Finanzen

Anleger hoffen auf Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank

Lesezeit: 2 min
20.11.2017 17:03
Der Einstieg des Finanzinvestors Cerberus bei der Commerzbank und der Deutschen Bank nährt bei Anlegern die Erwartung einer Fusion.

Mehr zum Thema:  
Banken >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Banken  

Spekulationen im Hinblick auf eine Übernahme oder Fusion der Commerzbank und der Deutschen Bank haben in der vergangenen Woche neue Nahrung erhalten. Nachdem der US-Finanzinvestor Cerberus einen Anteil von 5,01 Prozent an der Commerzbank erworben hatte, bestätigte die Gesellschaft dieser Tage in einer Stimmrechtsmitteilung den Einstieg bei der Deutschen Bank mit einem Anteil von mindestens drei Prozent.

Die US-amerikanische Investmentfonds-Managementgesellschaft Cerberus Capital Management ist nach dem Höllenhund der griechischen Mythologie benannt. Ihr Gründer und Chef gilt als konsequenter Sanierer, der erst kürzlich die österreichische Bawag-Bank umstrukturiert hatte.

Das Vorgehen von Cerberus wurde in Finanzkreisen als cleverer Schachzug bezeichnet und heizte Gerüchte und Spekulationen über eine eventuelle Fusion oder Kooperation zwischen beiden Geldinstituten wieder an. „Falls Commerzbank und Deutsche Bank fusionieren, befindet sich Cerberus nun in einer Pole Position“, kommentierten Marktteilnehmer den Vorgang. Rund um die Aktie der Deutschen Bank ist in der jüngsten Vergangenheit einiges in Bewegung geraten. Erst zu Beginn der vergangenen Woche hatte das größte deutsche Kreditinstitut darüber informiert, dass nun knapp sieben Prozent seiner Anteile von der US-Investmentbank Morgan Stanley beansprucht würden.

Obwohl einige Anleger darüber gemutmaßt hatten, steht nach Informationen des Handelsblatts der Erwerb der Deutsche Bank-Aktien von Cerberus nicht im Zusammenhang mit dem Anteil, den sich Morgan Stanley gesichert hatte. Das Engagement der Großinvestoren blieb natürlich auch dem Börsenparkett nicht verborgen: Der Kurs der Deutschen Bank Aktie legte entgegen dem allgemeinen Trend auf Sicht der zurückliegenden fünf Tage um knapp 6,5 Prozent zu. Auch die Anleger der Commerzbank-Aktie konnten sich seit Mittwoch über einen Anstieg von 6,67 Prozent freuen.

Am Montagmittag lag die Aktie der Commerzbank mit etwa 1,8 Prozent im Plus. Die Aktie der Deutschen Bank lag mit knapp 1 Prozent im Plus.

Zwischen den beiden deutschen Geldinstituten hatte es bereits im vergangenen Jahr erste Verhandlungen über einen möglichen Zusammenschluss gegeben. Allerdings einigten sich damals die Vorstände darauf, dass sich jeder für sich erst einmal neu aufstellen müsse. Infolge dessen waren die Gespräche zunächst recht bald beendet gewesen.

Allerdings gibt es erheblichen Widerstand zumindest in einem der beteiligten Lager. Die Commerzbank wappnet sich seit Wochen nach Informationen von Insidern mit Hilfe von zwei großen Investmentbanken für eine mögliche Übernahmeschlacht. Das zweitgrößte deutsche Geldinstitut habe Experten von Rothschild und Goldman Sachs angeheuert, die alternative Optionen prüfen und sie bei Abwehrmaßnahmen beraten sollen. Angeblich sei der Einstieg von Cerberus bei der Commerzbank der Auslöser für den Vorstand gewesen, die Berater zu verpflichten.

Die Commerzbank-Aktie war in den vergangenen Monaten immer wieder durch Übernahmefantasien angetrieben worden. Zum Handelende am Freitag notierte der Titel mit einem satten Wochengewinn bei 12,10 Euro, seit Jahresbeginn bedeutet dies ein Anstieg von immerhin etwa 60 Prozent. Dennoch sind die Commerzbank-Papiere immer noch weit von dem Betrag entfernt, den der Staat erzielen müsste, um sich von seinem Anteil an dem Kreditinstitut ohne Verlust trennen zu können. Die Bundesregierung hatte der Bank in der Finanzkrise 2008/09 mithilfe des staatlichen Rettungsfonds SoFFin unter die Arme gegriffen und Commerzbank-Anteile für 5,1 Milliarden Euro (15,6 Prozent) erworben.

Es ist auch nicht zu erwarten, dass die zukünftige Regierungskoalition an früheren Zusagen etwas ändert: Man wolle für den Steuerzahler perspektivisch ein gutes wirtschaftliches Ergebnis erzielen und man stehe nicht unter Zeitdruck. Allerdings gibt es in Berlin auch andere Ansichten: Die Beteiligung langfristig zu halten, sei von niemand beabsichtigt – irgendwann werde man einen Verlust realisieren müssen. Dennoch besteht nach dem Einstieg des neuen Großinvestors sowohl bei der Deutschen Bank als auch bei der Commerzbank neue Hoffnung, dass der Bund am Ende nicht draufzahlen muss. Schließlich könnte Cerberus, die selbst natürlich auch von einer möglichen Fusion profitieren und diese schon deshalb aktiv vorantreiben würde, dem Kurs beider Aktien den entscheidenden Kick geben.


Mehr zum Thema:  
Banken >

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von Big Tech in der Cloud
14.07.2024

Die digitale Transformation hat in den letzten Jahren einen enormen Schub erfahren, und die Cloud-Technologie spielt dabei eine zentrale...

DWN
Panorama
Panorama Schutz vor Vogelgrippe: Wie gut ist Deutschland auf die nächste Pandemie vorbereitet?
14.07.2024

Virologen sehen das Vogelgrippevirus H5N1 als potenziellen Pandemie-Kandidaten. Was das für Deutschland bedeutet und warum Experten...

DWN
Politik
Politik Der letzte Diktator Europas? Lukaschenko feiert 30 Jahre im Amt und 70. Geburtstag
14.07.2024

Seit drei Jahrzehnten lenkt Alexander Lukaschenko, der als letzter Diktator Europas gilt, die Geschicke von Belarus. In diesem...

DWN
Politik
Politik Trump-Attentat: Schüsse bei Wahlkampfauftritt und die Sorge vor einer Gewaltspirale
14.07.2024

Wahlkampfauftritt von Donald Trump in Pennsylvania. Plötzlich fallen Schüsse, am Ohr des Ex-Präsidenten ist Blut, ein Attentat! Die...

DWN
Finanzen
Finanzen Zinswende: Wo gibt es noch Zinsen von über 4 Prozent?
14.07.2024

Die Geschäftsbanken senken bereits seit Monaten die Tages- und Festgeldzinsen. Wo erhalten Sparer noch die höchsten Renditen für relativ...

DWN
Technologie
Technologie Der schwierige Verzicht auf chinesische Technologie im 5G-Netz - eine Kurzanalyse
14.07.2024

Die Bundesregierung und die deutschen Mobilfunknetzbetreiber haben sich nach langen Diskussionen auf einen umfassenden Ausschluss...

DWN
Panorama
Panorama Forscher raten zu Lehren aus schweren Radunfällen auf Landstraßen
14.07.2024

Im Verkehr sind immer mehr Radfahrer unterwegs - und es gibt mehr Unfälle. Auch auf dem Land. Was tun?

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilie verkaufen: Mit diesen Marktanalysen und Tipps gelingt der Immobilienverkauf
14.07.2024

Im aktuellen Markt gibt es wohl kaum eine bessere Anlage als eine Immobilie in guter Lage. Der perfekte Zeitpunkt also, um zu verkaufen,...