Politik

Fed-Vize Fischer warnt vor Lockerung der Regeln für Großbanken

Lesezeit: 1 min
17.08.2017 13:22
Der Vizepräsident der US-Notenbank warnt vor einer Lockerung der Bankenregulierung.
Fed-Vize Fischer warnt vor Lockerung der Regeln für Großbanken

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Fed-Vize Stanley Fischer hat die US-Regierung eindringlich vor einer Zurücknahme der Bankenregulierung gewarnt. Solche Schritte seien "gefährlich und extrem kurzsichtig", sagte der Notenbanker in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der Financial Times. Es gebe beunruhigende Anzeichen für eine Rückkehr zu einem Zustand, wie er vor der globalen Finanzkrise bestanden habe. "Ich bin besorgt, dass uns das politische System in den USA in eine Richtung führt, die sehr gefährlich ist", sagte Fischer. Es habe 80 Jahre nach 1930 gedauert, um erneut zu einer globalen Finanzkrise zu kommen. Nun sei es unverantwortlich, die Regeln wieder zu lockern, deren Fehlen zu der Krise geführt hätten. Fischer sagte, dass die Regularien zwar für kleinere Banken zu kompliziert seien und daher überprüft werden sollten. Für die Großbanken sollte jedoch keine Lockerung vorgenommen werden, eine solche Lockerung sei "sehr, sehr gefährlich". Er verstehe nicht, wie "erwachsene und intelligente Menschen" vorschlagen könnten, die Regeln wieder abzuschaffen.

Fischer sagte, er stelle fest, dass die USA nicht mehr der Stabilitätsanker für die Weltwirtschaft, sondern ein Hort der Unsicherheit geworden seien. Auch die Rolle von US-dominierten, internationalen Organisationen wie dem IWF sei davon betroffen. Fischer, der aus dem einstigen britischen Protektorat in Nord-Rhodesien stammt, sagte, er erkenne, dass die USA ihre "dominante Stellung als Hegemonialmacht" verloren hätten. Die Lage sei ähnlich wie seinerzeit beim Niedergang des britischen Empires: "Es ist möglich, dass uns die politische Führung in eine sehr gefährliche Richtung steuert. Das globale System braucht einen Hegemon, einen Anker-Staat oder wie immer man das nennen will. Das war früher Großbritannien und dann die USA." Die USA würden diese Rolle erst wieder einnehmen, "wenn sich die Dinge in den USA ändern".

US-Präsident Donald Trump hat sich bisher noch nicht festgelegt, wie und ob er die Positionen in der Fed neu besetzen möchte. Die aktuelle Chefin Janet Yellen war noch von US-Präsident Barack Obama eingesetzt worden. Trump hatte sich zunächst abfällig über sie geäußert, dann jedoch wieder gesagt, er könne sich vorstellen sie im Amt zu belassen.

Trump hat in einem Erlass angeordnet, dass die Wall-Street-Reformen von 2010 überprüft werden sollen. Das Dodd-Frank-Gesetz war die zentrale Lehre, die die USA aus der Finanzkrise gezogen haben. Damals wurden Banken weltweit mit Hilfe von Steuermilliarden und Liquiditätsgarantien vor dem Zusammenbruch gerettet. Trump hatte wiederholt kritisiert, Dodd-Frank gebe der Finanzaufsicht zu viel Macht. Insbesondere sein Chefstratege Steve Bannon fordert eine Rückkehr zum Trennbankensystem und damit zum Glass Steagall Act. Diesen hatte Bill Clinton außer Kraft gesetzt.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Ausweg aus der Krise durch alternative Bezahlplattform

Das Vertrauen in die Banken und die Politik schwindet zusehends. Die aktuell schwierige wirtschaftliche Lage, welche aufgrund der Covid-19...

DWN
Technologie
Technologie Lieferketten gebrochen: EU will Zusammenarbeit mit Taiwan bei Halbleiter-Chips ausbauen

Die EU will ihre strategische Zusammenarbeit mit Taiwan auf dem Markt für Halbleitern ausbauen. Derweil dauert der Mangel an den Produkten...

DWN
Politik
Politik Großbritannien entsendet Kriegsschiffe ins Schwarze Meer, Biden will Einigung mit Putin

Großbritannien wird zur Unterstützung der Ukraine zwei Kriegsschiffe ins Schwarze Meer entsenden. Währenddessen hat US-Präsident Biden...

DWN
Finanzen
Finanzen China und Indien forcieren Gold-Importe

Die chinesische Zentralbank hat die Höchstgrenzen für Gold-Importe für April und Mai deutlich angehoben.

DWN
Deutschland
Deutschland Reiner Fuellmich: Streitwert von Corona-Sammelklagen könnte in die Billionen gehen

Der Rechtsanwalt Reiner Fuellmich geht mit Hilfe internationaler Kollegen rechtlich gegen die Corona-Maßnahmen vor und hat angekündigt,...

DWN
Finanzen
Finanzen Geschäftsklima im Mittelstand auf niedrigstem Stand seit 2009

Laut einer aktuellen Umfrage der Wirtschaftsauskunftei Creditreform unter 1300 kleinen und mittleren Unternehmen haben sich die Probleme...

DWN
Finanzen
Finanzen Darum sollten Sie Ihren Nachlass rechtzeitig regeln

Niemand denkt gerne an den eigenen Tod. Und doch ereilt er uns irgendwann alle. Vor allem, wenn man selbst Kinder hat, sollte man früh...

DWN
Finanzen
Finanzen Inflationswarnung: Stärkster Anstieg der Erzeugerpreise seit 10 Jahren

Ein wichtiger Inflationsvorbote ist im März stark nach oben ausgeschlagen: Die deutschen Produzenten hoben ihre Preise so stark an wie...

DWN
Deutschland
Deutschland Schüler im Lockdown sind mehr am Handy als beim Lernen

Laut einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts verbringen deutsche Schüler im Corona-Lockdown weniger Zeit mit Lernen als mit anderen...