Technologie

Bargeldloses Zahlen treibt Jugendliche in die Schulden-Falle

Lesezeit: 2 min
14.03.2013 23:29
Die Zahl der überschuldeten Jugendlichen steigt dramatisch an. Der Grund: Der Konsum kennt keine Grenzen. Über Online-Einkäufe und Kreditkarten können die jungen Leute alle Segnungen des Kommerz-Zeitalters zahlen. Wirklich leisten können sie sich die Dinge nicht.

Benachrichtigung über neue Artikel:  

6,6 Millionen Deutsche sind überschuldet (hier). Der Grund: Durch die schier unbegrenzten Möglichkeiten des bargeldlosen Einkaufens wird vielen nicht klar, dass sie sich das, was sie kaufen, im Grunde nicht leisten können. Für eine Einkaufstour braucht man heutzutage keine Brieftasche und Euroscheine mehr. Bargeldlos zahlen ist mit Kreditkarte, Smartphone, Laptop oder Tablet fast überall möglich. Dabei muss man nicht mal mehr aus dem Haus gehen. Versandunternehmen wie Amazon liefern vor die Tür. Zahlen kann man natürlich bargeldlos online.

Diese Entwicklung ist kein Zufall: Zahlreiche Finanz-Institutionen fordern die Abschaffung des Bargelds (hier die Strategie der EU und hier als neues Zivilisations-Konzept).

Jugendliche sind besondes anfällig für ein Leben auf Pump: „Wenn man mit Kreditkarte online bestellt, kommt die Rechnung eventuell erst Wochen später. Das bietet mehr Anreiz sich zu überschulden und Jugendliche stehen diesen Technologien näher als 50-Jährige“, sagt Michael Bretz vom der Creditreform.

Bretz ist bei der Creditreform verantwortlich für die Erstellung des SchuldnerAtlas. 125. 000 deutsche Unternehmen übermitteln für den Bericht Daten über Schuldner. Neben Frauen, nimmt vor allem der Anteil an überschuldeten 20- bis 29-Jährigen zu. 2012 kamen mehr als 1,5 Millionen Menschen aus dieser Altersklasse. Das sind 122.000 Fälle mehr als im Vorjahr. Knapp 27 Prozent aller Schuldner sind mittlerweile jünger als 30 Jahre. Der SchuldnerAtlas bezeichnet das Thema junge Überschuldung deswegen als „weiterhin virulent“.

Bretz spricht beim Thema Jugend nicht primär von Armutsüberschuldung wie nicht bezahlte Mieten oder Heizrechnungen. Es handle sich eher um Leichtsinn beim Konsumverhalten. „Die Jungen kaufen Dinge, die sie sich eigentlich nicht leisten können. In Deutschland wird die Kreditkarte zum Glück gleich gesperrt, wenn sie überzogen ist.“ Trotzdem könne man in einem Monat doch viele Rechnungen anhäufen, so Bretz.

Arbeitslosigkeit war 2012 mit über 26 Prozent immer noch der Hauptgrund für Überschuldung in Deutschland. Am stärksten zugelegt hat aber das Konsumverhalten mit einem Plus von 31 Prozent. Das betrifft besonders die 20- 29-Jährigen. „Jugendliche verschulden sich eher, weil sie sich einen Status aufbauen. Das erste Auto, die erste Wohnung etc. Sie sind auch per se risikofreudiger, als ältere Menschen“, so Bretz.

Als überschuldet gilt, wer mehrere Gläubiger hat und mehrere Rechnungen eben dieser Gläubiger nicht bezahlt hat. Die Höhe der Schulden spielt dabei noch keine Rolle. (mehr hier) Die Art der Überschuldung kann weich oder hart sein. Wenn die Schuldner nur einige offene Rechnungen nicht rechtzeitig bezahlen, handle es sich um weiche Überschuldung. „Die Bezeichnung basiert auf der Möglichkeit, dass man die Schulden noch ausgleichen kann“, sagt Bretz den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Harte Überschuldung hingegen bedeute, dass die Schuldner vor Gericht Insolvenz anmelden müssen, sie also rettungslos verschuldet sind. 2012 gab es über 100.000 dieser Verbraucherinsolvenzen. Der Anteil jener die überschuldet sind, aber keine Insolvenz anmeldeten, ist mit 6,6 Millionen jedoch weitaus höher. Neben unangemessenem Konsumverhalten, legten 2012 vor allem Scheidung/Trennung (+ 29 Prozent) und Krankheit (+ 19 Prozent) bei den Hauptgründen für Überschuldung zu.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..



DWN
Marktbericht
Marktbericht Mit digitalem Gold auf Erfolgskurs

Die Vervielfachung der Geldmenge hat enorme Auswirkungen. Die Inflation ist nicht mehr aufzuhalten. Auf der anderen Seite zeichnet sich...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der Ausverkauf geht weiter: Nächster deutscher Hightech-Konzern wird vom Ausland übernommen

Trotz ständigen Bekundungen der Bundesregierung, strategisch wichtige Unternehmen vor Übernahmen aus dem Ausland zu schützen, geht der...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Zwischen Russland und Saudi-Arabien bahnt sich ein neuer Ölpreis-Krieg an

Im März findet das nächste Treffen der OPEC + statt. Während Saudi-Arabien die Öl-Produktion weiter drosseln will, plädiert Russland...

DWN
Politik
Politik Jetzt bahnt sich auch ein digitaler EU-Impfpass an

Am 25. und 26. Februar werden die Mitglieder des Europäischen Rates zusammenkommen, um über die Einführung von digitalen Impfpässen zu...

DWN
Deutschland
Deutschland Plötzlich üben die Medien Kritik an Spahn, doch es ist zu spät

Die Medienlandschaft hat sich dazu durchgerungen, Jens Spahn zu kritisieren. Doch es ist zu spät, obwohl die Deutschen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesbank warnt vor überhöhten Immobilienpreisen

Im vergangenen Jahr haben die „markanten Preisübertreibungen“ auf dem Wohnungsmarkt zugenommen, so die Bundesbank. Teilweise liegen...

DWN
Finanzen
Finanzen Digitale Zentralbankwährungen für den Großhandel und Einzelhandel bahnen sich an

In einem aktuellen Bericht plädiert die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich für die Einführung von digitalen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bargeld-Nutzung in den USA ist während der Pandemie gestiegen

In den USA ist nach Angaben eines Unternehmens für Sicherheitsdienste und Werttransporte die Bargeldnutzung gestiegen.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Schwab hatte es „vermutet“: Großunternehmen werden größer, während Kleinunternehmen ganz verschwinden

Der Gründer des Weltwirtschaftsforums Klaus Schwab schreibt in seinem Buch „Covid-19: Der Grosse Umbruch“, das im Juli 2020 erschienen...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundeskabinett beschließt Einführung des digitalen Impfpasses

Das Bundeskabinett hat am Montag die Einführung eines digitalen Impfpasses beschlossen, damit Geimpfte Restaurants und Konzerte besuchen...

DWN
Politik
Politik Blackwater-Gründer Prince spielte zentrale Rolle im Libyen-Krieg

Einem UN-Bericht zufolge spielte der Blackwater-Gründer Erik Prince eine wichtige Rolle im Libyen-Konflikt. Dass die UN erst jetzt auf...

DWN
Finanzen
Finanzen BÖRSE AKTUELL: Heftige Korrektur bei Bitcoin - jetzt wird der Einstieg vollends zum Vabanque-Spiel

Gestern vermeldeten wir den rapiden Kursverfall der Kryptowährung "Bitcoin". Heute liefert unser Börsen-Experte Andreas Kubin, wie...

DWN
Finanzen
Finanzen Dax: Anleger hoffen nach Powells Rede weiter auf Riesen-Konjunkturpaket aus den USA

Die Börsen entwickeln sich langsam weiter. Heute Nachmittag warten die Anleger auf wichtige Konjunkturdaten.

DWN
Politik
Politik E-Patientenakte: Merkel und Spahn haben den Datenschutz ausgehebelt, doch keiner hat es bemerkt

Die Bundesregierung hat durch ein neues Patientenakten-Gesetz den Datenschutz ausgehebelt. In der Akte sollen alle relevanten...

DWN
Deutschland
Deutschland Geduld des Handels ist am Ende: Klagewelle gegen Lockdown rollt

Obi, Media Markt, Breuninger und Co. wollen nicht länger auf Zugeständnisse der Politik warten. Immer mehr Händler versuchen, vor...