Kurden losgingen, die PYD-Flaggen schwenkten.

Der Polizei gelang es erst nach einiger Zeit, die beiden Lager zu trennen. Elf Menschen, darunter ein Polizist, wurden verletzt. Neun von ihnen mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Die Sprecherin des US-Außenministeriums äußerte sich "besorgt" über die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und dem türkischen Sicherheitspersonal. Die US-Regierung werde ihre Sorge gegenüber der türkischen Regierung in klaren Worten zum Ausdruck bringen, fügte sie hinzu.

Auch die Polizei von Washington verurteilte die "brutalen Angriffe auf friedliche Demonstranten". Sie arbeite mit dem State Department und dem Geheimdienst zusammen, um alle "Verdächtigen zu identifizieren und zur Verantwortung zu ziehen". Die Ermittler verfügen nach Angaben von Polizeichef Peter Newsham über "sehr gute Videos" zu den Auseinandersetzungen. Er deutete an, dass die Ermittlungen "Fragen der diplomatischen Immunität" aufwerfen könnten. Dennoch würden sie fortgesetzt.

Zwei Verdächtige aus New York und Virginia wurden laut Polizei festgenommen. Nach Informationen in den sozialen Netzwerken handelt es sich dabei um einen Anhänger und einen Gegner Erdogans.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Erdogans Sicherheitsleute bei Auslandsreisen durch ihr aggressives und gewalttätiges Auftreten Schlagzeilen machen. Bei Erdogans Washington-Besuch im April 2016 griffen seine Bodyguards während eines Vortrags im Brookings-Institut Demonstranten auf der Straße an, beschimpften Journalisten und warfen einen Reporter aus dem Saal.

Schon im Februar 2016 hatten Erdogans Bodyguards während eines Vortrags des türkischen Präsidenten in Ecuadors Hauptstadt Quito Protestteilnehmer gewaltsam aus dem Saal gebracht und Gegendemonstranten auf der Straße attackiert. Einem ecuadorianischen Abgeordneten, der zu vermitteln versuchte, wurde dabei die Nase gebrochen.

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