Finanzen

Banken in Südeuropa verringern Bestand an faulen Krediten

Lesezeit: 2 min
28.10.2017 21:29
Die Banken in Südeuropa konnten in den vergangenen Monaten ihren Bestand an faulen Krediten deutlich abbauen.
Banken in Südeuropa verringern Bestand an faulen Krediten

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

+++Werbung+++

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Großbanken in Südeuropa haben in den vergangenen Monaten eine große Zahl ausfallgefährdeter Kredite abgebaut. Die zweitgrößte spanische Bank BBVA senkte im dritten Quartal den Bestand an faulen Krediten um 1,5 Milliarden Euro, bei Sabadell betrug der Abbau rund 500 Millionen Euro, wie die Geldhäuser am Freitag mitteilten. Auch Banco Santander hatte die Altlasten reduzieren können, wie die größte spanische Bank am Donnerstag mitgeteilt hatte. Wie auch anderen europäische Geldhäusern machen die von der EZB verursachten niedrigen Zinsen den spanischen Banken zu schaffen. Bei BBVA sank der Zinsüberschuss um zwei Prozent, bei Sabadell um vier Prozent.

Auf der Suche nach einem Ausweg haben spanische Banken ihr Auslandsgeschäft ausgebaut. BBVA profitierte im dritten Quartal vom starken Geschäft in Mexiko, der Nettogewinn des Konzerns stieg um 19 Prozent auf 1,14 Milliarden Euro. Der Überschuss von Sabadell fiel dagegen um acht Prozent auf 203 Millionen Euro.

Auch italienische Banken konnten im zweiten Quartal mehr faule Kredite abbauen als Geldhäuser in anderen Euro-Ländern. Insgesamt verringerten sie ihren Altbestand an Problemdarlehen in Italien um rund ein Fünftel auf 212 Milliarden Euro, wie am Dienstag aus Daten der EZB-Bankenaufsicht hervorging. Insgesamt schleppten Geldhäuser in der Euro-Zone als Hinterlassenschaft der Finanz- und Wirtschaftskrise noch 844 Milliarden Euro an faulen Krediten mit sich herum – rund acht Prozent weniger als im ersten Quartal 2017. Auf Italien entfällt immer noch rund ein Viertel.

Der riesige Berg fauler Kredite ist eine der größten Probleme der europäischen Branche. Denn damit nimmt tendenziell die Bereitschaft der Banken ab, neue Darlehen auszugeben, was das Wirtschaftswachstum bremst. Die EZB-Aufsicht hatte erst kürzlich neue Richtlinien veröffentlicht, wie Banken künftig mit neuen Problemkrediten umzugehen haben.

Der Vorstoß ist allerdings in Italien auf heftige Kritik gestoßen. Dort wird befürchtet, dass die Vorgaben Banken zu stark belasten und sie deshalb bei der Vergabe neuer Darlehen zurückhaltender agieren. Richtlinien zum Umgang mit dem Altbestand an notleidenden Darlehen will die Aufsicht bis Ende des ersten Quartals 2018 vorstellen. Laut Notenbank-Insidern könnte die scharfe Kritik zur Folge haben, dass die Bankenwächter die Vorschläge abmildern.

Die Frage der faulen Kredite hat auch die Spitze der Zentralbank des Landes erreicht. Vor der Entscheidung über die Zukunft des Notenbankchefs von Italien hat sich Ex-Ministerpräsident Matteo Renzi mit heftiger Kritik am Amtsträger zu Wort gemeldet. Der Chef der Regierungspartei PD sprach am Donnerstag in einem Interview mit dem Sender Radio Capital davon, dass die Zentralbank in Rom unter der Führung von Ignazio Visco zu einem „Schwachpunkt im System“ geworden sei. Er fügte hinzu: „Sollte man es der Mühe wert erachten, Ignazio Visco im Amt zu bestätigen, hoffe ich, dass die nächsten sechs Jahre besser werden. Schlimmer kann es kaum mehr werden.“ Ende des Monats läuft die Amtszeit Viscos ab, der als enger Verbündeter von EZB-Präsident Mario Draghi gilt. Er war zuletzt heftig unter Beschuss geraten, da im Zuge der Bankenkrise in den vergangenen zwei Jahren zehn Institute schließen mussten.

Ihm wird vorgehalten, zu lange zugesehen zu haben, wie sich faule Kredite in den Bank-Bilanzen anhäuften. Lange galt eine Verlängerung von Viscos Amtszeit als ausgemachte Sache. Doch das ist nach der Kritik, in die sich jüngst auch Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi einreihte, ungewiss. Ministerpräsident Paolo Gentiloni dürfte noch im Laufe des Tages einen Brief an die Banca d'Italia schicken, in dem er seinen Favoriten für den Posten benennen wird. Staatspräsident Sergio Mattarella entscheidet letztlich über die Nominierung.

Für deutsche Institute ist das Problem weniger stark ausgeprägt. Im zweiten Quartal saßen sie den EZB-Daten zufolge noch auf notleidenden Krediten in Höhe von 65 Milliarden Euro – das sind rund sechs Prozent weniger als im ersten Quartal.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Technologie
Technologie Wissenschaftler von Elite-Uni warnen vor hartem Lockdown: Massive Folgeschäden wahrscheinlich - doch Studie wird ignoriert

Eine Gruppe von Professoren einer der weltbesten Universitäten kommt in einer am 5. Januar dieses Jahres veröffentlichten Studie zu dem...

DWN
Politik
Politik Merkel saniert den Staatshaushalt über Niedrigzinsen, während Biden auf die Inflation setzen wird

Durch die Niedrigzinspolitik der EZB konnte der deutsche Staat seinen Haushalt sanieren. Die USA werden hingegen als neues Vehikel die...

DWN
Technologie
Technologie Erde dreht sich schneller um die eigene Achse als je zuvor

Wissenschaftler haben festgestellt, dass sich die Erde in letzter Zeit schneller um ihre Achse dreht als je zuvor.

DWN
Politik
Politik Spahn zu Corona: „Es ist noch nicht vorbei“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn fordert von den Deutschen, dass sie die Verlängerung des Lockdowns akzeptieren. „Es ist noch nicht...

DWN
Finanzen
Finanzen „Jeder vierte Selbstständige von Berufsunfähigkeit betroffen“

Selbstständige müssen noch mehr als Angestellte eine Berufsunfähigkeit fürchten, da sie in der Regel wenig Anspruch auf staatliche...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB: Vorerst keine weitere Verschärfung des Anti-Krisen-Kurses

Im Dezember hat die Europäische Zentralbank im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise kräftig nachgelegt. Nun hält die...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutschland muss zurück zur sozialen Marktwirtschaft

Der Raubtier-Kapitalismus führt zu massiver sozialer Kälte. Doch die Alternative, staatswirtschaftliche, im schlimmsten Fall...

DWN
Politik
Politik „Für Impf-Freiheit“: Volksbegehren in Österreich hat bisher 120.000 Unterstützer

In Österreich wurde ein Volksbegehren „Für Impf-Freiheit“ eingeleitet. Das Volksbegehren konnte bisher 120.000 Unterstützer finden....

DWN
Unternehmen
Unternehmen EU kämpft sich bei gesetzlichen Regelungen für künstliche Intelligenz weiter vor

Für die Technologie fehlt immer noch der notwendige gesetzliche europäische Rahmen. Jetzt hat das EU-Parlament einen neuen...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Dämpfer für Merkel: EU-Parlament kritisiert Pläne für Investitionsabkommen mit China

Das Europaparlament kritisiert das geplante Investitionsabkommen der EU mit China scharf. Den Deal, der Geheimklauseln enthält, hatten...

DWN
Finanzen
Finanzen Schlag gegen das Bargeld: EU-Kommission unterstützt Einführung eines digitalen Euro

Die EU-Kommission unterstützt Pläne der Europäischen Zentralbank zur Einführung des digitalen Euro. EU-Kommissionsvizepräsident Valdis...

DWN
Politik
Politik London will EU-Diplomaten nicht als Vertreter von Nationalstaaten behandeln – Brüssel ist erbost

Die britische Regierung will der EU-Vertretung in London nicht den üblichen diplomatischen Status gewähren. Denn dadurch müssten die...

DWN
Politik
Politik Feuer beim weltgrößten Impfstoffproduzenten in Indien - Fünf Tote

In einem Gebäude des weltweit größten Impfstoffproduzenten in Indien ist am Donnerstag ein Großfeuer ausgebrochen. Dabei starben...

DWN
Politik
Politik Fast ein Drittel der US-Amerikaner lehnt eine Impfung ab

Etwa ein Drittel der US-Amerikaner beäugen Impfstoffe mit Argwohn. Besonders hoch ist die Ablehnung dann, wenn es um einen Impfstoff aus...