Finanzen

Anleger ziehen sich aus Chinas Aktienmarkt zurück

Lesezeit: 2 min
29.11.2017 17:04
Die Kurse an den chinesischen Aktienmärkten sinken, nachdem die Regierung die Kontrolle über den grauen Kapitalmarkt verschärft hatte.
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Innerhalb weniger Tage sind die chinesischen Aktienmärkte und die Leitindizes CHINEXT, Shanghai Composite sowie Shenzhen Composite Index um mindestens drei Prozent gefallen. Das ist bemerkenswert, weil andere Börsen wie der Dow Jones Industrial Average (plus 0,3 Prozent im gleichen Zeitraum) Verluste diesen Ausmaßes nicht verzeichnet haben.

Pläne der chinesischen Behörden für eine stärkere Regulierung des Finanzmarktes hatten Anleger am Dienstag vorsichtiger werden lassen. Auch am Mittwoch kam es zu moderaten Verlusten. Der CSI 300, der die 300 wichtigsten Werte aus Festland-China umfasst, ging mit einem Verlust von 0,05 Prozent auf 4053,75 Punkten aus dem Handel. In Hongkong lag der Hang Seng bis kurz vor Handelsschluss ebenfalls leicht im Minus.

Die chinesische Verwaltung verfolgt die Absicht, Schattenbanken und die im Land weitverbreiteten spekulativen Finanzierungsformen aller Art zu bekämpfen. Was allerdings in China als Schattenbank bezeichnet wird, hat mit dem hierzulande gebräuchlichen Begriff „Schattenwirtschaft“ wenig zu tun. Vielmehr ist damit im Reich der Mitte die Art der Kreditaufnahme gemeint, die in der westlichen Welt über „Peer-to-peer“(P2P)-Plattformen, also von Privatmann zu Privatmann, erfolgt.

Da es für zahlreiche chinesische kleine und mittlere Unternehmer sowie für Privatleute nahezu unmöglich ist, ein Darlehen von einer der staatlichen Banken zu erhalten, ist ein grauer Finanzmarkt entstanden. Dabei werden die Kredite von Privatpersonen und oft auch von weniger seriösen Geschäftemachern, die ansonsten kaum etwas mit der Kreditwirtschaft zu tun haben, bereit gestellt. Gewissermaßen also im Schatten der von den Behörden überwachten Geldinstitute. Eine der bekanntesten P2P-Plattformen in China ist lu.com, die das Ziel verfolgt, Marktplatz, Schuldner und Gläubiger zueinander zu bringen.

Bereits im Sommer hatte Liu Zhiqing, Vize-Generaldirektor der chinesischen Bankenaufsicht, erklärt, die Umsetzung der strikteren Aufsichtsmaßnahmen habe einige positive Ergebnisse erzielt. Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters sind einige dem grauen Sektor zuzuordnende Geschäfte damals bereits erheblich zurückgegangen.

Die neuerlichen Hinweise darauf, dass die chinesische Regierung nunmehr die Tonlage verschärft und den Finanzgeschäften außerhalb von streng regulierten Geldinstituten den Kampf angesagt hat, haben in der jüngsten Vergangenheit dazu geführt, dass die wichtigsten chinesischen Aktienbarometer deutlich gefallen sind. Chinesische Anleger werden derzeit wohl von Befürchtungen getrieben, dass die Geschäfte an den Aktienmärkten und die Gewinne für Börsenhandel und Banken zurückgehen.

Die Korrektur an den chinesischen Aktienmärkten begann am 22.11.2017. An diesem Tag hat der bedeutendste Index der Volksrepublik, der SSE Composite (Shanghai Stock Exchange Composite Index), der sämtliche so genannten A- und B-Aktien Chinas umfasst, um etwa 3,3 Prozent nachgegeben. Auch der Shenzhen Composite Index, der 500 große, mittlere und kleinere Unternehmen der Börse Shenzhen umfasst, verlor innerhalb weniger Tage von etwa 1.890 auf 1.990 Punkte etwa 5,2 Prozent. Der CHINEXT, der Technologie-Index (ähnlich der NASDAQ) des chinesischen Aktienmarktes, verlor im gleichen Zeitraum rund 4,8 Prozent.

Die Sorgen der chinesischen Finanzwächter scheinen nicht unberechtigt zu sein: Erst im Frühjahr dieses Jahres kam es zu einem Eklat bei der Shanghai Kuailu Investment Group. Vor den Büros dieser Gesellschaft hatten sich aufgebrachte Anleger, die aus allen Landesteilen angereist waren, versammelt und ihrem Unmut Luft gemacht, indem sie ihre Investitionen zurückforderten. Zuvor hatte die Schattenbank von 250.000 privaten Investoren Geld eingesammelt – und die Tilgung der Geldanlagen eingestellt.

Etwa zur gleichen Zeit hatten sich bei der P2P-Plattform Ezubo sogar umgerechnet über 7 Milliarden Euro von beinahe einer Million Privatanlegern in Luft aufgelöst. Experten des chinesischen Finanzmarktes gehen davon aus, dass es sich hierbei um ein betrügerisches Schneeballsystem gehandelt habe. 21 Angestellte der Plattform seien festgenommen worden.

Auch seitens des Internationale Währungsfonds (IWF) mit Sitz in Washington gab es Warnungen vor Chinas P2P-Plattformen und den Schattenbanken, die nach Ansicht des Fonds eine Gefarh für die internationalen Finanzmärkte seien. Nach Schätzungen des IWF sind etwa 50 Prozent aller hochverzinslichen „Vermögensmanagement-Produkte“ Chinas, zu denen auch die private Kreditvergabe zählt, ausfallgefährdet.

Unabhängig von den möglichen neuen Regularien für den chinesischen Finanzmarkt hat die Polizei erst vor wenigen Tagen einen Schlag gegen eine Organisation für illegale Kapitalexporte ausgeführt. Der Gruppe sei es gelungen, über 20 Milliarden Yuan (umgerechnet 2,6 Milliarden Euro) illegal außer Landes zu schaffen und dabei staatliche Finanzkontrollen zu umgehen.

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