Politik

Türkische Polizei-Offiziere beantragen Asyl in Deutschland

Lesezeit: 1 min
31.08.2017 23:24
Zahlreiche türkische Polizei-Offiziere haben in Deutschland um Asyl angesucht. Es ist unklar, ob auch Mitglieder des türkischen Geheimdiensts darunter sind.
Türkische Polizei-Offiziere beantragen Asyl in Deutschland

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Ein Jahr nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei haben einem Bericht zufolge mehrere ranghohe türkische Polizeibeamte in Deutschland Asyl beantragt. Darunter sollen auch Ermittler der türkischen Nationalpolizei ("Emniyet Genel Müdürlüğü") sein, wie die Welt am Mittwoch unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete. Unklar ist noch, ob es sich dabei um Mitglieder des türkischen Polizei-Nachrichtendiensts ("Emniyet Genel Müdürlüğü İstihbarat Dairesi") handelt.

Demnach soll ein leitender Beamter der türkischen Nationalpolizei in diesem Jahr einen Asylantrag in der Bundesrepublik gestellt haben. Auch ein türkischer Verbindungsbeamter, der im Bundeskriminalamt (BKA) tätig war, soll dem Bericht zufolge Asyl beantragt haben.

Zu der Zahl der türkischen Polizisten und Mitglieder des türkischen Geheimdiensts MIT, die in Deutschland Asyl beantragt haben, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums (BMI) den Deutschen Wirtschafts Nachrichten: "Belastbar liegen die Zahlen lediglich bis zum 31.05.2017 vor und waren in der Kürze der Zeit nicht mit zureichendem Aussagegehalt zu recherchieren. Seit dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei haben bis 31.5. 217 Personen mit Diplomatenpässen und 229 Personen mit grünen Spezialpässen einen Asylantrag beim BAMF gestellt. Diese Zahlen umfassen jeweils auch die Familienangehörigen (Ehegatten und Kinder), sie sind statistisch nicht belastbar. Beim BAMF werden weder Anträge von Angehörigen der türkischen Streitkräfte systematisch gesondert statistisch erfasst noch Mitarbeiter von ,Sicherheitskräften' oder ,Geheimdiensten'."

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge äußerte sich folgendermaßen zu einer Anfrage der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: „Vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich als ein Sprecher des Bundesamts gerne beantworte. Grundsätzlich äußert sich das Bundesamt aus Gründen des Persönlichkeits- und Datenschutzes nicht zu Einzelpersonen.“

Nach einer Aufstellung des BMI, die den Deutschen Wirtschafts Nachrichten vorliegt, beliefen sich die Asylanträge aus der Türkei im vergangenen Jahr auf 5.742. Im aktuellen Jahr sind bis Ende Juli 3.206 Asylanträge von türkischen Staatsbürgern beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) eingegangen.

Die türkische Online-Zeitung OdaTV hat den Bericht der Welt aufgegriffen und unkommentiert wiedergegeben.

Weitere Medien, die den Bericht der Welt am Dienstagabend kommentarlos wiedergeben, sind die türkischsprachige Ausgabe der dem Bundeskanzleramt unterstellten Deutschen Welle, die Zeitung Yeni Posta und die türkischsprachige Ausgabe des staatlichen russischen Senders Sputnik. Die Medien berichten, dass die deutschen Institutionen keinerlei Informationen über die angeblichen Asylgesuche von türkischen Spionen und Polizisten herausgeben.

Die regierungsnahen türkischen Medien haben über die Asylgesuche der türkischen Sicherheitsbeamten noch nicht berichtet.


Mehr zum Thema:  

Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Halbzeit Urlaub bei ROBINSON

Wie wäre es mit einem grandiosen Urlaub im Juni? Zur Halbzeit des Jahres einfach mal durchatmen und an einem Ort sein, wo dich ein...

DWN
Technologie
Technologie Petrochemie: Rettungsleine der Ölindustrie - und Dorn im Auge von Umweltschützern
24.04.2024

Auf den ersten Blick sieht die Zukunft des Erdölmarktes nicht rosig aus, angesichts der Abkehr von fossilen Treibstoffen wie Benzin und...

DWN
Politik
Politik Sunaks Antrittsbesuch bei Kanzler Scholz - strategische Partnerschaft in Krisenzeiten
24.04.2024

Rishi Sunak besucht erstmals Berlin. Bundeskanzler Scholz empfängt den britischen Premierminister mit militärischen Ehren. Im Fokus...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesbank-Präsident: Zinssenkungspfad unklar, digitaler Euro erstrebenswert
24.04.2024

Spannende Aussagen von Bundesbank-Präsident Joachim Nagel: Ihm zufolge wird die EZB nach einer ersten Zinssenkung nicht unbedingt weitere...

DWN
Technologie
Technologie Habeck sieht großes Potenzial in umstrittener CO2-Einlagerung
24.04.2024

Die Technologie "Carbon Capture and Storage" (CO2-Abscheidung und -Speicherung) ist in Deutschland ein umstrittenes Thema. Inzwischen gibt...

DWN
Politik
Politik Chinesische Spionage: Verfassungsschutz mahnt Unternehmen zu mehr Vorsicht
24.04.2024

Der Verfassungsschutz warnt vor Wirtschaftsspionage und Einflussnahme aus China. Vor allem für deutsche Unternehmen wäre eine naive...

DWN
Panorama
Panorama Fahrraddiebe nehmen vermehrt teure E-Bikes und Rennräder ins Visier
24.04.2024

Teure E-Bikes und Rennräder sind seit Jahren immer häufiger auf den Straßen zu sehen - die Anzahl von Diebstählen und die...

DWN
Technologie
Technologie KI-Hype in Deutschland: Welle von neuen Startups formiert sich
24.04.2024

Obwohl die Finanzierung von Jungfirmen allgemein ins Stocken geraten ist, werden in Deutschland gerade unzählige KI-Startups gegründet....

DWN
Politik
Politik USA kündigen massive Waffenlieferungen in die Ukraine an - Selenskyj äußert Dank
24.04.2024

Der US-Kongress hat die milliardenschweren Ukraine-Hilfen gebilligt. Jetzt könnte es laut Pentagon bei der ersten Lieferung sehr schnell...