Politik

Türkei entsendet Spezialtruppen nach Syrien

Lesezeit: 3 min
14.02.2018 00:58
Die Türkei entsendet Spezialtruppen nach Syrien. Sie sollen Söldner-Truppen ablösen.

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Türkei

Die Türkei hat am Dienstag damit begonnen, Spezialeinheiten der SAT und SAS nach Afrin zu entsenden. Zuvor hatte das türkische Militär Spezialeinheiten der „Bordo Bereliler” („Bordeauxroten Baretten”) nach Afrin entsendet. Die SAT, SAS und „Bordo Bereliler” wurden bereits während der „Operation Euphrates Shield” in Al-Bab und Dscharabulus eingesetzt. Die Spezialeinheiten sollen sich nicht nur an Gefechten beteiligen, sondern vor allem Minen ausfindig machen und räumen, berichtet die Zeitung Aydınlık.

Der türkische Generalstab meldete am 13. Februar, das während der „Operation Olivenzweig” bisher 1.439 Mitglieder der Kurden-Milizen und der Terror-Miliz ISIS entweder getötet oder gefangengenommen wurden.

Am Montag gab der Rechnungsprüfer des Pentagons, David Norquist, auf CSPAN bekannt, dass das Pentagon für das Jahr 2019 weitere 300 Millionen Dollar für die Ausbildung und Ausrüstung der „Syrischen Demokratischen Kräfte” (SDF) und weitere 250 Millionen Dollar für die Bildung einer Grenzschutz-Truppe, die aus Mitgliedern der Kurden-Milizen besteht, ausgeben wird.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan kritisierte diesen Plan scharf. Am Dienstag sagte er während einer Fraktionssitzung der Regierungspartei AKP: „Nach den jüngsten Informationen wurden 550 Millionen Dollar (für die Kurden-Milizen, Anm. d. Red.) bereitgestellt. Dieser Betrag kann sich auf drei Milliarden Dollar erhöhen (...) Wir dokumentieren genau, wer in dieser Region mit wem zusammenarbeitet, und welche Ressourcen bereitgestellt werden. Niemand hat mehr das Recht, unter dem Deckmantel der ISIS-Bekämpfung seine Politik zu rechtfertigen. Dieses ISIS-Theater hat in Syrien und im Irak sein Ende gefunden.”

Erdoğan fügte hinzu, dass die NATO und die USA nicht gleichgesetzt werden dürfen. „Wenn die USA ein Mitglied der NATO sind, müssen sie sich auch an die Vorgaben und Regeln der NATO halten. Ich möchte auch betonen, dass die NATO nicht gleich USA bedeutet. Alle NATO-Mitglieder sind mit den USA gleichberechtigt”, so Erdoğan.

Syrien

Die regierungsnahe syrische Zeitung Al-Watan berichtet, dass im Verlauf der türkischen „Operation Olivenzweig” 30.000 türkische Soldaten und Milizen mobilisiert wurden, um Afrin einzunehmen. Allerdings hätte die Türkei bisher nur fünf Prozent von Afrin einnehmen können. Das sei eine große Niederlage für die Regierung in Ankara, die einen schnellen Sieg erringen wollte. Eine anonyme Quelle der Kurden-Milizen sagte dem regierungsnahen Blatt, dass die türkische Operation sich über Monate hinweg ziehen müsse, um Afrin zu kontrollieren. Doch das sei aufgrund der internen Situation in der Türkei und aufgrund der für die Türkei ungünstigen Situation auf der internationalen Arena unwahrscheinlich.

Der Kurden-Sprecher ist der Ansicht, dass die „Operation Olivenzweig” ihr Ziel bisher verfehlt habe, weil die Türkei hauptsächlich auf den Einsatz von Milizen der FSA gesetzt hat. Die FSA-Söldner würden sich nicht für die militärischen Ziele der Türkei interessieren. Sie seien lediglich daran interessiert, Plünderungen vorzunehmen und Beute zu machen. Über 20.000 der insgesamt 30.000 Kämpfer auf Seiten der Türkei seien FSA-Milizen. Deshalb werde die „Operation Olivenzweig” scheitern, meint er.

Nach Angaben der syrischen staatlichen Nachrichtenagentur SANA haben „bewaffnete Gruppen” in der südlichen Stadt Daraa versucht, 66-kV-Hochspannungsleitung im Kraftwerk Khirbet Ghazaleh zu zerstören. Der Generaldirektor der Daraa Elektrizitätsgesellschaft, Ghassan al-Zamel, sagte SANA, dass die Hochspannungsleitung beschädigt wurde. Allerdings würden Reparaturarbeiten laufen. Er fügte hinzu, dass die 20-kV-Niederspannungs-Ersatzreserve zur Versorgung der Stadt Daraa verwendet wird.

Kurden-Milizen

Nach Angaben der PKK-nahen Nachrichtenagentur ANF , die ihren Hauptsitz in den Niederlanden hat, haben „Unbekannte” an der türkisch-irakischen Grenze einen türkischen Militärposten angegriffen. Der Angriff ereignete sich am 13. Februar um etwa 8.40 Uhr. Der Militärposten befindet sich nach Angaben von ANF in Girê Biyê. Die Nachrichtenagentur wörtlich: „Bei der Aktion wurden zahlreiche Soldaten getötet. Es wurde ein Panzer zerstört. Nach dem Angriff auf den Militärposten, in dem 200 türkische Soldaten stationiert gewesen sind, wurde über die Region eine Ausgangssperre verhängt. In der Umgebung des Militärpostens führten türkische Kampfjets nach dem Angriff Luftschläge aus”.

ANF zufolge sollen seit Dienstagmorgen im Bilbilê-Distrikt von Afrin schwere Gefechte zwischen den Kurden-Milizen der SDF und den türkischen Streitkräften stattfinden. Die Gefechte sollen im Detail in den Dörfern „Şêxurze” und „Sarincekê” stattfinden. Auch Kämpfer der Freien Syrischen Armee (FSA) sollen sich an den Gefechten beteiligen.

Nach Informationen der PKK-nahen Zeitung Yeni Özgür Politika, die ihren Hauptsitz in Neu-Isenburg hat, sollen die Kurden-Milizen bisher 862 türkische Soldaten und Mitglieder der FSA getötet haben. Weiterhin sollen 51 militärische Fahrzeuge und Geräte, unter anderem zwei Helikopter und eine Drohne, zerstört worden sein. Das Blatt stützt sich auf Informationen der Pressestelle der SDF. Auf Seiten der Kurden-Milizen sollen nur 98 Kämpfer getötet worden sein. Yeni Özgür Politika wirft der Türkei eine Propaganda-Kampagne vor, wonach die wahren Verluste auf der türkischen Seite verheimlicht werden.

Freie Syrische Armee (FSA)

RFS Media, die Nachrichtenagentur der FSA, berichtet, dass Kurden-Milizen in der Nacht von Montag auf Dienstag die Stadt Azaz mit Artilleriegranaten und Raketen beschossen haben sollen. Ein Mediziner des Krankenhauses „Al-Ahli Azaz“ sagte, RFS Media, dass „die Bombardierung auf Häuser von Zivilisten abzielte”, die anschließend im Krankenhaus behandelt wurden. Verletzte mit schweren Wunden seien in türkische Krankenhäuser verlegt worden. Kurden-Milizen hätten auch die Städte Mara und Kalgberin mit Artilleriegranaten und Raketen angegriffen. Die benannten Angriffsziele werden von der FSA kontrolliert.

Verbände der FSA sollen am Dienstag in der Region Afrin weiter vorgestoßen sein. Sie hätten die Dörfer Muhammadiyah und Saterha von den Kurden-Milizen eingenommen, so RFS Media.

 


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik „Widerstand als Pflicht“? Was das Hitler-Attentat uns heute lehrt
20.07.2024

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius ist sich sicher: „Die Widerstandskämpfer des 20. Juli sind ein Vorbild für alle“. Aber...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Weniger Bier und trotzdem zu viel Hopfen
20.07.2024

Weltweit ist vergangenes Jahr weniger Bier produziert worden - der Hopfen aber gedieh prächtig. Somit verschärfte sich die...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Chinas Doppelrolle in der WTO: Entwicklungsland und Wirtschaftsmacht
20.07.2024

Die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) rief vor über 50 Jahren die Industrieländer dazu auf,...

DWN
Politik
Politik Der Chefredakteur kommentiert: Verbot des Compact-Magazins - Schutz der Demokratie oder Angriff auf die Freiheit?
19.07.2024

Liebe Leserinnen und Leser, jede Woche gibt es ein Thema, das uns in der DWN-Redaktion besonders beschäftigt und das wir oft auch...

DWN
Politik
Politik Zukunft der Marine: Pistorius denkt über zusätzliche U-Boote nach
19.07.2024

Die U-Boote spielen eine zentrale Rolle in der Marine. Deutschland hat bereits zusätzliche Boote in Auftrag gegeben. Wird trotz der...

DWN
Immobilien
Immobilien BGH-Urteil: Siegreiche Eigentümer müssen nun auch Prozesskosten tragen!
19.07.2024

Streitigkeiten sind in Wohnungseigentümergemeinschaften keine Seltenheit und landen oft vor Gericht. Müssen die siegreichen Parteien dann...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft IT-Ausfälle weltweit: Flughäfen, Banken und Kliniken teilweise im Chaos - Ursache gefunden
19.07.2024

Flugzeuge am Boden, Fernsehsender zeigen nur Standbilder, Operationen abgesagt: Es kommt selten vor, dass ein Computerproblem globale...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Düstere Prognose für Deutschland: IWF senkt Wachstumserwartung!
19.07.2024

Die Konjunktur in Deutschland bleibt anscheinend auch 2024 Schlusslicht. Der IWF sieht nur ein Wachstum von 0,2 Prozent und langfristig...