Politik

Trump will schon bald über Notenbank-Chef entscheiden

Lesezeit: 2 min
29.09.2017 23:35
US-Präsident Trump will in den kommenden Wochen eine Entscheidung über die künftige Führung der Federal Reserve treffen.
Trump will schon bald über Notenbank-Chef entscheiden

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

US-Präsident Donald Trump will nach eigenen Angaben in den kommenden zwei bis drei Wochen über die Nominierung des künftigen Notenbank-Chefs entscheiden. Auf der Suche nach Kandidaten habe es vier Treffen gegeben, sagte Trump am Freitag vor Journalisten in Washington. Reuters zufolge war darunter auch der Ökonom Kevin Warsh. Der Trump-Vertraute gilt bereits als ein Kandidat für eine Nachfolge von Fed-Chefin Janet Yellen. Yellens Mandat läuft im Februar ab. Ob es verlängert wird, ist unklar. Warsh, ein ehemaliger Direktor der Federal Reserve, gehört zum Lager jener Notenbanker, die im Fachjargon "Falken" genannt werden und die eine straffere Geldpolitik befürworten.

Warsh war bereits von 2006 bis 2011 Mitglied im Fed-Direktorium und trat dann wegen Meinungsverschiedenheiten über das Wertpapierkaufprogramm zurück, das die Notenbank im Kampf gegen die Finanzkrise aufgelegt hatte. Yellen hat inzwischen mit ersten Zinserhöhungen einen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik eingeleitet und angekündigt, ab Oktober die durch das Kaufprogramm aufgeblähte Fed-Bilanz abzubauen.

Ob Trump Yellens Vertrag verlängern wird, ist offen. Der Republikaner hatte sie zwar im Wahlkampf attackiert und als Erfüllungsgehilfin seines demokratischen Vorgängers Barack Obama bezeichnet. Zuletzt hatte er ihre Führungsrolle jedoch zunehmend in besserem Licht dargestellt und auch eine Verlängerung ihres Vertrags nicht ausgeschlossen.

"Er ist definitiv mehr ein Falke in dem ganzen Spektrum", sagt Zinsstratege Gennadiy Goldberg vom Broker TD Securities über Warsh. "Er ist schon ein ziemlicher Gegensatz zu Yellen. Es sieht so aus, als ob er der Favorit ist, obgleich es noch nicht sicher ist, dass er nominiert wird." Spekulationen auf eine Nominierung Warshs trieben an der Börse Finanzwerte nach oben.

Laut dem "Wall Street Journal" traf sich Warsh auch mit Finanzminister Steven Mnuchin. Neben Warsh seien noch weitere Kandidaten um das Fed-Chefamt im Rennen - auch Yellen, so das Blatt. Lange Zeit galt Trumps oberster Wirtschaftsberater Gary Cohn als ein Favorit für den Fed-Führungsposten. Offenbar fiel er aber mit kritischen Äußerungen zu Reaktionen des Präsidenten auf rechtsextreme Ausschreitungen in Virginia in Ungnade. Auch der Stanford-Ökonom John Taylor wird als ein möglicher Kandidat für den Chefsessel der Notenbank gehandelt. Daneben sollen der Ex-Chef der Bank BB&T, John Allison, und der ehemalige Fed-Direktor Lawrence Lindsey im Rennen sein.

Spekulationen auf weiter steigende US-Zinsen haben die Wall Street am Freitag gestützt. . Kursgewinne bei Facebook trieben zudem Technologieaktien an, die dem S&P-500 und dem Nasdaq-Index zu neuen Rekorden verhalfen. Zweifel unter den Anlegern, ob Trump seine Pläne für Steuersenkungen durch den Kongress bekommen kann, bremsten aber.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte pendelte im Verlauf zwischen einem Hoch von 22.405 und einem Tief von 22.332 Zählern. Er ging mit einem Plus von 0,1 Prozent auf 22.402 Punkte aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P-500 erhöhte sich um 0,3 Prozent auf 2519 Stellen. Der Index der Technologiebörse Nasdaq rückte 0,6 Prozent auf 6494 Punkte vor. Auf Wochensicht ergab sich für den Dow ein Plus von 0,2, für den S&P von 0,7 und für die Nasdaq von 1,1 Prozent. Im September legte der Dow 2,1, der S&P 1,9 und die Nasdaq 1,1 Prozent zu. Im Quartal beläuft sich das Plus beim Dow auf 4,9, beim S&P auf vier und bei der Nasdaq auf 5,8 Prozent.

Die Markterwartung einer weiteren Zinserhöhung im Dezember stützte auch den Dollar im Vergleich zum Euro und schürte die Hoffnung der Anleger diesseits des Atlantiks auf anhaltend starke Exportgeschäfte europäischer Unternehmen. Der Dax schloss ein Prozent höher bei 12.828 Punkten, nur noch rund 123 Punkte von seinem Rekordhoch entfernt.

Mit einem Aufschlag von 1,2 Prozent war das Technologieschwergewicht Facebook kräftigster Antreiber im Nasdaq. Größter Gewinner im S&P-500 war Tyson Foods. Die Aktien legten rund acht Prozent zu, nachdem der Fleischproduzent seine Gewinnprognose angehoben hatte.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 936 Millionen Aktien den Besitzer. 1767 Werte legten zu, 1143 gaben nach und 154 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von knapp zwei Milliarden Aktien 1679 Titel im Plus, 1244 im Minus und 216 unverändert.

An den US-Kreditmärkten gaben die zehnjährigen Staatsanleihen um 08/32 auf 99-07/32 nach. Sie rentierten mit 2,34 Prozent. Die 30-jährigen Bonds kletterten dagegen 3/32 auf 97-23/32. Sie hatten eine Rendite von 2,86 Prozent.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Vermögenserhalt trotz zweiter Welle und deren wirtschaftlichen Folgen

Unser Partner "Money Transfer System" informiert: Die zweite Welle im Zusammenhang mit dem Coronavirus ist bereits eingetroffen und...

DWN
Finanzen
Finanzen Der IWF plant die Einführung eines neuen Geldsystems

Der Internationale Währungsfonds bereitet die Einführung eines neuen Geldsystems vor - und niemand merkt es.

DWN
Deutschland
Deutschland Wegen CO2-Abgabe: Die Gaspreise werden im kommenden Jahr deutlich steigen

Verbraucher in Deutschland müssen sich im kommenden Jahr auf höhere Gaspreise einstellen. Grund sind der Start des CO2-Preises sowie...

DWN
Politik
Politik China und USA auf Konfrontationskurs: Was tut Deutschland im Falle eines Krieges?

Die Spannungen zwischen China und den USA nehmen unentwegt zu. Bei den militär-strategischen Überlegungen der beiden Supermächte spielt...

DWN
Finanzen
Finanzen Serie „So werde ich zum Anleger“: Das Depot

Einsteiger verzweifeln oft, wenn sie in Fonds, ETFs oder Aktien investieren wollen. Wir erklären Ihnen Schritt für Schritt, auf welche...

DWN
Politik
Politik Verzerrte Statistiken, verschleierte Tatsachen: Wie die deutschen Medien Schwedens Corona-Politik verunglimpfen

Die Berichterstattung vieler deutschen Medien über Schwedens Umgang mit der Corona-Pandemie ist unzureichend und fehlerhaft. Das findet...

DWN
Finanzen
Finanzen Aufstieg und Fall: Corona schafft an der Börse eine Zwei-Klassen-Gesellschaft

Die aktuelle Krise schafft Gewinner und Verlierer, auch an der Börse. Welche Unternehmen gestärkt aus der Krise hervorgehen und wie man...

DWN
Politik
Politik Russland will eine geopolitische Katastrophe entlang seiner Grenzen verhindern

Die westlichen und südlichen Grenzen Russlands weisen wegen des Konflikts um Berg-Karabach und der Unruhen in Weißrussland Anzeichen...

DWN
Technologie
Technologie Smartphone-Chips aus Holz sollen Umweltbelastung senken

Unterhaltungselektronik führt jährlich zu Millionen von Tonnen an Elektromüll. Forscher aus den USA haben eine Methode gefunden, wie...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der grüne Eifer wird zum Bumerang: Wie die Begeisterung fürs Holz den Wald gefährdet

In seiner äußerst detaillierten und tiefschürfenden Analyse zeigt DWN-Kolumnist Ronald Barazon, warum deutscher und europäischer Wald...

DWN
Finanzen
Finanzen Spekulanten setzen auf Inflation und auf Joe Biden: Die eine Wette ist sicher - die andere hochriskant

Die großen Akteure im US-Anleihemarkt ändern zunehmend ihre Strategie: Sie wetten jetzt auf steigende Anleihe-Renditen. Die Märkte...

DWN
Finanzen
Finanzen Gazprom: Steuer-Querelen ärgern die Aktionäre

Die russischen Börsen sind auch für die deutschen Anleger von besonderem Interesse, weil hier mit Gazprom, Lukoil und Rosneft Unternehmen...

DWN
Politik
Politik China dominiert, die Agenda lautet "grün": So sieht die Welt im Jahr 2030 aus

Harvard-Professor Joseph S. Nye entwirft fünf Szenarien, wie das internationale Staatensystem in zehn Jahren beschaffen sein könnte.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Dunkle Wolken am Konjunktur-Himmel: KfW-Studie deckt verheerende Folgen des Lockdowns auf

Eine aktuelle Studie der KfW zeichnet ein düsteres Bild der Lage, in der viele kleine und mittelgroße Unternehmen in Deutschland stecken....

DWN
Politik
Politik Nach Mord in Dresden: „Abschiebepflichtige Gefährder und schwere Straftäter dürfen wir nicht nach Syrien abschieben“

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius beschwichtigt in der nach dem islamistischen Mord von Dresden aufgekommenen Debatte um eine...