Finanzen

Trump kämpft für Steuerreform, um Börsen nicht in Unruhe zu versetzen

Lesezeit: 2 min
25.10.2017 17:12
An den US-Aktienmärkten ist die geplante Steuerreform bereits fest eingepreist. Kommt diese nicht, droht eine deutliche Korrektur.
Trump kämpft für Steuerreform, um Börsen nicht in Unruhe zu versetzen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Steuern  
USA  
Börse  
Reformen  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Für US-Präsident Donald Trump geht es in diesen Tagen um das wichtigste Projekt seiner Amtszeit: um die große Steuerreform.

Donald Trump trifft sich dieser Tage mit einigen Senatoren der eigenen Partei, um die Zustimmung dafür zu erhalten, dass die geplante Steuerreform bis spätestens Ende Dezember im Kongress unter Dach und Fach gebracht wird. Die Verhandlungen über die Einzelheiten sind in den letzten Zügen. Wenn sich die Reform tatsächlich realisieren lässt, bedeutete dies einen enormen Triumpf für Trump – persönlich wie auch für die republikanische Partei. Setzt der Präsident die Sache in den Sand, könnte die Ära Trump schon zum jetzigen Zeitpunkt als gescheitert bezeichnet werden.

Das Vorhaben trägt radikale Züge. Vorgesehen ist eine umfassende Vereinfachung des komplexen US-Steuersystems, was eine immense Entlastung für die amerikanische Mittelklasse und die Betriebe des Landes bedeuten würde. In erster Linie will Trump die Steuersätze für Unternehmen von derzeit 35 Prozent auf etwa 20 Prozent reduzieren. Für die Bürger soll es gleichzeitig niedrigere Steuersätze und höhere Freibeträge geben. Die neue Regelung wird sich auf nur noch drei Steuersätze beschränken: 12, 25 und 35 Prozent. Experten schätzen die Kosten für Trumps Steuerreform auf wenigstens zwei Billionen US-Dollar, die sich auf die nächsten zehn Jahre verteilen.

Trump bezweckt mit der Reform eine Verringerung des Handelsbilanzdefizits und eine Stärkung der heimischen Industrie – „Make America great again“ heißt die Devise. Aber so einfach dürfte das nicht werden. Das Problem: Der aktuelle Maximalsteuersatz von 35 Prozent ist im Grunde nur ein theoretischer Wert. Zahlreiche Gesellschaften zahlen dank diverser Winkelzüge und Sonderregeln praktisch heute schon sehr viel weniger. Darüber hinaus ist keinesfalls klar, ob die großen US-Konzerne wie Microsoft, Google oder Apple das im Ausland geparkte Geld überhaupt in Arbeitsplätze innerhalb der Vereinigten Staaten investieren würden. Nach Medienberichten seien lediglich 12,5 Prozent der Unternehmen bereit dafür, ihre Kapitalreserven zur Aufstockung der Zahl der Mitarbeiter zu verwenden.

Donald Trump selbst ist von dem Mammut-Projekt überzeugt. Mehr noch, er preist die Maßnahme als radikalste Reform in der Geschichte der USA. Sie soll sogar Ronald Reagans Steuerreform von 1986 in den Schatten stellen. Bringen soll sie ein höheres Wirtschaftswachstum und natürlich neue Jobs. Doch ob sich das so einfach in die Wirklichkeit übertragen lässt, daran zweifeln Ökonomen. Bei dem letzten Vorhaben, die Kapitalreserven durch steuerliche Anreize zurück ins Land zu holen, wurden die Gelder von den Unternehmen in erster Linie für Rückkäufe von Aktien verwendet.

Wenn es so käme, würde besonders die Wall Street profitieren. Und genau das scheint die US-Börse bereits jetzt vorwegzunehmen. Der Dow Jones hangelt sich aktuell von einem Höchststand zum nächsten – zu Beginn der Woche wurde die Schwelle von 23.300 Punkten überschritten. Am langen Ende könnte es nach Einschätzung von Volkswirtschaftlern so kommen, dass die Finanzspritze die Aufwertung des US-Dollars zur Folge hätte und auf die Weise die Exportwirtschaft der USA ausbremsen würde. Und damit ginge der Schuss nach hinten los.

Derzeit sind im Hintergrund komplizierte Verhandlungen im Gange, die sich um die Gegenfinanzierung der Steuerreform drehen. Es geht um eine große Anzahl von sehr speziellen Steuervergünstigungen für Privatpersonen und Unternehmen, die gestrichen werden könnten. Nach aktuellem Stand ist relativ unsicher, wer letzten Endes Privilegien einbüßt und wer von dem Vorhaben profitiert. Im Grunde wäre es sinnvoll, dass sich der Präsident in dieser Phase zurückhält.

Der Ökonom James Rickards rechnet nicht damit, dass die Steuerreform noch in diesem Jahr kommen wird. Selbst für das kommende Jahr seien die Aussichten schlecht. Für die Aktienmärkte bedeutet dies, dass es spätestens Ende Dezember, wenn das Vorhaben im Kongress keine Mehrheit findet, eng wird.

„Es wird in diesem Jahr keine Steuerreform mehr geben. Vergessen Sie es. Vielleicht im nächsten Jahr, aber auch das ist unklar. Die Aktienmärkte haben seit dem vergangenen November die Steuerreform bereits vier oder fünf Mal eingepreist. Die Wall Street liebt diese Story. Ein Scheitern der Verhandlungen könnte eine 10-prozentige Korrektur an den Märkten auslösen. Eine Korrektur von etwa 10 Prozent ist nicht das Ende der Welt, aber sie würde viele Investoren wachrütteln. Die Zeit scheint reif dafür zu sein, das Engagement in Aktien zurückzufahren und mehr Bargeld zz halten“, schreibt Rickards in einem Brief an Klienten.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Über den Umweg EU-Erweiterung: Will sich die Nato noch weiter ausdehnen?

DWN-Kolumnist Ronald Barazon analysiert die Bestrebungen, zwei weitere Länder in die EU aufzunehmen.

DWN
Politik
Politik Vor Corona: EU erarbeitete Aktionsplan zur umfassenden Impfung der Bevölkerung

Die EU-Kommission hatte zwei Jahre vor der Corona-Pandemie eine „Roadmap zur Impfung“ für die öffentliche Gesundheit ausgearbeitet....

DWN
Politik
Politik Demonstranten zünden Frankreichs Zentralbank an

Im Verlauf der regierungskritischen Massenproteste in Frankreich haben Demonstranten in Paris das Gebäude der französischen Zentralbank...

DWN
Politik
Politik „Nachhaltige“ Finanzierung und grüne Planwirtschaft: Hinter dem Great Reset stecken Sozialisten im Schafspelz

In nicht allzu ferner Zukunft dürfen Anleger vermutlich nur noch Wertpapiere „nachhaltiger“ Unternehmen kaufen. Die Big Player...

DWN
Deutschland
Deutschland Der ständige Vorwurf der „Verschwörungstheorie“ treibt die Deutschen zur Weißglut

Der inflationär erhobene Vorwurf der „Verschwörungstheorie“ gegen die Bürger ist hochgefährlich. Die Urheber dieser Kritik bewirken...

DWN
Finanzen
Finanzen So erfüllt sich Ihr Traum vom Eigenheim

Das Eigenheim als Altersvorsorge? Viele Deutsche träumen davon. Doch nur wenige besitzen hierzulande tatsächlich die Immobilie, die sie...

DWN
Politik
Politik DWN-Spezial: Schwere Unruhen erschüttern Paris, Lage ist sehr ernst

In Paris haben sich am Samstag 46.000 Menschen zu einer Kundgebung gegen Polizeigewalt und gegen ein neues Sicherheitsgesetz zur...

DWN
Politik
Politik Japans Dilemma: Heikler Balanceakt zwischen zwei Supermächten

In der siebten Folge der großen geopolitischen DWN-Serie analysiert Moritz Enders, welch schwierigen Spagat der Inselstaat Japan...

DWN
Deutschland
Deutschland Radio Russkij Berlin: "Wir senden für die größte Migrantengruppe in Deutschland"

"Radio Russkij Berlin" geht für die russischsprachigen Migranten in Deutschland, die mittlerweile eine lukrative Kundengruppe bilden, auf...

DWN
Politik
Politik Russland will Kooperation mit der Türkei auf die Schwarzmeer-Region ausweiten

Russland will seine Kooperation mit der Türkei auf die Schwarzmeer-Region ausweiten. Die beiden Länder führen bereits in Syrien,...

DWN
Technologie
Technologie Die unbekannten deutschen Väter der Raumfahrt

Die Raumfahrt wurde in den Anfangsjahren maßgeblich von den USA und der Sowjetunion vorangetrieben. Ohne deutsche Vorarbeit wären die...

DWN
Finanzen
Finanzen Die Befürworter des digitalen Euro starten eine PR-Offensive

EZB-Direktor Panetta fordert die rasche Einführung eines digitalen Euro. Unterstützung erhält er dabei auch von Bundesfinanzminister...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Krise bei Daimler - ein Vorgeschmack auf die internen Kämpfe, die deutschen Autobauern noch bevorstehen

Im zunehmend eskalierenden Streit bei Daimler droht die Führung dem Betriebsrat nun offen. Die Auseinandersetzungen sind Folge des...

DWN
Finanzen
Finanzen Inflation voraus? Die in der Eurozone zirkulierende Geldmenge M1 wächst stark

Die in der Eurozone zirkulierende Geldmenge zeigt deutliche Zuwachsraten. Insbesondere das starke Wachstum der liquiden Menge M1 könnte...