Politik

Zweite Kanzlerreise: Erwartungen an Merz in Brüssel steigen

Nur drei Tage nach seinem Amtsantritt ist Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu seiner zweiten Kanzlerreise aufgebrochen – Ziel ist Brüssel. Dort will Merz Gespräche mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte führen und die Spitzen der EU treffen.
09.05.2025 08:53
Lesezeit: 2 min
Zweite Kanzlerreise: Erwartungen an Merz in Brüssel steigen
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gibt eine Pressekonferenz. Merz unternimmt seine ersten Auslandsbesuche als deutscher Bundeskanzler, nachdem er am Dienstag im zweiten Wahlgang im Bundestag bestätigt wurde (Foto: dpa). Foto: Michael Kappeler

Merz in Brüssel: Europäische Hoffnungen ruhen auf dem neuen Bundeskanzler

In Brüssel trifft Merz am Freitag unter anderem mit Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Ratspräsident António Costa sowie Parlamentspräsidentin Roberta Metsola zusammen. Zuvor war Bundeskanzler Merz bereits in Paris und Warschau zu Antrittsbesuchen. Beim Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD versprach Merz, Deutschlands Einfluss in Europa und international wieder spürbar zu machen. "Große Teile Europas, die Europäische Union allemal, sie warten auf uns, dass wir wieder einen kraftvollen Beitrag zum Gelingen des europäischen Projektes leisten." Merz in Brüssel wird diese Ambition unter Beweis stellen müssen.

Schon als Oppositionsführer hatte Merz seinem Vorgänger Olaf Scholz (SPD) fehlenden europapolitischen Einsatz vorgeworfen. Damals kündigte er an, das "europapolitische Schweigen" Deutschlands zu beenden. In der Zusammenarbeit mit Frankreich und Polen will Bundeskanzler Merz Europas Eigenständigkeit fördern – auch als Reaktion auf die außenpolitische Neuausrichtung der USA unter Präsident Donald Trump.

"German Vote" soll mit Merz in Brüssel enden

Die Erwartungen an Merz in Brüssel sind hoch. In den letzten Jahren kritisierten EU-Partner, dass die Scholz-Regierung zu lange für Entscheidungen brauchte – etwa bei der Asylsystemreform. Besonders problematisch: Wenn Berlin aufgrund interner Streitigkeiten gar keine Position fand und sich bei Abstimmungen enthielt, wie beim EU-Lieferkettengesetz.

In Brüssel wurde das abwertend "German Vote" genannt. Merz will diesen Zustand beenden. Dafür holte er Michael Clauß als EU-Berater ins Kanzleramt – ein erfahrener Diplomat mit detaillierter Kenntnis der EU-Institutionen in Brüssel.

Neue Herausforderungen für Kanzler Merz in Brüssel

Dem neuen Team Deutschland stehen schwierige Aufgaben bevor. Merz möchte Deutschland zur gestaltenden Kraft in Europa machen. Doch ob seine Regierung gemeinsame EU-Schulden für Verteidigung – wie von Frankreich vorgeschlagen – unterstützt, ist zweifelhaft. Gleichzeitig sorgt die Entscheidung für neue Grenzkontrollen und Ablehnungen von Asylbewerbern für Kritik. Gegner sehen darin einen Bruch mit EU-Recht und eine Gefahr für den freien Binnenmarkt. Österreich hingegen unterstützt den neuen Kurs in der Asylpolitik.

Offen bleibt auch, wie sich Merz in Brüssel beim Handelskonflikt mit den USA und in den Haushaltsverhandlungen positioniert. Dabei wird sich zeigen, ob nationale Interessen überwiegen oder EU-weite Lösungen Priorität haben.

Ukraine-Krieg und Sicherheit bei Nato-Gespräch in Brüssel

Beim Nato-Treffen in Brüssel stehen Russlands Krieg gegen die Ukraine und die Verteidigungsfähigkeit des Bündnisses auf der Tagesordnung. Im Juni folgt in Den Haag der erste Nato-Gipfel mit Trump seit dessen Rückkehr ins Amt.

Am Abend vor seiner Kanzlerreise telefonierte Merz mit Trump. Laut Regierungssprecher Stefan Kornelius einigte man sich auf enge Zusammenarbeit für ein Ende des Krieges. Zwischen den USA und Europa bestehen aber Differenzen: Trump fordert Zugeständnisse Kiews, während Deutschland, Frankreich und Großbritannien vor einem Diktatfrieden warnen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg eskaliert weiter: Wird das Regime in Teheran gestürzt?
21.03.2026

Der Iran-Krieg zwingt die Staaten am Persischen Golf zu einer grundlegenden Neubewertung ihrer Strategie und trifft besonders die...

DWN
Technologie
Technologie Neuer Audi RS5 kombiniert V6-Biturbo mit Elektro-Power
21.03.2026

Audi bringt mit dem neuen RS5 erstmals einen Hochleistungs-Plug-in-Hybrid von Audi Sport. Setzt das Modell neue Maßstäbe für Performance...

DWN
Unternehmen
Unternehmen EuGH kippt Schienenmaut-Deckel: Drohen weniger Züge? Was Sie wissen sollten
21.03.2026

Der Schienenmaut-Deckel steht vor dem Aus – mit weitreichenden Folgen für den Bahnverkehr in Deutschland. Das EuGH-Urteil zwingt die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Payroll, Urlaub, Equal Pay: Diese 5 BAG-Urteile müssen Unternehmen kennen
21.03.2026

Ein Blick auf Urteile des Bundesarbeitsgerichts aus den Jahren 2024 und 2025 zeigt, wie stark arbeitsgerichtliche Entscheidungen inzwischen...

DWN
Technologie
Technologie Kernenergie: China und Russland bauen Atomkraft weiter aus
21.03.2026

Chinas Ausbau von Kernkraftwerken hält die globale Atomindustrie auf Rekordniveau. Doch außerhalb Chinas stagniert der Markt...

DWN
Politik
Politik S.EU im Gesetzgebungsprozess: Neue EU-Unternehmensform mit 1 Euro Mindestkapital
21.03.2026

Die EU-Kommission plant mit der S.EU eine einheitliche Unternehmensform mit 1 Euro Mindestkapital und schneller Online-Gründung. Wird sie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Pentagon und Anthropic im Konflikt: KI im Militäreinsatz entfacht Debatte
21.03.2026

Der Konflikt zwischen dem KI-Unternehmen Anthropic und dem Pentagon zeigt, wie eng Technologieunternehmen inzwischen in militärische...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Der Bosch-Dominoeffekt: Wie Deutschland seine Industrie verliert
21.03.2026

Was bei Bosch in Waiblingen beginnt, endet in einer existenziellen Zerreißprobe für den gesamten Industriestandort. Wir erleben gerade...