Politik

Großbritannien: Konservative vor Verlust der absoluten Mehrheit

Lesezeit: 2 min
08.06.2017 23:05
Großbritannien: Erste Exit Polls sehen Konservative nur knapp vorn. Premierministerin May droht der Verlust der absoluten Mehrheit.

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Die ersten Exit Polls von Sky News sehen die Konservativen vorn, allerdings nur vergleichweise knapp. Sky spricht von einem "sensationellen Ergebnis" und verweist darauf, dass die Exit Polls in den vergangenen Jahren immer vergleichsweise zutreffend gewesen seien. Es sei möglich, dass Corbyn May im Laufe des Abends sogar überholt. In London soll Labour besonders gut abgeschnitten haben. Labour dürfte jedenfalls viele Sitze gewonnen haben, während die Konservativen verloren haben. Es zeichnet sich eine Patt-Situation im britische Unterhaus ab.

Die Konservativen kommen den Nachwahlbefragungen zufolge auf 314 der 650 Unterhaussitze, wie die Sender BBC, Sky und ITV am Donnerstag berichteten. Die oppositionelle Labour-Partei gewann demnach 32 Sitze hinzu und käme demnach auf 266 Sitze - ein überraschender Erfolg für Jeremy Corbyn, der wegen seiner pazifistischen Haltung zwar belächelt wurde, aber offenkundig die jungen Wähler überzeugen konnte. 

Bislang hatten die Tories mit 330 Sitzen eine absolute Mehrheit im Unterhaus. Wenn sie diese tatsächlich einbüßen, könnten sie versuchen, eine Koalition zu bilden oder eine Minderheitsregierung zu stellen.

May hatte die vorgezogene Parlamentswahl im April angekündigt. Damals hatte ihre Partei in den Umfragen klar vorn gelegen. Mit dem Urnengang wollte sie sich ein starkes Mandat für die bevorstehenden Verhandlungen über den EU-Austritt Großbritanniens verschaffen. Nach den jüngsten Anschlägen in Manchester und London war aber die Sicherheitsdebatte in den Vordergrund geraten.

Bleibt es nämlich bei diesem Trend, hat Premierministerin Theresa May die absolute Mehrheit verpasst. Die Konservativen kommen demnach auf 314 Sitze im Unterhaus.

Die Auszählung dürfte mindestens die ganze Nacht dauern, vermutlich wird ein Endergebnis frühestens am Freitag Nachmittag vorliegen.

Das britische Pfund ging nach den ersten Polls auf Talfahrt.

Die neue Regierung steht vor erheblichen Herausforderungen. Der Austritt aus der EU ist vermutlich nicht das größte Problem, obwohl er der Auslöser für die Neuwahln gewesen ist. Großbritannien muss sich vom Thatcher-Kapitalismus verabschieden. Das Sozialsystem und die Renten sind nicht finanziert.

Die für Schottlands Unabhängigkeit kämpfende Partei SNP hat in der britischen Unterhauswahl einer Prognose zufolge viele Sitze verloren. Die Nationalpartei der Schotten mit ihrer Chefin Nicola Sturgeon kommt der Wählerbefragung zufolge nur noch auf 34 Sitze. Bei der vorangegangenen Wahl im Jahr 2015 hatte die SNP noch 56 von 59 möglichen Sitzen geholt. Die Partei stellt sich nur in Schottland zur Wahl. Sturgeon strebt ein zweites Referendum über Schottlands Unabhängigkeit an. Sie begründet dies mit dem EU-Austritt Großbritanniens, den eine Mehrheit der Schotten abgelehnt hat.


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lohnplus: IG Metall will sieben Prozent mehr Gehalt für Metall- und Elektroindustrie
17.06.2024

Die Gewerkschaft will sich in der anstehenden Tarifrunde vor allem auf mehr Geld konzentrieren. Die Arbeitgeber sehen keinen Spielraum für...

DWN
Politik
Politik "Mr. Brexit" Nigel Farage: AfD muss bei sich aufräumen
17.06.2024

Der Chef der rechtspopulistischen britischen Partei Reform UK, Farage, hat sich hohe Ziele gesteckt. Sein Vorbild ist Donald Trump. Die...

DWN
Politik
Politik Veränderung abgelehnt: Regierung hält an Bürgergeld für Ukraine-Flüchtlinge fest
17.06.2024

Sollen Flüchtlinge aus der Ukraine weiter Bürgergeld erhalten oder geringere Leistungen, die auch Asylbewerber bekommen? Die zuständigen...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Nach Strafzöllen auf E-Autos: China ermittelt als Gegenreaktion gegen EU-Schweinefleisch
17.06.2024

Brüssel droht, chinesische E-Autos mit Strafzöllen zu belegen. Peking warnt schon länger, nicht tatenlos zuzusehen. Nun reagiert das...

DWN
Politik
Politik Rückkehr zur Wehrpflicht nicht durchsetzbar: Pistorius verzweifelt an Ampel-Koalition
17.06.2024

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat lange überlegt, wie er Regierung und Bundestag von der Rückkehr zur Wehrpflicht...

DWN
Politik
Politik Kinderarmut: SPD-Fraktionsvize: Entwurf zur Kindergrundsicherung "nicht tragfähig"
17.06.2024

Die Ampel ringt weiter um die Kindergrundsicherung – die Schuld sehen Koalitionspartner bei der grünen Familienministerin. Ein...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wirtschaft: Traditionsunternehmen „Pelikan“ gibt zwei Standorte in Deutschland auf
17.06.2024

Fast jeder Deutsche hatte schon einmal einen Füller der Marke Pelikan in der Hand. Nach der Übernahme durch den Konkurrenten Hamelin...

DWN
Politik
Politik Keiner traut sich Scholz die Wahrheit zu sagen: SPD ringt um Konsequenzen aus Wahl
17.06.2024

Nach dem desaströsen Wahlergebnis rumort es unter den Genossen. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil betont aber, der Kanzler...