Finanzen

Investoren gehen bei Anleihen voll ins Risiko

Lesezeit: 1 min
30.11.2017 17:16
Die Suche nach maximaler Rendite treibt Anleger in die Arme hochverschuldeter Unternehmen und Staaten.
Investoren gehen bei Anleihen voll ins Risiko

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

+++Werbung+++

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Auf der Suche nach Rendite nehmen immer mehr Investoren immer höhere Risiken in Kauf. Die in den westlichen Industriestaaten geltenden Niedrigzinsen und die damit verbundenen schwachen Gewinnmöglichkeiten haben dazu geführt, dass Anleger in beträchtlichem Umfang hochverschuldeten Unternehmen und Staaten Anleihen abkaufen, die mehr Zinsen abwerfen.

Wie die Financial Times berichtet, konnten Schwellenländer und dort angesiedelte Unternehmen im laufenden Jahr in großem Umfang Anleihen mit besonders langer Laufzeit verkaufen. Dem Datenanbieter Dealogic zufolge beträgt dieser Umfang mit über 500 Milliarden Dollar so viel wie nie zuvor.

Einem Analysten von Goldman Sachs Asset Management zufolge habe die Suche nach Rendite „zu einer Nachfrage nach Anleihen mit längeren Laufzeiten und geringerer Kreditqualität oder beidem zusammen“ geführt, berichtet die FT.

Je länger die Laufzeit einer Anleihe, desto höher ist das Risiko für den Geldgeber, dass der Schuldner ausfällt – etwa, weil es in der Zwischenzeit zu einer Rezession gekommen ist. Doch weil das Zinsniveau in den USA, Europa und Japan noch immer sehr niedrig ausfällt, lohnt es sich inzwischen für viele Investoren, das Risiko einzugehen und dafür höhere Zinsen einzunehmen.

Zu den riskanten Ländern, die im laufenden Jahr langlaufende Anleihen ausgegeben haben, gehört das finanziell angeschlagene Argentinien. Im Sommer verkaufte das Land eine Anleihe mit 100 Jahren Laufzeit zu einem Zins von 7,9 Prozent. Auch Österreich gab eine hundertjährige Anleihe aus und nahm dadurch 3,5 Milliarden Euro ein. Zudem kam es zu Anleihe-Emissionen mit dreißigjähriger Laufzeit durch Russland, Ägypten, Saudi-Arabien, Abu Dhabi und Kuwait.

Auch auf dem Markt für Unternehmensanleihen – und hier insbesondere bei Anleihen von hochverschuldeten Unternehmen („leveraged loans“) – macht sich der Trend zu riskanten Investitionen bemerkbar. Wie die Financial Times berichtet, wurde die Vergabestandards vor etwa 18 Monaten deutlich gesenkt. Der gesamte Markt für „leveraged loans“ wird auf etwa 940 Milliarden Dollar geschätzt.

Vor etwa einem halben Jahr sollen die Vergabestandards dann erneut deutlich abgesenkt worden sein, berichtet die FT unter Berufung auf den Gründer und Chef der New Yorker Ratingagentur Covenant Review, Adam Cohen. Wichtige Vertragsklauseln wie die Garantie eines allzeit offenen Kommunikationskanals zum Unternehmen oder Restriktionen weiterer Schuldenaufnahmen wurden aus den Verträgen gestrichen.

Auf solche besonders riskanten sogenannten „covenant lite“-Anleihen entfallen inzwischen 70 Prozent aller neuen „leveraged loans.“ Im Jahr 2008 waren es dagegen 30 Prozent. Die Sicherheits-Standards der damaligen Zeit seien heute komplett verschwunden. „Solange Investoren diese Anleihen kaufen, wird das immer weitergehen. Es wird alles einfach immer schlimmer“, wird ein Vize-Präsident der Ratingagentur Moody’s von der FT zitiert.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Halbzeit Urlaub bei ROBINSON

Wie wäre es mit einem grandiosen Urlaub im Juni? Zur Halbzeit des Jahres einfach mal durchatmen und an einem Ort sein, wo dich ein...

DWN
Politik
Politik Steinmeier fordert besseren Schutz von Kommunalpolitikern
13.04.2024

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat einen besseren Schutz von Amts- und Mandatsträgern in den Kommunen gegen Anfeindungen und...

DWN
Finanzen
Finanzen Riskant: Wirtschaftsexperten fordern eine Lockerung der Schuldenbremse
13.04.2024

In ihrer Gemeinschaftsdiagnose sehen Top-Ökonomen die deutsche Wirtschaft an einem Tiefpunkt. Sie plädieren für einen radikalen Schritt:...

DWN
Finanzen
Finanzen Die Inflation weicht zurück, Kreditnehmer hoffen auf Zinssenkung - bislang vergebens
13.04.2024

Die Inflation im Euroraum ist nach dem Preisschock infolge des Ukraine-Krieges wieder auf dem Rückzug. Das eröffnet der EZB Spielräume -...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Markus Merk im Interview: Eine Entscheidung ist nur so gut, wie das Umfeld sie wahrnimmt
13.04.2024

Jede Entscheidung hat einen Ort, eine Zeit und eine Bestimmung, sagt Markus Merk. Nicht nur auf dem Fußballfeld. Ein Gespräch über...

DWN
Finanzen
Finanzen Gold anonym kaufen: So kaufen Sie ohne Ausweis bis zu 10.000 Euro Gold
13.04.2024

Der gestiegene Goldpreis erschwert den anonymen Goldkauf. Anleger müssen inzwischen bei vielen beliebten Münzen und Barren den Ausweis...

DWN
Finanzen
Finanzen Studie: Falsches Timing beim Einkauf kostet Verbraucher viel Geld
13.04.2024

Der falsche Zeitpunkt beim Kauf von Konsumgütern verursacht erhebliche Mehrkosten für Verbraucher. Das lässt sich nicht immer vermeiden,...

DWN
Panorama
Panorama Der Chefredakteur kommentiert: Eine rauschende Ballnacht! Wirklich?
12.04.2024

Liebe Leserinnen und Leser, jede Woche gibt es ein Thema, das uns in der DWN-Redaktion besonders beschäftigt und das wir oft auch...

DWN
Finanzen
Finanzen Vor der nächsten Zinswende: Welche Zinsprodukte lohnen sich noch und wie viel Geld sollte man festverzinslich anlegen?
12.04.2024

Die nächste Zinswende steht kurz bevor, aber noch gibt es für Anleger attraktive Zinsen. Welche Zinsprodukte sind empfehlenswert und wie...