Finanzen

Gewerbesteuereinbruch: Krise bei Mercedes und Porsche führt zu gewaltigen Steuerloch

Massive Investitionen in E-Mobilität, Absatzflauten in China, geopolitische Risiken: Die Autoindustrie bricht ein – und mit ihr die wichtigste Einnahmequelle für unsere Städte, die Gewerbesteuer. Wie sich die Wirtschaftskrise bereits auf den Haushalt in Stuttgart auswirkt – und warum auch andere Städte von gewaltigen Mindereinnahmen betroffen sind.
16.07.2025 16:02
Lesezeit: 3 min

Die Automobilkrise führt in Stuttgart zu einem massiven Einbruch der Gewerbesteuer und einem riesigen Loch im städtischen Haushalt, wie die Stuttgarter Nachrichten berichten.

Stuttgart erwartet 2025 einen drastischen Einbruch bei der Gewerbesteuer

Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer sinken rasant. Besonders Mercedes und Porsche melden massive Gewinneinbrüche: Bei Mercedes beträgt der Rückgang 43 Prozent, bei Porsche 40 Prozent! „Leider haben die großen Automobilhersteller und damit auch die großen Automobilzulieferer derzeit große Probleme“, erklärt der Steuerexperte Oliver Sievering. Er ist Professor für öffentliche Finanzwirtschaft an der Verwaltungshochschule Ludwigsburg.

Diese Entwicklung trifft die Region Stuttgart besonders empfindlich, da sie stark von der Autoindustrie abhängt. Auch die Verkaufszahlen brechen ein. Mercedes setzte im ersten Quartal nur 529.200 Fahrzeuge ab – sieben Prozent weniger als 2024. Im zweiten Quartal folgte ein weiteres Minus von neun Prozent.

Porsche verzeichnete zwischen Januar und März einen Rückgang um acht Prozent. Die schwache Konjunktur und Unsicherheiten im internationalen Handel verschärfen die Lage zusätzlich.

Schwankende Gewerbesteuer erschwert stabile Haushaltsplanung

Die Gewerbesteuer zählt zu den wichtigsten Einnahmequellen der Stadt. Doch wenn Gewinne sinken, sinkt auch die Steuerkraft. „Da die Gewinne allgemein sehr stark schwanken, ist dies für Kämmerer immer recht schwer zu schätzen, wie hoch die Gewerbesteuereinnahmen im jeweiligen Jahr ausfallen“, so Sievering. Für Stuttgart bedeutet das: weniger finanzielle Spielräume, mehr Unsicherheit, steigende Rückzahlungen – teilweise inklusive Zinsen.

Porsche zahlte in der Vergangenheit einen Großteil der Gewerbesteuer an Wolfsburg. Erst nach dem Börsengang Ende 2022 floss der Steueranteil wieder an Stuttgart. Trotzdem lassen die aktuellen Zahlen kaum Hoffnung auf eine schnelle Erholung zu.

Statt 1,2 Milliarden Euro rechnet Stuttgart nun mit 850 Millionen

Unternehmen können bei nachweislich schwächerer Geschäftsentwicklung eine Anpassung der Vorauszahlungen beantragen. Das verhindert überhöhte Vorleistungen, schmälert aber die Einnahmen der Stadt. Im Fall Stuttgart sank die Prognose im Haushalt von 1,2 Milliarden Euro auf zuletzt nur noch 850 Millionen.

Überschreiten die Vorauszahlungen am Jahresende die tatsächliche Steuerschuld, erhält das Unternehmen die Differenz zurück. Dieses System sorgt zwar für Flexibilität, führt aber zu gravierenden Unsicherheiten bei der Haushaltsplanung.

Konsequenzen bei Einbruch der Gewerbesteuer

Ein deutlicher Rückgang der Gewerbesteuereinnahmen, also ein Einbruch, kann für Kommunen erhebliche Konsequenzen haben. Die wichtigsten Folgen sind eine drohende Haushaltssperre und die Notwendigkeit zu sparen, was oft zu Kürzungen bei Investitionen als auch laufenden Ausgaben führt. Durch die Sparmaßnahmen kann die Leistungsfähigkeit der Kommune beeinträchtigt werden. Dies kann sich auf verschiedene Bereiche auswirken, wie beispielsweise die Qualität von Bildung, Betreuung oder Infrastruktur.

Bei sehr starken Einbrüchen der Gewerbesteuer und nicht ausreichenden Sparmaßnahmen kann es letztendlich sogar zu einer drohenden Insolvenz der Kommune kommen. Um die fehlenden Einnahmen zu kompensieren, kann die Kommune aber auch versuchen, andere Steuern zu erhöhen, wie beispielsweise die Grundsteuer oder die Vergnügungssteuer.

Fazit: Gewerbesteuereinnahmen sinken weiter

Die Krise in der Autoindustrie dauert weiter an: Mercedes und Porsche blicken mit Skepsis auf das laufende Jahr. Mercedes gibt wegen der politischen Risiken keine Prognose ab. Porsche musste seine Erwartung bereits im April deutlich senken. Solange keine wirtschaftliche Wende in Sicht ist, bleibt auch Stuttgarts Haushalt unter Druck. Die Gewerbesteuer als zentraler Finanzpfeiler zeigt sich anfällig – besonders in einer Stadt, deren Wohlstand so eng mit der Autoindustrie verknüpft ist.

Doch damit steht Stuttgart nicht alleine da, auch Wolfsburg, Braunschweig und Ingolstadt haben gewaltige Mindereinnahmen. Immer mehr Städte und Gemeinden stehen in Deutschland vor der Pleite, auch aufgrund der hohen Sozialausgaben: Fast neun von zehn Städten und Gemeinden in Deutschland machten bereits 2024 Rekordverluste. Nun droht sich die Lage durch die Krise in der Automobilbranche zusätzlich zu verschlimmern.

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Mirell Bellmann

Mirell Bellmann schreibt als Redakteurin bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zuvor arbeitete sie für Servus TV und den Deutschen Bundestag.

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