Finanzen

US-Banken wegen Engagement in Venezuela in der Kritik

Lesezeit: 2 min
02.06.2017 01:28
Mehrere US-Banken geraten wegen ihres Engagements in Venezuela unter Druck.
US-Banken wegen Engagement in Venezuela in der Kritik

Mehr zum Thema:  
Banken >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Banken  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Die US-Investmentbank Goldman Sachs ist wegen des Kaufs von Anleihen aus Venezuela unter Druck geraten. Goldman Sachs hatte Medienberichten zufolge Papiere des staatlichen Ölkonzerns PDVSA über einen Nennwert von 2,8 Milliarden Dollar erworben. Damit soll die Bank der Regierung des Präsidenten Nicolás Maduro indirekt finanziell unter die Arme gegriffen haben, welche politisch und wirtschaftlich unter erheblichem Druck steht.

Nicht nur Goldman hat in Venezuela Aktien gekauft: CNN berichtet, auch Bank of Amerika, Citi oder Fidelity seien Bond-Holder. All diese Banken haben venezolanische Bonds in ihren Fonds, in die Millionen Amerikaner, insbesondere Pensionsfonds, investiert haben. Interessant: Die meisten Finanz-Medien ziehen die Geschichte an Goldman auf.

Goldman tätigte den Kauf der bereits im Jahr 2014 aufgelegten Anleihen vergangene Woche durch seine Vermögensverwaltungssparte GSAM auf dem Sekundärmarkt. Dort werden Schuldverschreibungen gehandelt, die nicht neu emittiert werden, sondern bereits einen Vorbesitzer hatten. Wie das Wallstreet Journal berichtet, befand sich die Anleihe zuvor in den Händen der Zentralbank von Venezuela.

Der Grund dafür, warum Goldman Anleihen eines Landes erwirbt, das in Chaos abdriftet, liegt in der hohen Gewinnspanne und den beträchtlichen Zinsen, welche die Großbank mit der Investition einstreichen kann. Offenbar bezahlte die Bank nur 865 Millionen Dollar für die Anleihen, die einen Rückzahlungsbetrag von rund 2,8 Milliarden Dollar garantieren. Auch die Zinsen sind beträchtlich – Recherchen von Bloomberg zufolge betragen die durchschnittlichen Zinsen, die PDVSA für 2014 emittierte Anleihen zahlt, 6 Prozent. Der ehemalige venezolanische Minister und jetzige Harvard-Angestellte Ricardo Hausmann schätzt, dass Goldman mit den Papieren eine Gesamtrendite von fast 50 Prozent einstreichen kann.

Insbesondere die politische Opposition des Landes hat den Aufkauf scharf kritisiert. „Auch wenn sie sich noch so anstrengen, Goldman Sachs und seine Führungskräfte können diesen Deal nicht schönfärben. Für die Venezolaner ist er unmoralisch“, schrieb Parlamentspräsident Julio Borges am Dienstag in einem offenen Brief. Goldman hat sein Engagement damit begründet, dass die Bank auf eine erfolgreiche Zukunft des Landes wette. Im Weißen Haus sind zahlreiche Goldman-Banker tätig. Diese werden jedoch, weil sie zu Donald Trumps Team gehören, von zahlreichen Trump-Gegnern attackiert.

Seit zwei Monaten gehen fast täglich Demonstranten für oder gegen die Regierung auf die Straße. Bislang kamen bei Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften, Oppositionellen und Regierungsanhängern 60 Menschen ums Leben, über 1000 wurden verletzt. Die Regierungsgegner werfen Maduro vor, die Demokratie auszuhöhlen. Maduro macht eine Kollaboration der Opposition mit ausländischen Agitatoren für die Destabilisierung des Landes verantwortlich.

Insbesondere die Zusammenarbeit Maduros mit Russland, China und dem Iran ist zahlreichen US-Geopolitikern ein Dorn im Auge. Jeff Duncan, ein einflussreicher Abgeordneter im US-Kongress, wies daraufhin, dass der niedrige Ölpreis als Katalysator für einen Umsturz dienen könne. Die amerikanischen Neocons befürchten, dass Russland über einige Pleiten in Venezuela plötzlich vor der Haustür der USA aufschlagen könnte. 

Die Landeswährung Bolivar ist nach Monaten dreistelliger Inflationsraten kaum noch etwas wert. Der Internationale Währungsfonds geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung Venezuelas im vergangenen Jahr um etwa 18 Prozent zurückgegangen ist. Die Regierung versucht, laufende Rechnungen mithilfe der Devisenreserven zu bezahlen, deren Umfang in den vergangenen vier Jahren von etwa 30 Milliarden Dollar auf aktuell rund 10 Milliarden Dollar gesunken ist.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  
Banken >

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Russland umgeht Sanktionen mit eigener Öl-Tanker-Flotte

Russland hat still und leise eine "Schattenflotte" von über 100 Öl-Tankern aufgebaut, um die Sanktionen des Westens und den...

DWN
Politik
Politik Europa in den Schlingen von Amerikas China-Politik

Amerikas übergeordnete Strategie orientiert sich an China und dem pazifischen Raum, dort spielt künftig die Musik. Europa verliert in...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft USA importieren mehr Güter aus China als jemals zuvor

Die wirtschaftlichen Daten sprechen eine andere Sprache als die Kriegsrhetorik. Nie zuvor haben die USA so viele Güter aus China...

DWN
Politik
Politik Ukraine: Dem Westen gehen Waffen und Munition aus

Die Lieferungen von Waffen und Munition an die Ukraine verzehren die westlichen Vorräte an Waffen und Munition. Man war auf einen den...

DWN
Technologie
Technologie Pentagon präsentiert ersten Neu-Bomber seit 30 Jahren

Der neue Tarnkappenbomber B-21 Raider soll China abschrecken. Die Air Force will 100 der neuen Jets, die pro Stück 700 Millionen Dollar...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Ölpreis-Deckel gegen Russland schadet vor allem Europa

Die Sanktionen gegen Russland schaden bisher vor allem Europa. Daran wird auch der Preisdeckel auf russisches Öl nichts ändern, den die...

DWN
Politik
Politik Bundesregierung will Preiserhöhungen für Strom und Gas verbieten

Preiskontrollen führen in der Regel zu Engpässen. Dennoch will die Bundesregierung Strom- und Gas-Versorgern Preiserhöhungen für 2023...

DWN
Politik
Politik Polen macht Weg frei für EU-Preisdeckel auf russisches Öl

Die EU-Staaten werden die Details für den Preisdeckel auf russisches Öl übers Wochenende festzurren. Die Schwelle soll bei höchstens 60...