Politik

Krise am Golf: Höhere Gas-Preise in Europa drohen

Lesezeit: 3 min
03.07.2017 23:11
Die Krise am Golf un Katar könnte Europa mit höheren Gas-Preise in Europa konfrontieren. Russland und die USA könnte die Situation nützen.
Krise am Golf: Höhere Gas-Preise in Europa drohen

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Sollten die Spannungen zwischen Saudi-Arabien und Katar eskalieren, könnte die Krise am Golf auch die deutsche Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen. Falls Katar nicht auf die harten Forderungen Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Bahrains und Ägyptens eingeht, drohen die Länder mit einer Ausweitung ihrer Blockade gegen das Emirat. Sie könnten ihre Handelspartner dann vor die Wahl stellen, entweder mit ihnen oder mit Katar Geschäfte zu machen, warnte der VAE-Botschafter in Moskau vor einigen Tagen laut Reuters.

Dies könnte für Probleme in Deutschland sorgen, das mit den Golfstaaten auf beiden Seiten des Konflikts wirtschaftlich eng verflochten ist. Besondere Auswirkungen könnte die Entwicklung auf die Gaspreise haben: Sollte die Blockade sich auf die Gas-Exporte ausweiten, könnte dies auch in Europa höhere Preise zur Folge haben. Katar deckt nach Aussage von Experten 6,5 Prozent des europäischen Gasbedarfs, die Lieferungen gehen vor allem nach Großbritannien, Belgien und Spanien. Verknappt sich das Angebot, könnte dies die Preise im EU-Gasgroßhandel auch für Deutschland in die Höhe treiben.

Von dieser Entwicklung würden indirekt die USA und Russland profitieren: Die Russen sind der größte Gas-Importeur nach Europa und könnten entweder bei der Erhöhung mitgehen oder aber versuchen, mit niedrigen Preisen den Kataris Marktanteile abzujagen. Die USA schicken sich an, ihr Flüssiggas (LNG) nach Ost-Europa zu exportieren und könnten ihrerseits Interesse an einem Kampfpreis zur Markteinführung haben. US-Präsident Donald Trump hatte angekündigt, dass sich die USA aus der Abhängigkeit vom OPEC-Kartell lösen und selbst eine führende Rolle im globalen Energiemarkt übernehmen wollen.

Doch der Konflikt am Golf könnte weitere Folgen für die europäische Wirtschaft haben, wie Reuters auflistet:

Saudi-Arabien

Deutschland ist nach den USA und China drittgrößter Lieferant der absoluten Monarchie. Der Wüstenstaat kauft in Deutschland vor allem Maschinen und Fahrzeuge, aber auch chemische, elektrotechnische, feinmechanische und optische Erzeugnisse. Für die Deutschen ist das Land der zweitwichtigste arabische Handelspartner nach den Vereinigten Arabischen Emiraten. 2015 betrug das bilaterale Handelsvolumen 10,4 Milliarden Euro.

Künftig dürfte Saudi-Arabien, das zuletzt unter dem Ölpreisverfall litt, für die deutsche Wirtschaft sogar noch interessanter werden: Das Königreich, dessen Exporte zu knapp 90 Prozent aus Erdöl und petrochemischen Produkten bestehen, will sich unabhängiger vom schwarzen Gold machen und strebt verstärkt den Aufbau eigener Industrien an, darunter die Produktion von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien. Hier könnten deutsche Unternehmen eine Rolle spielen.

Vereinigte Arabische Emirate

Deutschland exportierte 2015 Waren für rund 14,6 Milliarden Euro in die Vereinigten Arabischen Emirate, die damit neben Saudi-Arabien der größte Absatzmarkt für deutsche Unternehmen in der arabischen Welt sind. Die wichtigsten Ausfuhrgüter waren Autos, Maschinen sowie elektrotechnische und chemische Erzeugnisse. Rund 900 deutsche Unternehmen sind in dem Land tätig. Deutschland seinerseits importiert aus den VAE, die über die weltweit sechstgrößten Öl- und die siebtgrößten Gasreserven verfügen, zwar kein Erdöl, aber Aluminiumprodukte und chemische Erzeugnisse.

Auch die Emirate bemühen sich um eine wirtschaftliche Diversifizierung, um unabhängig von den Öleinnahmen zu werden. Dabei geht es nicht nur um Tourismus und Finanzdienstleistungen, sondern auch Hochtechnologie wie die Produktion von Mikrochips und erneuerbaren Energien. Ein weiterer wichtiger Sektor ist die Luftfahrt, die schon heute knapp ein Fünftel zur Wirtschaftsleistung der VAE beiträgt.

Zugleich sind die Emirate allerdings auch mit Katar wirtschaftlich eng verbunden: 30 bis 40 Prozent des Gasbedarfs, mit dem die VAE unter anderem ihre Klimaanlagen betreiben, kommen nach Angaben von Experten aus Katar. Die Lieferung laufe trotz der Blockade weiter. Dies gelte auch für den Export katarischen Gases über eine Pipeline, die durch die VAE ans Meer führt.

Katar

Deutschlands bilaterales Handelsvolumen mit Katar war 2015 mit 2,54 Milliarden Euro deutlich kleiner als mit Saudi-Arabien und den VAE. Die deutschen Exporte umfassen vor allem Autos, Maschinen und Anlagen. Dafür ist Katar allerdings auf andere Art eng mit der deutschen Wirtschaft verknüpft: Das Emirat hat sich - teils auf Bitten Deutschlands - in wichtige deutsche Unternehmen eingekauft, es ist strategischer Investor bei der Deutschen Bank und Volkswagen und hält auch Anteile an Siemens und an Immobilienfonds. Außerdem arbeiten deutsche und katarische Firmen im Flüssiggas-Bereich zusammen.

Auch Katar, das noch zwei Drittel seiner Wirtschaftsleistung über den Verkauf von Öl und Gas erbringt, strebt eine Diversifizierung an. Das Land plant dazu Milliardeninvestitionen in Stadtentwicklung, Verkehrsinfrastruktur sowie den Sektor der Finanzdienstleistungen. Das Land ist zudem Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft 2022.

Die Handelsblockade durch Saudi-Arabien, die VAE, Bahrain und Ägypten macht dem Emirat, das bisher 80 Prozent seiner Lebensmittel aus den anderen Golfstaaten importierte, zwar zu schaffen, dürfte es nach Einschätzung von Experten allerdings nicht so bald in die Knie zwingen: Fachleute gehen davon aus, dass sich Katar wirtschaftlich halten kann, solange die anderen Golf-Staaten die Flüssiggas (LNG)-Ausfuhr aus dem Emirat nicht stören. Der Wüstenstaat ist weltgrößter LNG-Exporteur des begehrten Rohstoffes und verfügt zudem über große Finanzreserven. Dennoch fiel der katarische Aktienindex vor Ablauf des Ultimatums an das Land am Sonntag stark.

Die Verlängerung des Ultimatums in der Katar-Krise hat Anleger in dem Golf-Staat allerdings zunächst beruhigt. Die Börse in Doha legte am Montag 1,3 Prozent zu, nachdem sie am Sonntag aus Sorge vor einer Verschärfung des seit Wochen schwelenden Konflikts mit anderen Staaten in der Region deutlich gefallen war. Katar erhielt von Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten zusätzliche 48 Stunden Zeit zur Erfüllung ihrer Forderungen. Die vier Staaten werfen Katar Unterstützung von Terroristen vor und haben am 5. Juni ihre diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu dem Land gekappt.

Die Regierung in Doha soll 13 Forderungen erfüllen, darunter die Schließung des TV-Senders Al-Jazeera und einer türkischen Militärbasis. Falls eine Reihe von Bedingungen nicht erfüllt werden, drohen dem Emirat Sanktionen. Seit dem Ausbruch der Krise hat die Börse in Doha etwa zwölf Prozent verloren.

Auch an der Börse in Dubai gab es Kursgewinne, der dortige Auswahlindex stieg um 1,2 Prozent. Der saudiarabische Aktienmarkt notierte ein Prozent schwächer, die Börse in Abu Dhabi fiel um ein halbes Prozent.

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