Finanzen

China steigt zum wichtigsten Markt des Mittelstandes auf

Lesezeit: 3 min
04.11.2017 17:36
Die Volksrepublik China ist drei Jahrzehnte nach Beginn ihrer Öffnungspolitik zum wichtigsten Markt des Mittelstandes aufgestiegen.
China steigt zum wichtigsten Markt des Mittelstandes auf

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

+++Werbung+++

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

China ist in den vergangenen Jahren zum wichtigsten (Zukunfts-)Markt für den deutschen Mittelstand aufgestiegen. Die Bestrebungen der Regierung, die Infrastruktur massiv auszubauen, eröffnen deutschen Produzenten große Absatzmärkte und Kooperationsmöglichkeiten. 540 Milliarden US-Dollar sollen allein in die Erweiterung des Schienennetzes fließen, Flug- und Seehäfen aus- oder neu gebaut werden. Die chinesische Regierung plant zwar massive Investitionen in die bereits existierenden Wirtschafts- und Industriezentren in küstennahen Regionen. Sie verfolgt aber weiterhin auch das Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung im noch vergleichsweise unentwickelten Landesinneren voranzutreiben.

„Gerade mittelständische Unternehmen sollten sich auf einige wenige Regionen konzentrieren. An den drei Wirtschaftszentren an der Küste – der Bohai Region, dem Jangtse- sowie dem Perlflussdelta führt nach wie vor kein Weg vorbei. Dort, wo knapp die Hälfte des chinesischen Bruttoinlandsprodukts entsteht, schlägt das Herz der Wirtschaft des Landes“, erklärt Corinne Abele von der deutschen Außenhandelsgesellschaft Germany Trade & Invest. „Nachfragepotenzial, Wertschöpfungsketten, Industriecluster sowie Innovationsstrukturen kommen hier zusammen. Nicht umsonst sitzen mehr als 60 Prozent der deutschen Firmen in den Kernbranchen Maschinenbau, Kfz und Chemie im Jangtse-Delta bei Schanghai“, sagt sie.

Gerade in den Kleinstädten im Umland rund um die großen Metropolen an der Küste entstehen interessante neue Industriecluster. Bei richtigem Infrastrukturausbau werden sie künftig gegenüber den alten Metropolen im Osten, den noch weniger entwickelten Standorten im Inneren sowie im Westen des Landes an Attraktivität gewinnen. Auch vom Ausbau der Urbanitätszentren dürften sie stark profitieren.

Bis 2020 sollen landesweit 19 Städtecluster entstehen – viele davon im Osten des Landes. Doch auch der Westen holt auf. Vor allem die Regionen um Chengdu und Chongqing in Westchina gewinnen wirtschaftlich an Bedeutung. Befeuert durch Urbanisierung und E-Commerce steigt dort der Konsum besonders stark.

„Die ehemalige Peripherie rückt durch den Infrastrukturausbau immer näher an die traditionellen Wirtschaftszentren heran. Bereits jetzt verfügt China über das weltweit größte Hochgeschwindigkeitsbahnnetz, das bis 2020 rund 30.000 km umfassen soll. Auch wird das Projekt der „Neuen Seidenstraße“ mit ihren grenzüberschreitenden Transportkorridoren Westchina künftig stärker mit Europa verbinden. Dennoch gilt vor allem für den Mittelstand, ein dortiges Engagement sorgfältig abzuwägen“, erklärt eine andere Expertin von Germany Trade & Invest.

Mit dem vielversprechenden Engagement sind allerdings auch massive Arbeitsplatzverlagerungen nach China verbunden. „Das Modell, in Asien für Asien zu produzieren, hat sich bewährt. Wir werden diese Markterfahrungen als deutscher Mittelständler auch für das Reich der Mitte nutzen“, sagt Dr. Nicholas Matten, Geschäftsführer der Stiebel-Eltron-Gruppe, einem Hersteller von Haus- und Wärmetechnik. „Wir sehen China beispielsweise als interessanten Markt für Warmwasser und Lüftung. Die Bevölkerung und die Städte des Landes wachsen und sind zunehmend auf Lösungen zur Warmwasserbereitung und Lüftung angewiesen, die grüne Umweltstandards erfüllen. In China sind wir ohnehin mit einem Produktionsstandort vertreten. Vorrangig ist nun für uns, Produktion und Vertrieb vor Ort enger zu verzahnen. Mit diesem Ziel treiben wir die Strategie 'Enginered in Germany – Made in China for China' konsequent voran. Dabei stützen wir uns auf die Erfahrungen, die wir in den inzwischen rund 20 Jahren unserer Präsenz in Asien gemacht haben.“

Die Öffnung Chinas in den vergangenen drei Jahrzehnten und die Intensivierung der Handelsbeziehungen hat zudem dazu geführt, dass Chinesen in Deutschland vermehrt Unternehmen kaufen. Nach dem Roboterhersteller Kuka könnte nun ein weiterer deutscher Anlagenbauer nach China verkauft werden. Für die FFT Produktionssysteme aus Fulda interessierten sich der Industrie-Ausrüster Jiangsi Hagong Intelligent Robot, Shanghai Electric und der deutsch-chinesische Investor AGIC Capital, sagten zwei mit dem Verkaufsprozess vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Als Hersteller von Industrie-Robotern und Automatisierungstechnik könnte Jiangsu Hagong der aussichtsreichste Bieter sein.

Der Maschinenbau gehört zu den Branchen, in denen China strategisch zukaufen will. Insbesondere der Verkauf des Augsburger Roboter-Herstellers Kuka an den chinesischen Hausgerätekonzern Midea hatte für große Diskussionen um einen Ausverkauf deutscher Technologie nach Fernost gesorgt.

China war 2016 zum wichtigsten Handelspartner Deutschlands aufgestiegen und löste die USA in dieser Position ab. Importe und Exporte summierten sich auf rund 170 Milliarden Euro. Weil rund 45 Prozent aller deutschen Exporte auf Mittelständler entfallen, hat China auch eine große Bedeutung für den deutschen Arbeitsmarkt. Die Umsätze der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) stiegen 2016 um 3,9 Prozent und damit um den höchsten Wert seit fünf Jahren, die durchschnittliche Umsatzrendite lag wie im Vorjahr bei guten 7,3 Prozent. Als Arbeitgeber sind die mittelständischen Unternehmen so bedeutend wie nie zuvor. Im Jahr 2016 ist die Zahl der Erwerbstätigen im Mittelstand um 1,46 Millionen noch einmal stark gewachsen (+4,6 Prozent). Derzeit ist insgesamt die Rekordsumme von 30,9 Millionen erwerbstätigen Personen in kleinen und mittleren Unternehmen beschäftigt. Erstmals überschreitet der Anteil von KMU an der Erwerbstätigkeit die Marke von 70 % (70,4 Prozent). Demgegenüber haben Großunternehmen und der öffentliche Sektor im Jahresvergleich zum wiederholten Mal Beschäftigung abgebaut, und zwar um 432.000 Personen. Das geht aus dem repräsentativen KfW-Mittelstandspanel 2017 hervor.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Wendejahr 2020: China zieht erstmals die höchsten Direktinvestitionen an

Zum ersten Mal in der neueren Geschichte konnte China so viele ausländische Direktinvestitionen anziehen wie kein anderes Land der Welt...

DWN
Politik
Politik In Europas Metropolen beginnen Corona-Unruhen

In den Niederlanden, Dänemark und Spanien fanden am Wochenende gewaltsame Anti-Corona-Proteste statt. Besonders große Unruhen fanden in...

DWN
Deutschland
Deutschland Schock-Umfrage: 175.000 Unternehmen sehen sich von Insolvenz bedroht

Zahlreiche deutsche Unternehmen stehen nach eigenen Angaben vor dem Aus. Das geht aus einer aktuellen DIHK-Umfrage hervor.

DWN
Finanzen
Finanzen EZB betritt gefährliches Neuland: Manipulation der Renditespannen

Die EZB eskaliert die Manipulation des Anleihemarktes. Mit verstärkten Wertpapierkäufen will sie die Renditen zwischen guten und...

DWN
Finanzen
Finanzen Konkurrenz zum Bargeld: EU-Pläne zu digitalem Euro werden konkret

Die EU-Kommission unterstützt die Pläne der Europäischen Zentralbank zur Einführung eines digitalen Euros. Wirtschaft und Finanzwesen...

DWN
Politik
Politik Bundesregierung erneut im Panikmodus: „Ausbreitung von gefährlichen Corona-Varianten“

Noch steht sie am Anfang - doch die Ausbreitung der hochansteckenden Corona-Varianten in Deutschland droht sich rasant zu beschleunigen,...

DWN
Politik
Politik EU legt Sanktionspläne gegen Türkei auf Eis

Die geplanten neuen EU-Sanktionen gegen die Türkei werden zunächst nicht verhängt. Hintergrund sind die aktuellen Bemühungen um eine...

DWN
Politik
Politik Die Corona-Krise führt zum Zusammenbruch der Nationalstaaten

Die Corona-Maßnahmen haben die Staatsschulden der Nationen und die Schulden der Unternehmen in astronomische Höhen schnellen lassen. Die...

DWN
Politik
Politik Am 20. März 2021: Reichsbürger oder Provokateure planen neue Aktion vor dem Reichstag

Aus Social Media-Recherchen der DWN geht hervor, dass Reichsbürger oder Provokateure am 20. März 2021 zu einer neuen Kundgebung vor dem...

DWN
Deutschland
Deutschland Regierung: Bürger können bald Corona-Tests für zuhause kaufen

Die Deutschen sollen bald Zugang zu Heimtests bekommen. Das Bundesgesundheitsministerium plant eine entsprechende Änderung der...

DWN
Politik
Politik Italien: Die eigenen Abgeordneten rufen Premier Conte zum Rücktritt auf

Medienberichten zufolge könnte Ministerpräsident Conte bereits am Dienstag seinen Rücktritt einreichen, um in der Folge eine neue...

DWN
Politik
Politik Medienberichte: Frankreich droht ein dritter Lockdown

Präsident Emmanuel Macron könnte noch in dieser Woche landesweite Ausgangsbeschränkungen verkünden, berichten französische Medien....

DWN
Finanzen
Finanzen Ausgabe "grüner" Anleihen erreicht neues Rekordniveau

Grüne Anleihen sind gefragt wie nie. Nach der Rekordemission im letzten Jahr wird auch für 2021 ein neuer Rekord erwartet.

DWN
Politik
Politik US-Flugzeugträger sorgt für neue Spannungen mit China

China hat die Entsendung des US-Flugzeugträgers «USS Theodore Roosevelt» in das umstrittene Südchinesische Meer kritisiert. Doch auch...