Wirtschaft

DSV schluckt DB Schenker: Markt in Aufruhr

Milliardendeal ohne Rücksicht: DSV übernimmt DB Schenker, wird weltgrößter Logistiker – und Konkurrenten wie Belegschaft fragen sich, wer als Nächstes unter die Räder kommt.
05.08.2025 14:52
Lesezeit: 2 min

Regulierer winken durch – Milliardenfusion stellt Branche auf den Kopf

Fast ein Jahr nach der Absichtserklärung des dänischen DSV zur Übernahme des deutschen Logistikriesen DB Schenker wurde der Deal in der vergangenen Woche offiziell vollzogen. Sowohl die europäischen als auch die US-amerikanischen Kartellbehörden gaben ihre Zustimmung, womit es für den Kauf keine Hürden mehr gibt. Es handelt sich um eine Investition in Höhe von 14,3 Milliarden Euro, durch die DSV zum größten Logistikunternehmen der Welt aufsteigt.

DB Schenker befand sich bislang im Besitz der Deutschen Bahn, des deutschen Staatsbahnkonzerns, der sich stärker auf sein Kerngeschäft konzentrieren und zugleich seine Schuldenlast reduzieren will. Diese belief sich zum Jahresende 2024 auf 32,6 Milliarden Euro – nur gut 1,3 Milliarden weniger als im Jahr zuvor. In der Praxis bedeutet dies, dass mit dem Kaufpreis weniger als die Hälfte der Verbindlichkeiten getilgt werden kann.

DSV will mit der Übernahme seine Präsenz auf dem globalen Logistikmarkt deutlich ausbauen. Dass die Pläne mit dem deutschen Unternehmen ernst gemeint sind, zeigt auch die Investitionsankündigung: Innerhalb der kommenden drei bis fünf Jahre sollen in Deutschland zahlreiche Projekte im Gesamtwert von einer Milliarde Euro umgesetzt werden. Diese Maßnahmen sollen auch zur Sicherung von Arbeitsplätzen beitragen.

Gesamtumsatz von 40 Milliarden Euro

Der Verkaufsprozess von DB Schenker begann – gemeinsam mit der Bahntochter Arriva – bereits 2023. Im Dezember desselben Jahres wurde DSV als bester Partner ausgewählt, da der Konzern der Deutschen Bahn den überzeugendsten Finanzplan vorgelegt haben soll. Am Verfahren beteiligte sich auch CVC Capital Partners, ein globaler Private-Equity-Fonds mit einem verwalteten Vermögen von 193 Milliarden Euro, der in Europa, Nord- und Südamerika sowie Asien investiert. Die Anteile des Fonds sind an der Euronext in Amsterdam notiert. CVC genoss zudem die größte Unterstützung der Gewerkschaft Verdi.

Sechs bis sieben Prozent Marktanteil

Mit der Fusion werden DSV und DB Schenker zum weltgrößten Logistiker aufsteigen. Der gemeinsame Umsatz im vergangenen Jahr lag bei 40,3 Milliarden Euro – 9,7 Milliarden mehr als der von DHL auf Platz zwei und 11,7 Milliarden mehr als der von Kuehne + Nagel. Der Marktanteil der vereinten Gruppe soll bei sechs bis sieben Prozent liegen. Insgesamt werden rund 160.000 Beschäftigte erwartet, wobei DSV betont, dass nach dem Zusammenschluss keine Entlassungen geplant seien. In der Fachpresse ist von möglichen unerwünschten Effekten die Rede. So sollen Mitarbeiter von Schenker das Unternehmen bereits verlassen, während Wettbewerber nur darauf warten, qualifizierte Kräfte abzuwerben. Diese Veränderungen könnten die Kräfteverhältnisse im Logistiksektor spürbar verschieben. Zudem wurde diese Woche bekannt, dass Jochen Theves, CEO von Schenker, dem Verwaltungsrat von DSV entgegen ursprünglicher Planung nicht beitreten wird.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: AMD-Aktien steigen kräftig, während Tech-Sektor Wall Street beflügelt
06.07.2026

Ein spektakulärer Wochenauftakt an den US-Märkten sorgt für Aufsehen – erfahren Sie, welche Entwicklungen die Kurse jetzt antreiben.

DWN
Finanzen
Finanzen Fiskalischer Spitzenreiter: Wie Deutschland seinen Bürgern am meisten abknöpft
06.07.2026

Eine Analyse zur Steuerbelastung in Europa zeigt für das Jahr 2026 eine bittere Wahrheit für deutsche Steuerzahler: Die Bundesrepublik...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuererhöhungen 2027: Steuer auf Spirituosen steigt um 20 Prozent - Zuckersteuer kommt auch
06.07.2026

Hochprozentige alkoholische Getränke sollen zum 1. Januar 2027 höher besteuert werden. "Was krank macht, wird teurer" - Finanzminister...

DWN
Politik
Politik Haushalt 2027: Klingbeil plant 200 Milliarden Euro neue Schulden für Deutschland
06.07.2026

Mehr Milliarden vor allem für Verteidigung, höhere Schulden - das prägt den Haushaltsentwurf von Finanzminister Klingbeil für...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Inflation: Warum der KI-Boom Ihr Erspartes entwerten könnte
06.07.2026

Künstliche Intelligenz soll die Wirtschaft produktiver machen, Prozesse beschleunigen und Wohlstand schaffen. Doch bevor dieser Effekt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäische ChatGPT-Alternative: Warum ein 79-jähriger Unternehmer Big Tech herausfordert
06.07.2026

Ein dänischer Unternehmer und ein selbst ernannter KI-Guru wollen zeigen, dass Europa nicht länger auf amerikanische Tech-Giganten...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Billiganbieter: Temu, Shein und Co. steigern Marktanteil auf Rekordwert
06.07.2026

Die Verbraucher in Deutschland geben online immer mehr Geld bei Shoppingplattformen wie Temu oder Shein aus. Während die asiatischen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau bei Porsche: Konzern streicht weitere 4.000 Jobs
06.07.2026

Wegen der Absatzkrise fallen beim Sportwagenhersteller Porsche bereits mehr als 4.000 Stellen weg. Diese Zahl könnte einem Bericht zufolge...