Politik

Thailands frühere Präsidentin flüchtet vor Justiz

Lesezeit: 1 min
25.08.2017 17:56
Die ehemalige Ministerpräsidentin Thailands hat sich einer Anklage durch Flucht entzogen.
Thailands frühere Präsidentin flüchtet vor Justiz

Mehr zum Thema:  
Asien >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Asien  

Die frühere thailändische Regierungschefin Yingluck Shinawatra hat sich wegen eines umstrittenen Gerichtsverfahrens ins Ausland abgesetzt, berichtet AFP. Die Ex-Ministerpräsidentin verließ nach Angaben eines Parteifreundes vom Freitag das Land, um einer drohenden Verurteilung in einer Finanzaffäre zu entgehen. Die erste weibliche Ministerpräsidentin des Landes war 2014 von Militärs entmachtet worden und hält das Gerichtsverfahren gegen sie für politisch motiviert.

Eigentlich sollte das Urteil gegen Yingluck am Freitag verkündet werden, sie erschien aber nicht vor Gericht. Ihr Anwalt erklärte dies mit einer Krankheit – doch die ehemalige Regierungschefin hatte zu dem Zeitpunkt wohl schon das Land verlassen. Yingluck ist „definitiv nicht mehr hier, sie ist jetzt wahrscheinlich in Singapur“, sagte ein hochrangiger Vertreter ihrer Partei der Nachrichtenagentur AFP.

„Das Gericht glaubt nicht, dass Yingluck krank ist“, erklärte Richter Cheep Chulamon und ordnete einen Haftbefehl für die 50-Jährige an. Doch das, sowie die vom Chef der Militärregierung, Prayut Chan-O-Cha, angekündigten Grenzkontrollen waren nicht erfolgreich – es sei möglich, dass Yingluck die Grenze zu Kambodscha überquert habe, sagte ein Militärvertreter.

Bei einer Verurteilung hätte der Ex-Regierungschefin eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren gedroht. In dem Verfahren ging es um Landwirtschaftssubventionen, mit denen Yinglucks Regierung armen Landwirten den doppelten Marktpreis für Reis zahlte. Militär und Staatsanwaltschaft wollten, dass die Politikerin für das stark defizitäre System, das von Korruption geprägt war, persönlich haftbar gemacht wird.

Yingluck bestritt die Vorwürfe und sagte, sie sei unschuldig. Sie sah sich stattdessen als Opfer eines „raffinierten politischen Spiels“. Nur Stunden nach dem geplatzten Prozess gegen die Ex-Regierungschefin verurteilte ein Gericht einen ehemaligen Minister aus ihrer Regierung wegen ähnlicher Vorwürfe zu 42 Jahren Haft.

„Dies ist das Ende der Shinawatra-Familie in der Politik und der Pheu-Thai-Partei“, sagte eine politische Analystin der Chulalongkorn Universität in Bangkok, Puangthong Pawakpan. Sie glaubt, der thailändischen Militärregierung käme die Flucht Yinglucks sogar zunutze: Die Inhaftierung der Politikerin hätte zu ihrer Legendenbildung beitragen können.

Yinglucks Bruder Thaksin Shinawatra, ebenfalls ehemaliger Ministerpräsident, hatte Thailand 2008 verlassen – ebenfalls bevor er von einem Gericht wegen Korruption zu zwei Jahren Haft verurteilt wurde. Der Familienclan war länger als ein Jahrzehnt in die tief gespaltene Politik Thailands involviert.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  
Asien >

DWN
Politik
DWN
Politik
Politik China ist überlegen - Europa und die USA müssen dies endlich anerkennen

Der deutsche Ökonom Daniel Gros stellt eine provokante These auf: Chinas Aufstieg hat kaum etwas damit zu tun, dass der Staat die...

DWN
Politik
Politik Festnahmen und Polizeigewalt nach Protesten gegen Sicherheitsgesetz in Frankreich

Bei den massiven Demonstrationen gegen ein umstrittenes Sicherheitsgesetz und Polizeigewalt in Frankreich sind Dutzende Protestierende...

DWN
Politik
Politik Urteil: Merkel muss Auskünfte zu Geheimgesprächen mit Journalisten erteilen

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden, dass Angela Merkel Auskünfte über Geheimgespräche zwischen dem Kanzleramt und...

DWN
Finanzen
Finanzen So erfüllt sich Ihr Traum vom Eigenheim

Das Eigenheim als Altersvorsorge? Viele Deutsche träumen davon. Doch nur wenige besitzen hierzulande tatsächlich die Immobilie, die sie...

DWN
Finanzen
Finanzen Finanzpolitik der USA versinkt im Chaos: Jeder gegen jeden, alle wollen die Macht

DWN-Kolumnist Michael Bernegger analysiert, wie die größte Volkswirtschaft der Welt durch einem finanzpolitischen Machtkampf gelähmt...

DWN
Politik
Politik Über den Umweg EU-Erweiterung: Will sich die Nato noch weiter ausdehnen?

DWN-Kolumnist Ronald Barazon analysiert die Bestrebungen, zwei weitere Länder in die EU aufzunehmen.

DWN
Politik
Politik Vor Corona: EU erarbeitete Aktionsplan zur umfassenden Impfung der Bevölkerung

Die EU-Kommission hatte zwei Jahre vor der Corona-Pandemie eine „Roadmap zur Impfung“ für die öffentliche Gesundheit ausgearbeitet....

DWN
Politik
Politik „Nachhaltige“ Finanzierung und grüne Planwirtschaft: Hinter dem Great Reset stecken Sozialisten im Schafspelz

In nicht allzu ferner Zukunft dürfen Anleger vermutlich nur noch Wertpapiere „nachhaltiger“ Unternehmen kaufen. Die Big Player...

DWN
Technologie
Technologie Autonomes Fahren verringert Zahl der Unfälle um 90 Prozent

Die Zahl der Toten und Verletzen sowie der wirtschaftliche Schaden würden massiv zurückgehen.

DWN
Politik
Politik Demonstranten zünden Frankreichs Zentralbank an

Im Verlauf der regierungskritischen Massenproteste in Frankreich haben Demonstranten in Paris das Gebäude der französischen Zentralbank...

DWN
Deutschland
Deutschland Radio Russkij Berlin: "Wir senden für die größte Migrantengruppe in Deutschland"

"Radio Russkij Berlin" geht für die russischsprachigen Migranten in Deutschland, die mittlerweile eine lukrative Kundengruppe bilden, auf...

DWN
Technologie
Technologie Durchbruch bei menschlicher Kopf-Transplantation liegt in greifbarer Nähe

In den kommenden Jahren könnte Neurologen und Robotik-Experten zufolge die erste menschliche Kopftransplantation stattfinden. Doch an...

DWN
Deutschland
Deutschland Der ständige Vorwurf der „Verschwörungstheorie“ treibt die Deutschen zur Weißglut

Der inflationär erhobene Vorwurf der „Verschwörungstheorie“ gegen die Bürger ist hochgefährlich. Die Urheber dieser Kritik bewirken...