Triumph für Škoda und wachsende Abhängigkeit von China
Die Auszeichnung German Car of the Year 2026 ist für Škoda mehr als ein weiterer Pokal. Sie signalisiert der Branche, dass die Phase der teuren Pionier-Elektroautos vorbei ist. Heute gewinnen Fahrzeuge, die Jury, Händler und Käufer gleichermaßen überzeugen.
Der Gesamtsieg geht an den Škoda Elroq, einen kompakten Elektro-SUV der Volkswagen-Gruppe. Im Finale setzte er sich gegen alle Klassensieger durch, von der preiswerten Dacia Bigster bis zum leistungsstarken Lucid Air Sapphire. Bei der symbolischen Übergabe in Mladá Boleslav nahm Vorstandschef Klaus Zellmer den Pokal entgegen und betonte, dass die Auszeichnung nicht nur dem Auto, sondern dem gesamten Team gilt.
Parallel zur Innovationskraft deutscher Automobilmarken wächst die Abhängigkeit vom chinesischen Markt. China ist seit vielen Jahren ein bevorzugter Absatzraum zahlreicher deutscher Unternehmen. Besonders die Automobilindustrie ist stark gebunden, was sich in sinkenden Neuzulassungen, geringeren Einnahmen und schrumpfenden Margen niederschlägt.
German Car of the Year: Konzept und Bewertung
Gcoty hat sich in weniger als zehn Jahren zu einer der einflussreichsten europäischen Autoauszeichnungen entwickelt. Die Jury unter Leitung von Jens Meiners und Bernd Hitzemann wählt Modelle aus, die die Zukunft des Autos am überzeugendsten repräsentieren.
Die Auswahl erfolgt in fünf Klassen. Budget umfasst Fahrzeuge bis 25.000 Euro, Compact bis 40.000 Euro, Premium bis 70.000 Euro, Luxury über 70.000 Euro und Performance deckt Sport- und Hochleistungsmodelle ab. Für 2026 wurden zunächst die Klassensieger gewählt: Dacia Bigster gewann die Budget-Klasse, Škoda Elroq die Compact-Klasse, Ioniq 9 die Premium-Klasse, Cadillac Vistiq die Luxury-Klasse und Lucid Air Sapphire die Performance-Klasse.
Die Jury ist unabhängig und vielfältig. Sie besteht aus über 40 Automobiljournalisten und Experten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und weiteren europäischen Ländern. Jedes Jahr werden zusätzlich rund 15 internationale Gastjuroren eingeladen.
Bewertet werden die Fahrzeuge nach Design, Ergonomie, Technologie, Innovation, Effizienz, Nachhaltigkeit, Fahrgefühl, Raumangebot, Alltagstauglichkeit sowie Preis-Leistungs-Verhältnis.
Vom Klassensieger zum Gesamtsieger
Der Elroq gewann bereits im Oktober die Compact-Klasse mit 27 Konkurrenten. Der Elektro-SUV überzeugt durch eine breite Auswahl an Antrieben, drei Batteriekapazitäten und eine Reichweite von bis zu 570 Kilometern. Er bietet Platz und Alltagstauglichkeit auf Familien-SUV-Niveau und bleibt preislich nah am Massenmarkt.
Im Finale hatte der Elroq den entscheidenden Vorteil durch seine Ausgewogenheit. Andere Kandidaten punkteten mit Preis, Luxus oder Leistung, doch der Škoda-SUV überzeugte in allen Kategorien und sicherte sich den Gesamtsieg. Diese Vielseitigkeit unterstreicht, wie wichtig die Anpassungsfähigkeit von Fahrzeugen für den europäischen Markt ist.
Technik, Design und Alltagstauglichkeit
Der Škoda Elroq basiert auf der MEB-Plattform des Volkswagen-Konzerns. Die Version 85 erreicht eine WLTP-Reichweite von über 570 Kilometern, die 85x-Variante mit Allradantrieb bis zu 540 Kilometer. Schnellladen an Gleichstromstationen erlaubt bis zu 175 Kilowatt, wodurch die Batterie in 25 bis 28 Minuten von zehn auf achtzig Prozent geladen werden kann.
Der Elroq ist der erste Serienwagen im Škoda-Design Modern Solid. Das Design zeichnet sich durch geschlossene Frontflächen, zweistufige Scheinwerfer, klare Linien und eine ausgeprägte Schulterlinie aus. Aerodynamik mit einem cw-Wert von 0,26 trägt zur hohen Reichweite bei.
Im Innenraum bietet er 470 Liter Kofferraumvolumen, erweiterbar auf 1.580 Liter. Ein ebener Boden, eine großzügige Rückbank und praktische Lösungen wie Eiskratzer und intelligente Staufächer erhöhen den Komfort. Das digitale Cockpit kombiniert einen großen zentralen Bildschirm mit einem Fahrerdisplay, die Software ist intuitiv bedienbar.
Der Elroq richtet sich an den Mainstream-Markt. Familien, die bisher einen Diesel-Compact-SUV nutzten, finden hier eine elektrische Alternative ohne Budgetüberschreitung. Reichweite, Ladegeschwindigkeit, Komfort, Assistenzsysteme und leise Kabine gewährleisten Alltagstauglichkeit.
Internationale Märkte und Abhängigkeit von China
Die starke Bindung deutscher Automobilhersteller an den chinesischen Markt ist eine wachsende Herausforderung. Nach Daten des Mercator-Instituts und Bloomberg beliefen sich deutsche Investitionen in China zwischen 2023 und 2024 auf 1,3 Milliarden Euro, zusätzlich zu zuvor investierten 4,4 Milliarden Euro. Volkswagen kündigte 2024 Investitionen von 2,5 Milliarden Euro in ein Entwicklungszentrum in Hefei an.
China ist inzwischen der wichtigste Automobilmarkt für Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW. Alle drei unterhalten dort ihre größten Entwicklungsstandorte außerhalb Deutschlands. Gleichzeitig kam es zu sinkenden Neuwagenverkäufen. Volkswagen verzeichnete ein Minus von 9,5 Prozent, Mercedes sechs Prozent und BMW 13,4 Prozent. Neue Zölle und steigende Produktionskosten verschärfen die Situation.
Bundeskanzler Friedrich Merz warnte vor einer übermäßigen Abhängigkeit von China. Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil reiste nach Peking, um die Sorgen der deutschen Wirtschaft zu thematisieren. Die Bundesregierung erkennt die Problematik, scheut aber vor konkreten Maßnahmen zurück. Die Branche selbst bemüht sich um Risikominimierung, sieht sich jedoch weiterhin geopolitischen und wirtschaftlichen Zwängen ausgesetzt.
Fazit: Innovation und strategische Neuausrichtung
Der Škoda Elroq zeigt, dass Deutschland bei Elektromobilität im Kompaktsegment führend sein kann. Effiziente, geräumige und preislich angemessene Elektrofahrzeuge treffen den Bedarf breiter Käufergruppen. Gleichzeitig macht die Abhängigkeit von China deutlich, dass die deutsche Automobilindustrie strategische Anpassungen braucht.
Deutschland muss Lieferketten diversifizieren und Investitionen breiter streuen, um Produktionsrisiken, Preisschwankungen und geopolitische Abhängigkeiten zu reduzieren. Elektromobilität, technologische Innovation und internationale Marktorientierung müssen künftig Hand in Hand gehen, um die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Hersteller langfristig zu sichern.



