Weltwirtschaft

Deripaska bereit zum Verkauf von Rusal-Anteilen

Lesezeit: 4 min
28.04.2018 01:08
Oleg Deripaska ist offenbar bereit, sich von seiner Rusal-Mehrheit zu trennen.
Deripaska bereit zum Verkauf von Rusal-Anteilen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Putin  
Edelmetalle  
USA  

Der russische Geschäftsmann Oleg Deripaska hat laut TASS zugestimmt, seine Beteiligung an der En+ Gruppe auf weniger als 50 Prozent zu reduzieren. Das teilte das russische Energieunternehmen am Freitag mit. "Oleg Deripaska stimmte grundsätzlich dem Antrag des Vorsitzenden zu, dass er seine Beteiligung an der Gesellschaft auf unter 50 Prozent reduzieren würde", sagte En+. Deripaska will demnach auch aus dem Verwaltungsrat zurücktreten.

Das Unternehmen hatte sich an das US-Finanzministerium mit der Bitte gewandt, die Frist für die Transaktionen mit dem Unternehmen bis zum 31. Oktober 2018 zu verlängern. "Das Unternehmen arbeitet weiterhin daran, die Interessen seiner Investoren, einschließlich solcher mit einer Minderheitsposition, zu schützen", sagte En+.

Die USA hatten am 6. April Sanktionen gegen Oleg Deripaska und von ihm kontrollierte Unternehmen verhängt, darunter En+ und den russischen Aluminiumproduzenten Rusal. Später erklärten die US-Behörden, die Sanktionen gegen Rusal könnten möglicherweise gelockert werden, falls Deripaska die Kontrolle über das Unternehmen aufgibt. En+ ist der russische integrierte Hersteller von Aluminium und Strom. Es konsolidiert Kraftwerke mit einer Kapazität von 19,7 GW und Aluminiumhütten mit einer Kapazität von 3,9 Millionen Tonnen pro Jahr.

Deripaska zwischen Trump und Putin

Oleg Deripaska ist Gründer von Basic Element, einer russischen Industriegruppe mit Anteilen in den Bereichen Aluminium, Energie, Bauwesen, Landwirtschaft und weiteren Branchen. Mit Basic Elements steuert er die En + Group, ein 9,8 Milliarden US-Dollar schweres Energieunternehmen, das seit November 2017 an der Londoner Börse notiert ist. Er verfügt über ein Vermögen von 3,7 Milliarden US-Dollar, berichtet Forbes. Deripaska gehören unter anderem die Unternehmen En+ Group, Russian Machines, die GAZ Group, Basel Aero und Kuban Agroholding.

Deripaska und Manafort

Paul Manafort, ehemaliger Wahlkampfmanager von US-Präsident Donald Trump und US-Lobbyist, soll von Deripaska ein Darlehen in Höhe von 26 Millionen US-Dollar erhalten haben. Die Geschäftsbeziehungen zwischen Deripaska und Manafort sollen sich auf einen Wert von 60 Millionen US-Dollar belaufen, berichtet NBC News.

Im Jahr 2007 haben Manafort und Deripaska die Private-Equity-Gesellschaft Pericles Emerging Market Partners auf den Cayman Islands mitbegründet, um in den osteuropäischen Telekommunikationsmarkt zu investieren. Nach Angaben der New York Times erklärte sich Deripaska bereit, bis zu 100 Millionen Dollar für das Projekt bereitzustellen, das mit einer Investition von fast 18,9 Millionen Dollar begann. Der Deal scheiterte und führte zu einem Rechtsstreit, der durch eine Klage auf den Cayman Islands ausgelöst wurde. Manafort klagte gegen Deripaska und forderte seine Anfangsinvestition zurückforderte Obwohl Manafort darauf hinwies, dass die rechtliche Angelegenheit gelöst wurde, hat die Washington Post dies bestritten. Der Ausgang des Falls ist bisher unklar geblieben.

Deripaska und Putin

The Telegraph berichtete im Jahr 2009: “Der russische Premierminister Wladimir Putin hat am Donnerstag seinen treuesten Oligarchen öffentlich kritisiert, um die wachsende soziale Unzufriedenheit auf die unpopulären Superreichen des Landes zu lenken”. Im Jahr 2009 hatte Deripaska seine Zementfabrik in Pikaljowo stillgelegt, was zu Protesten der 5.000 Arbeiter führte. Putin besuchte das Werk persönlich und zwang Deripaska vor laufenden Kameras dazu, sich schriftlich zur Beibehaltung des Zementwerks zu verpflichten.

The Telegraph wörtlich: “Der Oligarch, der sein Vermögen in der Aluminiumindustrie aufgebaut hatte, zog Lord Mandelson, den Geschäftssekretär, in einen Skandal, nachdem er ihn auf seiner Yacht empfangen hatte. Lord Mandelson war zu dieser Zeit EU-Handelskommissar (...) Deripaska ist eine unbeliebte Figur in Russland. Er gehörte zu einer Reihe von Männern, die im Chaos der 1990er Jahre ihr Vermögen aufgebaut haben.”

Die Zeitung Hürriyet berichtet über Deripaska: “Der kürzeste Weg, um in Russland reich zu werden, führt über die Kontrolle der Ressourcen. Oleg Deripaska hat sich diesen Ansatz zur Regel gemacht. Er begann mit der Anhäufung seines Vermögens im Jahr 1992. Als sich die Sowjetunion in der Rezession befand, war er bereits eine wichtige Führungskraft in der Aluminiumindustrie. Um den Aluminiumsektor unter seine Kontrolle zu bringen, hat er einen erbitterten Mafia-Krieg geführt und diesen gewonnen. Im Moment hat er über die Firma RUSAL eine Monopolstellung auf dem Aluminiummarkt. Im Jahr 2001 hat er mit der Tochter des Beraters Boris Jelzins, Polina Jumaschew geheiratet, um in den engsten Kreis Jelzins zu gelangen. Der Berater Jelzins und Vater Polinas, Valentin Jumaschew, hat wiederum mit Jelzins Tochter Tatjana geheiratet”.

Deripaska als Sicherheitsrisiko

Newsweek berichtete im März 2018, FBI-Agenten versuchten, sich mit einer belorussischen Eskorte und einem selbst ernannten “Sex-Coach” zu treffen, der behauptet, Informationen über russische Versuche zu haben, in die Präsidentschaftswahl 2016 einzugreifen, sagte ein thailändischer Beamter CNN.

Die Quelle erzählte dem Nachrichtensender, dass FBI-Agenten mit thailändischen Beamten Kontakt aufgenommen hätten, um ein Treffen mit einer Eskort-Dame namens Nastya Rybka zu arrangieren. Die Frau, deren richtiger Name Anastasia Vashkevich ist, wurde von der thailändischen Polizei verhaftet, weil sie Sex-Coaching-Kurse ohne Arbeitserlaubnis angeboten hatte. Sie hatte behauptet, dass sie dem US-Sonderermittler Robert Mueller Informationen und Beweise über eine russische Einmischung in die US-Wahlen 2016 geben könne, falls sie Asyl in den USA erhält.  Auf ihrem Instagram-Konto schrieb sie im Februar: “Wenn wir nach Russland zurückkehren, werden wir im russischen Gefängnis sterben oder sie werden uns töten (...) Bitte USA hilf uns, damit wir nicht durch russische Hand sterben! (...) Ich bin bereit, Ihnen von all den Puzzles zu erzählen, die Sie vermisst haben, um diese mit Audios und Videos untermauern -  Bezug auf die Verbindung zwischen unseren ,lieben’ Parlamentsmitgliedern zu Manafort, Trump und all diesen ,Summen’ rund um die Wahl in den USA.”

Rybka erlangte Prominenz, nachdem ein Video auftauchte, das sie auf einer Yacht mit dem russischen Vizepremierminister Sergej Eduardowitsch Prichodko und dem Oleg Deripaska zeigte. Das Video wurde vom russischen Regierungsgegner Alexander Nawalny in Umlauf gebracht.

Es bleibt unklar, was Deripaska der Eskort-Dame vorsätzlich oder fahrlässig an wichtigen Informationen mitgeteilt hat. In dem Video macht er unter anderem die US-Diplomatin Victoria Nuland verantwortlich für die Spannungen zwischen Russland und den USA. Nuland habe in ihrer Jugend einen Monat auf einem russischen Walfang-Boot verbracht. “Nach diesem Erlebnis hasst sie uns. Warum? Hat sie Pech mit den Matrosen gehabt?”, sagt Deripaska. Die Eskort-Dame antwortet: “Du meint, sie wurde vergewaltigt?”. Nawalny deutet in dem Video darauf hin, dass die Eskort-Dame wichtige Informationen von Deripaska in Erfahrung bringen sollte und nennt sie durchgehend “Jägerin”.

Über ihre Instagram-Konto meldete Rybka nach dem Vorfall: “Das Internet auf Olegs Yacht funktioniert einfach perfekt”. Offenbar ist Deripaska in eine “Venus-Falle” getappt, ohne es gewusst zu haben. Nach dem Vorfall stellte der Oligarch ein Sicherheitsrisiko für Russland, aber auch die USA dar, da Rybka beweisen möchte, dass es eine Verbindung zwischen Putin und Trump gibt.

Rybka verfügt auch über einen eigenen Youtube-Channel, der sich lediglich mit Deripaska beschäftigt.

 

 

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Technologie
Technologie Blackout droht: Deutschland ist nicht auf E-Autos vorbereitet

Der Markt der E-Autos in Deutschland bommt. Doch Deutschland ist für eine E-Auto-Welle überhaupt nicht gewappnet.

DWN
Politik
Politik Von der Leyen führt einen Rachefeldzug gegen Ungarn

Die Brüsseler EU-Kommission führt einen zunehmend erbitterten Feldzug gegen Ungarn – warum eigentlich? Und wie hält Orban dagegen?

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Vorboten des Abschwungs? Schulden der Amerikaner steigen rasant

Die Amerikaner setzen angesichts stark steigender Preise auf ihre Kreditkarten. Das Fundament des derzeit noch starken Konsums bröckelt,...

DWN
Ratgeber
Ratgeber Tausende Euro Ersparnis: Wie sich Auswandern finanziell lohnt

Jedes Jahr wandern hunderttausende Deutsche aus. Finanziell gesehen dürfte es sich für viele richtig lohnen. Doch es gibt auch...

DWN
Finanzen
Finanzen Profi-Investoren warnen: Börsen-Rally ist nur von kurzer Dauer

Im Juli haben die weltweiten Börsen eine Erholung erlebt. Die Kurse drehten nach Monaten der Verluste endlich wieder in den grünen...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Japan: Plötzlicher massiver Anstieg von Herzinfarkten verzeichnet

Einige japanische Versicherungsunternehmen haben auf den massiven Anstieg von Herzinfarkten reagiert. Nach den Ursachen für die Explosion...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lebensmittelbranche: Rosenkrieg zwischen Händlern und Industrie

Der Einzelhandel hat nicht nur gegen die verschiedenen Krisen anzukämpfen, sondern sieht sich auch gegenüber der Industrie in die...

DWN
Deutschland
Deutschland Stromnetz überlastet: Erneuerbare werden immer öfter abgeriegelt

Die Pläne der Bundesregierung zum Ausbau von Wind- und Solarenergie stoßen auf ein fundamentales Problem. Dessen Behebung dürfte Jahre...