Finanzen

Österreich: Explosion unterbricht wichtiges europäischen Gas-Drehkreuz

Lesezeit: 2 min
12.12.2017 11:16
In Österreich kam es zu einer Explosion am wichtigsten Gas-Verteilkreuz des Landes. Der Gaspreis in Europa zog daraufhin deutlich an. In Italien wurde der Energie-Notstand ausgerufen.
Österreich: Explosion unterbricht wichtiges europäischen Gas-Drehkreuz

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Bei der Explosion einer Gasstation in Österreich ist nach Angaben des Roten Kreuzes ein Mensch getötet worden, berichtet die dpa. 18 Menschen seien verletzt worden, davon 17 leicht und einer schwer, sagte ein Sprecher. Auf dem Gelände arbeiteten rund 50 Menschen. Zunächst herrschte große Unklarheit über die Zahl der Verletzten. Von bis zu 60 Verletzten war in ersten Meldungen die Rede.

Das Nachbarland Italien, das stark von Gaslieferungen aus Österreich abhängt, rief daraufhin den Notstand in der Energieversorgung aus. „Der Transit durch Österreich Richtung Süden und Südosten ist bis auf Weiteres beeinträchtigt“, teilte die Betreiberfirma GasConnect, an der der Wiener Öl- und Gaskonzern OMV die Mehrheit hält, mit. Die benachbarten Fernleitungsbetreiber seien umgehend informiert worden. Wie lange die Lieferungen unterbrochen sind, war zunächst unklar. Für Österreich erwartet das Unternehmen bis auf weiteres keine Auswirkungen.

Die Gasstation in Baumgarten östlich von Wien zählt zu den wichtigsten Gasknotenpunkten Europas. Mit einer Jahreskapazität von 40 Milliarden Kubikmeter verteilt sie Erdgas aus Russland und Norwegen vor allem auch nach Norditalien und Süddeutschland. An den Energiemärkten machte sich deshalb Nervosität breit - die Gaspreise zogen deutlich an.

Die Explosion hat dem britischen Gaspreis Beobachtern zufolge Auftrieb gegeben. Die Terminkontrakte für die Lieferung am selben Tag und zur Lieferung am darauffolgenden Tag stiegen am Dienstag in der Spitze um jeweils mehr als 30 Prozent auf ein Fünf-Jahres-Hoch. Am Montag hatten sie wegen eines Lecks in einer Nordsee-Pipeline bereits um mehr als zehn Prozent zugelegt.

„Die Nachfrage nach Erdgas ist wegen des Wintereinbruchs ohnehin hoch“, sagte ein von Bloomberg befragter Analyst. Der Ausfall der Nordsee-Pipeline werde zu einer Versorgungslücke von etwa 10 Prozent der durchschnittlichen Winter-Nachfrage Großbritanniens führen. Die Preise könnten wochenlang erhöht bleiben.

Großbritannien ist in einer prekären Situation, weil ein Großversorger derzeit eines der größten Erdgaslager des Landes auflöst. Im laufenden Monat wird zudem nur ein Tanker mit verflüssigtem Erdgas (LNG) aus Katar in Großbritannien erwartet, berichtet Bloomberg.

Die wichtige Forties-Pipeline in der Nordsee, die Großbritannien mit Öl und Gas versorgt, bleibt der Betreiberfirma zufolge während der mehrwöchigen Reparaturarbeiten geschlossen. Der Ausfall entspreche einem Drittel der britischen Gasproduktion, rechnete Thomson Reuters-Analyst Oliver Sanderson vor. Unabhängig davon musste die Förderung im norwegischen Erdgas-Feld wegen technischer Probleme gedrosselt werden.

Noch ist unklar, wie es zu dem Unfall in Österreich kam. Bei der Polizei geht man laut Presse von einem technischen Gebrechen aus. Bei der OMV, die Miteigentümer der Gas Connect Austria ist, will man über die möglichen Ursachen der Explosion nicht spekulieren. "Es gibt noch keine gesicherten Informationen", sagt Sprecher Robert Lechner  der Presse. Zunächst sei es in so einem Fall üblich, die Anlage herunterzufahren. Erste wenn die Feuerwehr den Brand gelöscht habe, könne man überprüfen welche Systeme betroffen sind.

Die Feuerwehr hatte mit 240 Mann den Brand bald unter Kontrolle, wie die Polizei erklärte. Bei der betroffenen Anlage handelt es sich um eine zentrale Drehscheibe für die Verteilung von Erdgas in Europa. „Die Anlage wurde im kontrollierten Zustand heruntergefahren und ist außer Betrieb“, teilte das Unternehmen Gasconnect mit.

Die Gasstation ist etwas abseits des Ortes Baumgarten an der March nahe der österreichisch-slowakischen Grenze gelegen. Ob es auch im Ort durch die Explosion Schäden gegeben habe, sei noch nicht zu überschauen, sagte ein Polizeisprecher. Laut Gasconnect ist die Ursache des Unglücks noch unklar. Nach Angaben der Polizei könnte es sich um einen technischen Defekt gehandelt haben.

Die Explosion ereignete sich gegen 8.45 Uhr. Es wurde Großalarm für die Einsatzkräfte ausgelöst. Auf Bildern waren hohe Flammen zu sehen. Das Gebiet wurde weiträumig abgesperrt.

Die Gasversorgung nach Deutschland ist ersten Angaben zufolge nicht betroffen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Russlands Öl- und Gasvorkommen gehen zur Neige

Die Öl- und Gasvorkommen der Russischen Föderation werden nach offiziellen Angaben bald zur Neige gehen. Doch Moskau arbeitet an einem...

DWN
Politik
Politik Baerbock will mindestens 2 Prozent der Fläche Deutschlands mit Windkraftanlagen bestücken

Annalena Baerbock zufolge müssen mindestens 2 Prozent der gesamten deutschen Landfläche mit Windkraftanlagen bestückt werden, um das...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stahlkonzern Salzgitter meldet starken Quartalsgewinn

Die zuletzt hohen Stahlpreise haben dem Salzgitter-Konzern im ersten Quartal einen hohen Gewinn ermöglicht. Im Vorjahr hatte Salzgitter...

DWN
Finanzen
Finanzen Alzheimer: So bewahren Sie Freiheit, Finanzen und Lebensqualität trotz Diagnose

Betroffene und Angehörige reagieren zuerst geschockt auf die Diagnose von Alzheimer oder anderen Demenzerkrankungen. Doch gerade in diesen...

DWN
Politik
Politik Militärattachés Norwegens, Schwedens und Dänemarks besuchen Truppen in der Ost-Ukraine

Die Militärattachés Norwegens, Schwedens und Dänemarks haben die ukrainischen Truppen an der Kontaktlinie im Osten des Landes besucht....

DWN
Deutschland
Deutschland Verschärftes Gesetz: Deutschland soll bis 2045 klimaneutral sein

Die Bundesregierung hat ein verschärftes Klimagesetz beschlossen. Energie dürfte noch schneller noch teurer werden.

DWN
Deutschland
Deutschland Deutsche Inflationsrate steigt auf Zweijahreshoch

Höhere Kosten für das Tanken und Heizen haben die deutschen Verbraucherpreise im April so stark steigen lassen wie seit zwei Jahren nicht...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Reederei Hapag-Lloyd verachtfacht operatives Ergebnis

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern von Deutschlands größter Containerreederei im ersten Quartal war achtmal so hoch wie im...